Festnahme in Lancashire: Britischer Spitzenpolitiker soll Mann vergewaltigt haben

Schwere Vorwürfe gegen einen britischen Politiker: Nigel Evans, der ehemalige Vizechef der Konservativen Partei, soll einen Mann vergewaltigt und einen weiteren sexuell missbraucht haben. Evans wurde festgenommen und später gegen Kaution freigelassen. Er bestreitet die Vorwürfe.

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Nigel Evans bei einem Pressestatement am Morgen: Vorwürfe "völlig unwahr"

London/Pendleton - Der hochrangige britische Parlamentarier Nigel Evans ist wegen Verdachts auf Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch festgenommen worden. Das meldet die Zeitung "The Independent" in ihrer Online-Ausgabe. Danach soll sich der Vize-Präsident des britischen Unterhauses an zwei Männern vergangen haben.

Dem "Independent" zufolge nahm die Polizei Evans in dessen Landhaus in Lancashire fest. Forensiker durchsuchten das Anwesen im Dorf Pendleton, während Evans auf der Polizeiwache vernommen wurde. Inzwischen wurde er gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

In einer Stellungnahme dementierte Evans energisch, die Taten begangen zu haben. Die Anschuldigungen stammten von "zwei Menschen, die sich gut kennen" und die er bis vor kurzem für seine Freunde gehalten habe. Einen der Männer habe er noch in der vergangenen Woche getroffen. Die Vorwürfe seien "völlig unwahr"; er könne "nicht verstehen, warum sie erhoben wurden".

Der 55-Jährige, der seit seinem Coming-out im Jahr 2010 offen homosexuell lebt, soll die Taten zwischen Juli 2009 und März 2013 begangen haben. Bei den Opfern handelt es sich dem "Independent" zufolge um deutlich jüngere Männer.

Anwälte schließen Rücktritt aus

Verteidigungsminister Philip Hammond zeigte sich "schockiert" von den Vorwürfen. Es könnte für Evans "schwierig" werden, seinen exponierten Parlamentsposten während laufender Ermittlungen zu halten. Anwälte von Evans schlossen einen Rücktritt von seinen Ämtern aus.

Evans ist in der britischen Politik kein unbeschriebenes Blatt: Er sitzt seit 21 Jahren im House of Commons, ist stellvertretender Präsident der Kammer und hatte im Lauf seiner Karriere diverse Regierungsposten inne, allerdings nie im Rang eines Ministers. Im Jahr 2004 war er Vizevorsitzender der Konservativen Partei.

Premierminister David Cameron wurde dem "Independent" zufolge über die Festnahme informiert. Für ihn dürften die Vorwürfe höchst ungelegen kommen. Jüngste Einbußen für die Konservativen bei Kommunalwahlen waren mit breiter Unzufriedenheit über den europapolitischen Kurs, über Sparmaßnahmen und Einwanderung begründet worden. Aber auch Pläne der konservativ-liberalen Koalition zur Gleichstellung von Homo-Ehen kamen unter Beschuss.

Ein Sprecher der Polizei in Lancashire sagte, man nehme alle Anschuldigungen sexueller Natur sehr ernst. "Wir wissen, wie schwer es für mutmaßliche Opfer sein kann, sich an die Behörden zu wenden."

rls/AP/dpa

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