Politkowskaja-Mord Polizei schlägt Demonstration gewaltsam nieder

Der Mord an Anna Politkowskaja lässt Russland nicht zur Ruhe kommen: Polizisten zerschlugen in der Kaukasusrepublik Inguschetien gewaltsam eine Kundgebung zum Gedenken an die regierungskritische Journalistin.


Moskau – Bei der Versammlung in der Stadt Nasran hätten Polizisten eine Menschenrechtskämpferin angegriffen und ihr die Nase aufgeschlitzt, sagte ein Vertreter der Organisation Memorial, Usam Baisajew, im Radio. Die Frau sei im Krankenhaus. Außerdem hätten Polizisten den Demonstranten Bilder von Politkowskaja aus der Hand gerissen und seien auf dem schmutzigen Boden auf den Bildern herumgetrampelt. Zwei Menschenrechtskämpfer habe die Polizei festgenommen.

Das Memorial-Mitglied Natascha Estmirowa bezeichnete Politkowskajas Ermordung als "große Katastrophe" für Tschetschenien. Eine weitere Menschenrechtskämpferin in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny sagte, Politkowskaja habe als einzige unter "lügenden, gekauften Journalisten" aufrichtig über Tschetschenien berichtet. Sie sei "eine Heilige für unser Volk".

Unbekannte hatten die namhafte Journalistin am 7. Oktober in ihrem Haus in Moskau erschossen. Politkowskaja hatte unter anderem über Korruption in Russland sowie über Menschenrechtsverstöße in der nach Unabhängigkeit von Moskau strebenden Kaukasusrepublik Tschetschenien berichtet und den russischen Präsidenten Wladimir Putin offen kritisiert.

reh/AFP/Reuters



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