Politische Jahresvorschau Das wird 2018 die Welt bewegen

Was macht Trump? Ist die Terrormiliz IS besiegt? Wie geht es im Nordkoreakonflikt weiter, und welche Herausforderungen warten auf die EU-Länder? Lesen Sie hier das Wichtigste zu den politischen Ereignissen 2018.

AFP; DPA; imago; REUTERS; AP; EPA


Inhaltsverzeichnis

  1. Europa
  2. Osteuropa
  3. Naher Osten
  4. Nordamerika
  5. Lateinamerika
  6. Asien
  7. Afrika

1. Europa

Deutschland – Eine Regierung! Vielleicht

Ab Januar wird wieder sondiert. Und anschließend womöglich verhandelt. Und dann darüber abgestimmt. Und am Ende, die einen sagen Ostern, die anderen Pfingsten, hat Deutschland 2018 vielleicht wieder eine Regierung, die sich nicht nur geschäftsführend nennt, mit Angela Merkel als Kanzlerin einer neuerlichen Großen Koalition mit der SPD. Vielleicht gibt es aber auch Neuwahlen. Ganz regulär gewählt werden im Herbst zwei Landtage: In Hessen will Volker Bouffier es noch einmal wissen. Etabliert er endgültig Schwarz-Grün auf der politischen Landkarte? In Bayern wird Markus Söder wohl im Frühjahr das Zepter von Horst Seehofer übernehmen – und muss die CSU wieder zur absoluten Mehrheit führen.

Großbritannien – Mays Gegner liegen auf der Lauer

Für Theresa May wird es ein entscheidendes Jahr: Ihre politische Zukunft ist unmittelbar mit den Brexit-Verhandlungen verknüpft. Bis Oktober, so will es Brüssel, soll die Ausstiegsvereinbarung stehen - um bis zum offiziellen Termin im März 2019 genügend Zeit für die Ratifizierung der Verträge zu haben. Da bleibt nicht viel Raum, um etwa über ein für London so wichtiges Handelsabkommen zu sprechen. Und Mays Gegner warten nur darauf, die angeschlagene Premierministerin aus dem Amt zu jagen. Ein wichtiger Stimmungstest dürften die Kommunalwahlen am 3. Mai sein. Legt Labour weiter zu, steigt auch der Druck auf die Tory-Chefin. Auf ein anderes Ereignis dürften sich dagegen die meisten Briten freuen: Im Mai wollen Prinz Harry und Meghan Markle heiraten.

Schweden – Wer will mir den Rechten reden?

Die Schweden wählen am 9. September ein neues Parlament. Aktuell zeichnet sich ein enges Rennen zwischen dem linken und dem bürgerlichen Lager ab. Der sozialdemokratische Premier Stefan Löfven hofft, seine Minderheitsregierung mit der Umweltpartei fortsetzen zu können. Aber zuletzt hatten die bürgerlichen Konservativen in Umfragen wieder zugelegt. Seit Oktober haben sie einen neuen Parteichef: Ulf Kristersson hatte die Führung der Moderaten übernommen, nachdem seine Vorgängerin Anna Batra zurücktrat. Sie hatte eine Zusammenarbeit mit den rechtspopulistischen Schwedendemokraten nicht mehr ausgeschlossen. Kristersson hingegen will ohne die Rechtspopulisten auskommen. Das bedeutet, dass es - egal welches Lager gewinnt - in Schweden wahrscheinlich erneut eine Minderheitsregierung geben wird.

Frankreich – Nur mal eben die EU reformieren

Emmanuel Macron hat 2018 gleich zwei Großprojekte vor: Er will Frankreich und die EU reformieren. Zumindest für das zweite Vorhaben braucht er die Deutschen als Partner an seiner Seite, ist also auf die Regierungsbildung in Berlin angewiesen. Innenpolitisch muss Macron gleich an zwei Fronten aufmerksam sein. Seine Beliebtheitswerte sind nach dem glamourösen Amtsantritt nur noch mäßig. Und auch in der eigenen Partei ist der Präsident nicht mehr unumstritten, es soll Unmut über den autoritären Führungsstil geben.

Spanien – Und immer wieder Katalonien

Seit der Streit um das Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens im Oktober 2017 eskaliert ist, ist die Region im Norden Spaniens weltberühmt. Mariano Rajoys Plan, die Separatisten durch Neuwahlen des Regionalparlaments zu schwächen, ist nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Die Unabhängigkeitsbefürworter bleiben wohl an der Macht, ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. Rajoy muss 2018 auf Kommunikation statt Konfrontation setzen und die Regionen und Menschen wieder einen, sonst sind auch vorgezogene Wahlen 2018 möglich.

Italien – Die Rechten wollen absahnen

Voraussichtlich im März wählen die Italiener ein neues Parlament – zu den Gewinnern könnten vor allem rechte und rechtspopulistische Parteien gehören. Sie profitieren von der immer größer werdenden migrantenfeindlichen Stimmung im Land. Obwohl weniger Menschen über Italien nach Europa flüchten, dürfte Migration das Thema des Wahlkampfes sein. Und dann ist da ja immer noch der kleine, alte, berüchtigte Mann der italienischen Politik: Auf die Rolle von Silvio Berlusconi darf man auch 2018 sehr gespannt sein.

Griechenland – Endlich raus aus dem Armenhaus

Im kommenden Jahr könnten die Griechen endlich die “Ära Rettungsschirm” hinter sich lassen. Das dritte EU-Hilfspaket läuft im August aus, Nummer vier wollen Athen und Gläubiger unbedingt verhindern. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Griechenland erwartet ein Jahr mit solidem wirtschaftlichem Wachstum, vor allem durch den boomenden Tourismussektor. Analysten erwarten, dass vor allem Premier Alexis Tsipras profitieren wird, möglicherweise bei vorzeitigen Neuwahlen. Beim Flüchtlingsproblem ist eine Entspannung nicht in Sicht, noch immer sitzen Zehntausende im Land und auf den Inseln fest.

2. Osteuropa

Russland – Milliarden für das Fußball-Spektakel

Natürlich wird Präsident Wladimir Putin am 18. März wiedergewählt werden. Seit Jahren regiert er Russland bereits, dieses Mal tritt er als unabhängiger Kandidat des Volkes an. Als Gegner sind nur jene zugelassen, die ohnehin keine Chance haben, etwa der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski. Für etwas Abwechslung sorgt das Ex-Glamour-Girl Xenija Sobtschak, die liberale TV-Journalistin darf mit ihrer Kritik an Putin und der Korruption durchs Staatsfernsehen tingeln. Auch wenn Putin international den starken Mann gibt, im eigenen Land haben die Menschen angesichts der ökonomischen Lage Angst vor dem Abstieg. Vom 14. Juni bis 15. Juli will sich Russland der Welt dann positiv präsentieren: Das Land richtet die Fußballweltmeisterschaft 2018 aus, eine Prestigeveranstaltung für den Kreml, in die er Milliarden Euro investiert.

Polen – Die EU grollt, Warschau blockt ab

Trotz des EU-Verfahrens gegen Polen sitzt die nationalkonservative Regierung fest im Sattel. 2018 werden die EU-Länder über eine Verwarnung nach Artikel 7 abstimmen, weil Warschau den Rechtsstaat zurückbaut. Aber kommt es auch zu Sanktionen gegen das Land? Eher nicht. Denn Ungarn wird dagegen stimmen.

Ukraine – Taumelt der Schokoladen-König?

Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sind zwar erst für 2019 angesetzt, doch Präsident Petro Poroschenko steht bereits unter Druck: Immer noch haben Oligarchen großen Einfluss, trotz erster Reformen und Anbindung an Europa geht es nicht so recht voran im Land. Der Geheimdienst SBU, dem Präsidenten direkt unterstellt, versucht, Antikorruptionskämpfer und Gegner einzuschüchtern. Poroschenko, dessen eigenes Unternehmensimperium wächst, sieht nicht gut aus im Machtkampf mit seinem ehemaligen Weggefährten Micheil Saakaschwili, der dessen Absetzung fordert. Ein neuer Maidan ist das zwar noch nicht, doch es ist Saakaschwili gelungen, Poroschenko zu blamieren.

3. Naher Osten

Irak – IS geschlagen, Probleme ungelöst

Der IS ist militärisch besiegt, aber der Irak noch längst nicht befriedet. Die Regierung hat die gesellschaftlichen und politischen Umstände, die den Aufstieg der Terrormiliz begünstigten –Diskriminierung der sunnitischen Minderheit, Korruption und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit – keineswegs beseitigt. Im Gegenteil: Im Vorfeld der für Mai geplanten Parlamentswahl dürften sich die konfessionellen Spannungen weiter zuspitzen. Und dann ist da die noch immer ungelöste Frage der kurdischen Autonomie.

Syrien – Krieg ohne Ende

Knapp sieben Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs hat Baschar al-Assad seine Macht in Damaskus dank massiver russischer und iranischer Militärhilfe gesichert. Doch der Krieg ist damit noch nicht zu Ende: Weiter kontrollieren Aufständische die Provinz Idlib und mehrere Orte im Umland von Damaskus. Das Regime bombardiert diese Gebiete oder hungert sie aus. Eine politische Lösung des Konflikts verweigert der Diktator. Das erschwert auch eine Schlichtung des Streits um eine mögliche Autonomie für die Kurden, die große Gebiete im Norden und Osten Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Ägypten – Der Nil-Staat droht zu zerfallen

Ägypten wählt im Frühjahr einen neuen Präsidenten. Amtsinhaber Abdel Fattah al-Sisi dürfte ein Ergebnis über 90 Prozent erzielen. Die wenigen Herausforderer werden drangsaliert und von einem übermächtigen Propagandaapparat diskreditiert. Allein: Der Sieg an der Wahlurne ändert an den Problemen des Landes nichts, der Wirtschaftskrise und dem Erstarken des Terrorismus. Der Ex-General kann die Islamisten unterdrücken, ihre Ideologie aber nicht. Die Folge: Das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt droht weiter zu zerfallen.

Türkei – Noch mehr Macht für Erdogan

In der Türkei ist Wahlkampf zu einer Art Dauerzustand geworden. Zwar stehen die nächsten Wahlen offiziell erst 2019 an. Präsident Recep Tayyip Erdogan geht jedoch schon jetzt auf Stimmenfang und hält beinahe jede Woche irgendwo in der Türkei eine Kundgebung ab. In den kommenden Monaten dürfte sich die Schlagzahl weiter erhöhen. Beobachter glauben, dass die Regierung die Wahlen vorziehen und die Bürger noch 2018 an die Urne bitten könnte. Erdogan will seine Macht um jeden Preis konsolidieren. Die Repressionen gegen Oppositionelle und Journalisten dürften sich deshalb im kommenden Jahr fortsetzen. Die Beziehung der Türkei zu ihren Partnern im Westen, wie Deutschland oder den USA, dürften angespannt bleiben.

Jemen – Huthi-Rebellen gegen alle

Kurz vor dem Jahreswechsel sind die Fronten im Jemenkrieg in Bewegung geraten. Keine zwei Tage nachdem Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh sein Bündnis mit der Huthi-Miliz aufgekündigt hatte, töteten die Rebellen ihren einstigen Verbündeten. Das bedeutet, dass die Huthi nun alle anderen Kriegsparteien gegen sich haben. Dadurch wächst ihre Abhängigkeit von Iran. Das wiederum dürfte dazu führen, dass sich der Konflikt als Teil des regionalen Stellvertreterkriegs zwischen Saudi-Arabien und Iran 2018 noch einmal verschärft. Die Führung in Riad ist zwar kriegsmüde, ein Rückzug kommt vorläufig aber nicht infrage.

Libanon – Der nun-also-doch-noch-Premier steht zur Wahl

Am 6. Mai 2018 soll es endlich so weit sein: Nach neun Jahren finden wieder Parlamentswahlen statt. Eigentlich hätte schon 2014 neu gewählt werden müssen, wegen des Syrienkriegs und der instabilen Lage wurde die Abstimmung aber immer wieder verschoben. Premierminister Saad Hariri geht als Favorit ins Wahljahr: Die Posse um seinen Rücktritt, den er Anfang November von Saudi-Arabien aus verkündet hatte, hat den 47-Jährigen paradoxerweise gestärkt. Hariri kann sich nun als Regierungschef präsentieren, der sich von seiner Schutzmacht Riad emanzipiert hat. Auch die Hisbollah als stärkste politische und militärische Macht im Libanon kann gut mit Hariri leben – so lange er das Waffenarsenal der Miliz unangetastet lässt.

Israel – Netanyahu könnte scheitern (an sich selbst)

Benjamin Netanyahu steht 70 Jahre nach der Gründung des Staates Israels extrem unter Druck. Persönlich. Denn: Gegen Israels konservativen Premier wird in zwei Korruptionsfällen ermittelt. Sein ausschweifender Lebensstil könnte ihn das Amt kosten. Wenn da nicht die Opposition wäre. Die Linken und Zentrumsparteien haben keine charismatischen Führungspersönlichkeiten. Die internationale Staatengemeinschaft kann zudem mit Blick auf den Nahostkonflikt ohne US-Präsident Trump keinen Druck aufbauen. Das Ergebnis: Netanyahu kann scheitern - aber nur an sich selbst.

Saudi-Arabien – Kampf um die Macht in Riad

Kronprinz Mohammed bin Salman hat 2018 viel vor: Er will Saudi-Arabien wirtschaftlich zukunftsfähig machen, die gesellschaftliche Liberalisierung der konservativen Monarchie vorantreiben und weiter sunnitische Hegemonialmacht in der Region bleiben. Das könnte schiefgehen: Innenpolitisch werden religiöse Hardliner versuchen, seine Macht in Riad zu untergraben, außenpolitisch der schiitische Erzfeind Iran. Diese Kämpfe wird der Thronfolger kaum gleichzeitig gewinnen können. Die möglichen Folgen für den Nahen Osten wären erheblich.

4. Nordamerika

USA – Stutzen die Wähler Trump zurecht?

Das politische Jahr 2018 wird in den USA ganz im Zeichen des Wahlkampfs zu den Kongresswahlen (Midterms) stehen. Können die Republikaner im November ihre Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus verteidigen oder gewinnen die Demokraten? Bei einem Sieg der Opposition würde Donald Trumps politischer Spielraum massiv eingeschränkt, Projekte wie der Bau der Mauer wären in Gefahr. Sollten neue Belege in der Russlandaffäre ans Licht kommen, würde für ihn auch das Risiko eines Amtsenthebungsverfahrens steigen. Um seine Macht zu verteidigen, wird Trump das Jahr deshalb wahrscheinlich im Dauer-Wahlkampfmodus verbringen.

5. Lateinamerika

Brasilien – Präsident Unbeliebt

„Fora Temer“, weg mit Temer, fordern Oppositionelle und Demonstranten eigentlich seit 2015 – der brasilianische Präsident ist so unbeliebt wie kaum ein anderes Staatsoberhaupt. Dass er 2018 aus dem Amt scheidet, gilt als sicher – wie es danach mit Brasilien weitergeht, allerdings nicht. Als aussichtsreiche Kandidaten für seine Nachfolge gelten Ex-Präsident Lula und der Rechtspopulist Jair Bolsonaro. Ob Lula überhaupt noch einmal antreten darf, muss noch gerichtlich geklärt werden. Ob einer der möglichen Nachfolger wirksam die Korruption bekämpfen kann und will, scheint fraglich. Die instabilen politischen Verhältnisse könnten auch der Wirtschaft, die sich gerade etwas erholt, wieder schaden. Gewählt wird am 7. Oktober.

Mexiko - Trump mauert, die Korruption blüht

Noch hat US-Präsident Donald Trump nur einen Prototyp seiner geplanten Mauer zu Mexiko errichten lassen, im kommenden Jahr könnte er sich jedoch stärker auf seinen südlichen Nachbarn konzentrieren. Auch innenpolitisch steht Präsident Enrique Peña Nieto unter Druck: Kritiker werfen ihm vor, nicht genug gegen Korruption getan zu haben, der Drogenkrieg hat sich in den vergangenen Jahren weit im Land ausgebreitet. Er selbst darf im Juli bei der Präsidentschaftswahl nicht noch einmal antreten, stattdessen schickt seine Partei mit José Antonio Meade einen – neuerdings - unabhängigen Kandidaten ins Rennen. Profitieren könnte der linke Politiker Andrés Manuel López Obrador.

Argentinien – Die 20 Mächtigsten der Welt reisen an

Auf Hamburg folgt Buenos Aires: Mit Argentinien richtet voraussichtlich Ende 2018 zum ersten Mal ein südamerikanisches Land den G20-Gipfel aus. Schwerpunkt soll die „Zukunft der Arbeit“ sein. Für Argentiniens ehemalige Präsidentin Cristina Kirchner könnte es ein Schicksalsjahr werden. Die Staatsanwaltschaft will ihre Immunität aufheben lassen, um offiziell gegen sie zu ermitteln. Dabei geht es unter anderem um einen Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindehaus Amia 1994 – Kichner soll vertuscht haben, dass Iran daran beteiligt war. Auch der umstrittene Tod des zuständigen Sonderstaatsanwalts Alberto Nisman könnte noch eine Rolle spielen.

Venezuela – Das Elend unter Maduro geht weiter

Aus der Wirtschaftskrise ist in Venezuela längst eine Staatskrise geworden: Dem Land droht der Staatsbankrott, die Versorgungskrise ist so schwer, dass selbst Medikamente und Lebensmittel fehlen. Präsident Nicolás Maduro ist im Volk unbeliebt, wochenlang gingen Tausende gegen ihn auf die Straße. Trotzdem dürfte Maduro im Dezember – wenn denn überhaupt abgestimmt wird –seine Wiederwahl feiern. Die Weichen dafür hat er bereits gestellt: Im Dezember schloss er die Opposition von der Wahl aus.

Kuba – Ein Präsident, der nicht Castro heißt?

Der Name Castro ist in Kuba untrennbar mit Macht verbunden: Seit 1959 führte erst Fidel, ab 2006 dann sein Bruder Raúl das Land. Letzterer wird im kommenden Jahr 87 Jahre alt und will deshalb in den Ruhestand gehen – zumindest als Präsident. Voraussichtlich im April ist es soweit, allerdings wurde der erste Renteneintrittstermin bereits verschoben. Unklar ist noch, ob er auch das Amt des Parteichefs abgibt. Geplant ist bisher, dass er diesen Posten noch bis 2021 behält und somit auch weiterhin mitredet. Die Macht wäre dann zwischen Parteichef und Präsident geteilt. Auf Dauer müssen sich die Castro-Nachfolger entscheiden: Wollen sie mit den USA kooperieren oder sich wieder weiter distanzieren? Soll es mehr Reformen geben, und sollen Märkte geöffnet werden, oder soll sich so wenig wie möglich ändern?

6. Asien

Südkorea – Nukleare Winterspiele

Während der Nordkoreakonflikt, der derzeit wohl gefährlichste der Welt, weiter brodelt, finden vom 25. Februar an in Südkorea die Olympischen Winterspiele statt. Das Sportevent in Pyeongchang, nur etwa 80 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt, wurde schon im Vorfeld politisiert: Die Veranstalter luden ausdrücklich Sportler aus Nordkorea dazu ein, selbst wenn diese den Anforderungen nicht entsprechen. Das Regime in Pjöngjang ließ die Anmeldefristen jedoch verstreichen. Mehrere internationale Sportler haben bereits angekündigt, nicht anzureisen, wenn sich der Konflikt weiter verschärfen sollte.

Nordkorea – Das Pulverfass

Die Welt blickt (noch mehr als sonst) auf die koreanische Halbinsel. Das Atomwaffenprogramm des Nordens läuft weiter, niemand kann sagen, wie sich der Diktator Kim Jong Un verhalten wird. Erst recht nicht, wenn wenige Kilometer von der Grenze entfernt eines der größten Sportereignisse der Welt stattfindet. Provoziert Pjöngjang weiter, könnten die Olympischen Winterspiele ernsthaft in Gefahr geraten. Doch das ist nichts im Vergleich zum Risikopotential, dass sich aus den (bisher noch) verbalen Scharmützeln zwischen den USA und Nordkorea ergibt. Hier könnte schon ein Missverständnis erhebliche militärische Folgen haben.

Japan – Streit um das Recht auf Krieg

Ministerpräsident Shinzo Abe will 2018 das wichtigste Projekt seiner Regierungszeit vorantreiben: eine Änderung der pazifistischen Nachkriegsverfassung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde darin festgehalten, dass Japan keine Land-, See- und Luftstreitkräfte unterhalten dürfe; zudem wird dem Land im Artikel 9 „Krieg als souveränes Recht der Nation“ abgesprochen. Tatsächlich verfügt Japan längst über hochmoderne Streitkräfte – noch werden sie aber verschämt als Selbstverteidigungsstreitkräfte bezeichnet. Mit der Änderung möchte Abe die Rolle des Militärs eindeutig festschreiben. Dafür kommt ihm der Nordkoreakonflikt gelegen, den er im Wahlkampf 2017 als Bedrohungsszenario immer wieder bemühte.

Kambodscha – Mehr Geld aus China, weniger Demokratie

Kambodscha wird sich 2018 noch weiter von demokratischen Strukturen lösen. Zwar wird im Juli gewählt, doch Regierungschef Hun Sen ließ schon vorsorglich die freie Presse und Opposition ruhigstellen. Im November 2017 entschied ein Gericht, die Oppositionspartei CNRP müsse aufgelöst werden – bis dahin die größte Konkurrenz für die Regierungspartei CP. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die CNRP zu Protesten gegen die Regierung aufgestachelt hatte. Hun Sen, der bereits seit 1985 regiert, kommt vor allem der wachsende Einfluss des Geldgebers China auf Kambodscha zupass.

China – Xi lässt das Netz abstellen

Das politische Großereignis in China, der Parteikongress, fand bereits 2017 statt; Präsident Xi Jinping konnte seine Position weiter festigen. Was die uneingeschränkte Macht der KP in der Volksrepublik für die Meinungsfreiheit bedeutet, wird ab Februar 2018 deutlich: Spätestens ab dann sollen die staatlichen Internetanbieter China Mobile, China Unicom und China Telekom alle VPN-Zugänge im Land blocken. Mit dem privaten Kommunikationsnetzwerk konnten Nutzer bislang noch die „Great Firewall“ umgehen, und trotz Zensur etwa auf Google, Facebook und Twitter zugreifen. Die VPN-Blockade stellt auch Mitarbeiter westlicher Firmen vor große Probleme, die nun um eine sichere Kommunikation mit ihren Heimatländern bangen.

Thailand – Die Junta macht fleißig Stimmung

Nach dem Militärputsch 2014 kündigte die Junta rasche Neuwahlen an. Passiert ist seitdem nichts, die Regierung von Ex-Militärchef Prayuth Chan-ocha verschob den Urnengang mehrmals. Stattdessen ließ sie über eine Verfassungsänderung abstimmen, welche die politischen Parteien weiter schwächt und den Einfluss des Militärs auch nach der Wahl garantiert. Die soll nun wirklich stattfinden: im November. Wie der Wahlkampf aussehen könnte, zeichnete sich schon im Vorfeld des Referendums ab: Auf die Werbung für ein Nein zum Referendum stand Strafe, die Junta hingegen konnte ganz ungestört Stimmung dafür machen.

Burma – Das Rohingya-Drama geht weiter

Burma ist 2017 wie wohl nie zuvor in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten. Mehr als eine halbe Million Rohingya, die muslimische Minderheit in dem buddhistisch geprägten Land, die dort schon seit Jahrzehnten unterdrückt wird, flohen vor erneuter Militärgewalt ins Nachbarland Bangladesch. 2018 kann Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi beweisen, dass ihr das Schicksal der Rohingya tatsächlich am Herzen liegt. Vor wenigen Monaten einigte sich ihre Regierung mit Bangladesch auf Eckpunkte einer Rückführung der Flüchtlinge. Details dazu sind allerdings immer noch nicht bekannt, ein Ende der Krise kaum in Sicht.

Pakistan – Wahlen und Gewaltausbrüche

Im Spätsommer 2018 stehen Parlamentswahlen an. Diese waren nötig geworden, nachdem der Oberste Gerichtshof den mächtigen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif wegen Korruptionsvorwürfen absetzte. Viele vermuten dahinter das Militär. Derzeit gibt es in dem Land wieder schwere Ausschreitungen. Tausende protestieren gegen die ihrer Meinung nach zu wenig religiöse Regierung. In mehreren Städten, darunter Islamabad, kam das Militär der Polizei zu Hilfe und ging brutal gegen die Demonstranten vor.

7. Afrika

Togo – Diktatorendämmerung, nächster Teil?

Im westafrikanischen Togo könnte die Zeit der Herrscherfamilie Gnassingbé 2018 ablaufen. Hartnäckig protestieren die Togoer gegen den Klan, der seit der Unabhängigkeit vor über 50 Jahren das Land beherrscht. Die Proteste nahmen im August Fahrt auf, dann machte die Regierung mit Internetsperren alles noch schlimmer – und musste letztlich Zugeständnisse machen. Im Dezember bot Präsident Faure Gnassingbé der Opposition Gespräche an, die lehnte ab. Ihr Forderung: Gnassingbé soll gehen.

Zentralafrikanische Republik – Selbst Krankenhäuser sind mehr sicher

Religiöse und ethnische Gewalt haben die Zentralafrikanische Republik wieder fest im Griff, es bekriegen sich muslimische und christliche Milizen. Die Zahl der Binnenvertriebenen ist jüngst wieder auf mehr als 500.000 gestiegen. Mehrfach wurden im vergangenen Jahr Kliniken und Gesundheitsstationen angegriffen, „Krankenhäuser sind kein sicherer Ort mehr“, kritisiert die NGO Ärzte ohne Grenzen. Damit ist vielerorts die Gesundheitsversorgung zusammengebrochen, was zu noch mehr Flüchtlingen führt.

Nigeria - Der kranke Mann am Golf

Staatchef Muhammadu Buhari, 75, ist angeschlagen. Mehrfach war er für Arztbesuche im Ausland, Gerüchte über seinen Tod kursierten, Imame beteten für den mächtigen Glaubensbruder. Zugleich plagen das 186-Millionen-Einwohnern-Land in Westafrika gewaltige Probleme: Im Norden bomben die Boko-Haram-Islamisten, die Versorgungslage ist prekär. Der Krieg zwischen Terroristen und Armee hat Ackerbau und Handel ruiniert, mehrere Zehntausend sind gestorben. Im Süden brodelt der Widerstand gegen die Regierung im ölverpesteten Nigerdelta und in der Unruheregion Biafra. Stirbt Buharis, droht eine noch größere Krise.

Demokratische Republik Kongo – Gewalt statt Wahlen

Schon vor mehr als einem Jahr hätten die Kongolesen wählen müssen, aber Präsident Joseph Kabila will offenbar mit allen Mitteln und unter Umgehung der Verfassung Staatschef bleiben. In der zentralen Kasai-Region und im Osten lässt Kabila Aufstände niederschlagen. Die Kirche, Anfang 2017 noch Vermittler, fordert nun offen ein Ende der Kabila-Herrschaft. Zugleich sind die Krisen in Kasai und im Osten so brutal wie international unbeachtet. Neben sexueller Gewalt und Hunger drohen Epidemien, etwa Masern- und Cholera-Ausbrüche. Die Uno hat mit Notstandslevel 3 die höchste Stufe ausgerufen. Die gilt sonst nur im Irak, in Jemen und in Syrien.

Simbabwe—Kaum Hoffnung mit dem Krokodil

Nach dem abrupten Ende der Herrschaft von Robert Mugabe herrschte in Simbabwe Euphorie. 2018 dürfte die Ernüchterung folgen. Emmerson Mnangagwa, 71, genannt „das Krokodil“, will Investoren ins Land holen, die Repression aber bislang nicht lockern. Zwar stehen 2018 Wahlen an, doch die wird die Regierungspartei ZanuPF so abhalten, dass am Ende nur einer – Mnangagwa – gewinnen kann. Ein neues Zentralkomitee der Partei wäre eigentlich 2019 fällig. Nun sagt Mnangagwa, er und seine Genossen sollten besser noch einmal fünf Jahre in gleicher Besetzung weitermachen.

Südsudan – Und jetzt ein Goldrausch?

Im Südsudan schürfen die Menschen jetzt nach Gold, teils mit bloßen Händen. Das sagt wohl schon alles über die Zustände in weiten Teilen des jungen Staates. Vor dem seit vier Jahren tobenden Bürgerkrieg zwischen Regierung und Rebellen sind Hundertausende geflohen. Immer wieder müssen Hilfsorganisation wie die Deutsche Welthungerhilfe wegen neuer Gewalt die Versorgung unterbrechen, weite Teile des Landes sind nur aus der Luft erreichbar. Es sieht nicht so aus, als würden sich die alten Kontrahenten und Milizenführer Präsident Salva Kiir und sein Ex-Vize Riek Machar, die für das große Sterben verantwortlich sind, demnächst einigen.

Redaktion: Britta Kollenbroich, Johannes Korge

Autoren: Giorgos Christides, Kevin Hagen, Christina Hebel, Britta Kollenbroich, Johannes Korge, Roland Nelles, Dominik Peters, Maximilian Popp, Jan Puhl, Anna Reimann, Vanessa Steinmetz, Christoph Sydow, Christoph Titz, Philipp Wittrock

Schlussredaktion: Sebastian Hofer

Produktion: Guido Grigat

Layout: Katja Braun, Hanz Sayami

Programmierung: Guido Grigat, Frank Kalinowski, Chris Kurt


Hier finden Sie alle bisher veröffentlichten Folgen von Endlich verständlich: Brexit, Erdöl, Fifa, Finanzkrise in Griechenland, Flüchtlingskrise, G20 in Hamburg, Hacking, Impeachment, "Islamischer Staat", Klimawandel, Krieg in Syrien, künstliche Intelligenz, Nordkorea, Panama Papers, Rente, Steuern, TTIP, türkische Verfassungsreform, US-Vorwahlen, US-Wahl, VW-Abgasaffäre, Wahl 2017, Zinsen

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