Politisch korrektes Wörterbuch Britische Beamte lernen Anti-Terror-Vokabular

Sanfter Wortschatz gegen den Terrorismus: Das britische Innenministerium hat einen Sprachführer gegen die "aggressive Rhetorik" im Anti-Terror-Kampf herausgegeben. Für Behördenmitarbeiter stehen Redewendungen wie "islamistischer Extremismus" künftig auf dem Index.


London - Ein neues Wörterbuch soll es Behördenangestellten leichter machen, die richtigen Worte im Anti-Terror-Kampf zu finden. Wie die britische Tageszeitung "Guardian" berichtet, hat das Innenministerium ein Handbuch mit Sprachregelungen herausgegeben, die die "aggressive Rhetorik" im Anti-Terror-Kampf eindämmen soll. Ziel sei es, dass sich im öffentlichen Diskurs um die Bedrohung durch Terroristen nicht alle Muslime unter Generalverdacht gestellt fühlen.

Muslima in Großbritannien (mit Polizistin): Wörterbuch für bessere Kommunikation
AP

Muslima in Großbritannien (mit Polizistin): Wörterbuch für bessere Kommunikation

Im neuen Sprachführer sind Begriffe wie "Fundamentalist" oder "islamistischer Extremismus" für Mitarbeiter britischer Behörden in Zukunft tabu. Stattdessen sollten die Beamten neutralere Begriffe wie "gewaltsamer Extremismus" ("violent extremism") und "Mörder" ("murderers") gebrauchen, die nicht direkt mit der Religion in Verbindung stehen. Einer generellen Assoziation von Terrorismus mit dem Islam würde damit vorgebeugt, hieß es zur Erklärung.

Doch das Lexikon schreibt nicht nur eins-zu-eins-Übersetzungen vor, sondern mahnt generell einen bewussten Umgang mit bestimmten Redewendungen an. Anstatt etwa im öffentlichen Diskurs immer wieder den "Kampf der Kulturen", den "clash of zivilisations", zu beschwören, solle öfter auf gemeinsame Werte verwiesen werden, heißt es in dem Handbuch.

Die Initiative verdeutlicht den Versuch der britischen Regierung, die im Land lebenden Muslime beim Kampf gegen den Terror nicht zu diskriminieren. Es müsse vermieden werden, dass "sich bestimmte gesellschaftliche Gruppen generell beschuldigt fühlen", hieß es aus dem Ministerium.

Das Lexikon zeigt aber auch, wie sich bestimmte Vokabeln zum Anti-Terror-Kampf im allgemeinen Sprachgebrauch bereits festgesetzt haben. "Das Wörterbuch ist nicht angelegt als Verbot bestimmter Wörter. Vielmehr soll es das Augenmerk auf gebräuchliche Vokabeln richten, die zu leicht missverstanden oder fehlinterpretiert werden können", steht im Anhang der Liste geschrieben. "Es geht nicht nur um politisch korrekte Sprache, sondern um Effizienz", heißt es weiter, "die Menschen hören nicht mehr zu, wenn sie sich angegriffen fühlen".

amz



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