Kabul - Taliban-Kämpfer haben ein Luxushotel in der Nähe von Kabul am Kargha-See angegriffen und dort mehrere Geiseln genommen. Stundenlang lieferten sie sich heftige Feuergefechte mit afghanischen Sicherheitskräften und Nato-Soldaten. Dutzende Gäste waren in dem Hotel eingeschlossen. "Das Gebiet ist unter Kontrolle, alle Angreifer sind getötet worden", sagte Sedik Sedikki, Sprecher der afghanischen Innenministeriums in Kabul.
Es soll nach Informationen von SPIEGEL ONLINE mindestens 17 Tote geben, darunter neun Hotelgäste. Die genaue Zahl war aber zunächst unklar, da noch Tote in dem Kargha-See vermutet werden.
Nach Angaben des für das Gebiet zuständigen Polizisten, Mohammad Shoaib, wurden fünf Täter, ein Polizist und zwei Sicherheitsleute des Hotels getötet. Die Kämpfe dauerten fast zwölf Stunden an. "Die genaue Zahl der zivilen Opfer ist noch nicht klar", sagte Shoaib SPIEGEL ONLINE. Mehr als 40 Afghanen seien gerettet worden, teilten die Behörden mit.
Fünf Selbstmordattentäter der Taliban hatten gegen 23.45 Uhr am späten Donnerstagabend das Ausflugshotel Sposhmai in Kargha überfallen. Sie kamen in einem Minibus, trugen mit Sprengstoff gefüllte Westen und waren mit Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnet. Vier Hotelgäste retteten sich vor den Geiselnehmern, indem sie aus einem Fenster in den darunterliegenden See sprangen.
Das Hotel ist ein beliebtes Ausflugsziel 18 Kilometer westlich vom Zentrum der afghanischen Hauptstadt am Kargha-See, einem der wenigen Erholungsgebiete in der Umgebung. Zu den Restaurants und Hotels am Ufer des Sees fahren auch viele Mitarbeiter der afghanischen Regierung sowie Geschäftsleute - vor allem am Donnerstagabend und am arbeitsfreien Freitag.
"Wir hatten eine kleine Party, am Ende unserer Feier hörten wir Schüsse und Rufe von Leuten - 'Taliban-Angriff, Taliban-Angriff'", erzählte Mohammad Ibrahim, der in dem Hotel zu Gast war. Er habe flüchten können, sein Bruder habe es aber nicht geschafft, aus dem Hotel zu kommen. Sein Schicksal ist unklar. Nach Angaben der Polizei befanden sich zum Zeitpunkt des Überfall fünf oder sechs Familien auf dem Gelände des Hotels. Die Nachrichtenagentur dpa sprach von 300 Menschen, die sich auf dem Anwesen befunden hätten.
Die Aufständischen hätten die Zivilisten während der Gefechte als menschliche Schutzschilde benutzt, berichtete der Sprecher der Innenministeriums. Einer der fünf Taliban-Kämpfer sprengte sich nach Angaben der Polizei in die Luft.
Über dem Bereich des Hotels kreisten während des Einsatzes Hubschrauber der Nato und der afghanischen Armee, berichtete SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Shoib Najafizada, der vor Ort am Kargha-See ist. Afghanische Sicherheitskräfte umstellten das Gelände.
Die Nato bestätigte eine Beteiligung internationaler Truppen. Der Einsatz werde von afghanischen Kräften geführt und durch ausländische Truppen unterstützt, sagte Major Adam Wojack. Berichte über Opfer unter den internationalen Kräften gebe es aber nicht.
Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Geiselnahme. "Wir bedauern zutiefst den Verlust von Menschenleben", sagte er bei einem Besuch in der südindischen Stadt Bangalore. Deutschland werde seine Politik in Afghanistan aber nicht ändern. "Der Terror wird uns nicht davon abbringen, für eine bessere, friedliche Zukunft für Afghanistan zu arbeiten."
heb/AP/dpa/Reuters
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