Blasphemievorwurf in Pakistan Polizei nimmt Schuldirektor wegen Englischtest fest

Zwei neue Fälle religiös motivierter Gewalt erschüttern Pakistan. In Lahore stürmten 250 Menschen eine Mädchenschule, weil in einem Englischtest Prophet Mohammed beleidigt worden sein soll. In Kaschmir töteten Eltern ihre Tochter, weil sie angeblich mit einem Jungen gesprochen hatte.

Verwüstungen in Mädchenschule: Angreifer behinderten die Feuerwehr
AFP

Verwüstungen in Mädchenschule: Angreifer behinderten die Feuerwehr


Islamabad - In Pakistan sorgen erneut Blasphemievorwürfe für Unruhen. In Lahore stürmten aufgebrachte Menschen eine Mädchenschule, weil sie Aufgaben in einem Englischtest als Beleidigung des Propheten Mohammed empfunden hätten, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der Direktor der Schule wurde festgenommen. Gegen die Lehrerin, die den Test ausgearbeitet haben soll, werde ermittelt.

Nach Polizeiangaben stürmte eine Gruppe von rund 250 Menschen die Privatschule. Darunter hätten sich Eltern, Anwohner und Kinder befunden. Bei dem Angriff wurden Möbelstücke und das Auto des Direktors in Brand gesetzt. Die Schule blieb am Donnerstag geschlossen. Die Menschenmasse habe die Bereitschaftspolizisten überrannt, die zum Schutz der Schule aufgestellt worden waren, und außerdem Feuerwehrleute bei der Arbeit behindert. Gegen die Angreifer werde ermittelt. Nach dem Angriff demonstrierten Dutzende Schülerinnen in Lahore, um ihre Solidarität mit dem Direktor zu bekunden.

Bei einer Verurteilung droht die Todesstrafe

Ein Polizeisprecher sagte, derzeit werde geprüft, ob wirklich ein Fall von Blasphemie vorliege oder ob es sich um eine Verschwörung gegen den Direktor handle. Im schlimmsten Fall sehen Pakistans Gesetze für Blasphemie die Todesstrafe vor. Das Gesetz verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis nur bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Kritiker des Gesetzes bemängeln, es werde missbraucht, um Minderheiten zu verfolgen und persönliche Gegner anzugreifen.

Im August wurde eine 14-jährige Christin drei Wochen lang wegen des Vorwurfs, Seiten aus dem Koran verbrannt zu haben, in einem Hochsicherheitsgefängnis festgehalten. Der Fall ist noch nicht vor Gericht entschieden.

Einen weiteren Fall von religiös motivierter Gewalt meldeten die Behörden aus dem pakistanischen Teil Kaschmirs. Dort gab ein Elternpaar zu, dass es seine 16 Jahre alte Tochter umgebracht hatte. Der Grund: Das Mädchen habe sich vor dem Haus der Familie mit einem Jungen unterhalten. Zunächst hatten die Eltern behauptet, ihr Kind habe versucht, sich das Leben zu nehmen. Mutter und Vater wurden festgenommen.

syd/dpa/AFP/Reuters



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insgesamt 77 Beiträge
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Jean_Luc 01.11.2012
1. traurig!
...das ist tiefstes Mittelalter!
schockierter! 01.11.2012
2. Meine Güte -
was hat die Menschheit nur für einen Sockenschuss ! Und alles unter einem fiktiven Mantel der Religionen = Götzenglauben - im 21. Jahrhundert dieser/unserer Zeitrechnung
shokaku 01.11.2012
3.
Zitat von Jean_Luc...das ist tiefstes Mittelalter!
Nö. Das ist 21. Jahrhundert. Live und in Farbe. Vermutlich in nicht allzuferner Zeit auch in einem Kino ganz in der Nähe.
nepomuk23 01.11.2012
4. Ich kann es nicht mehr hören...
Überall nur religiöser Fanatismus, und niemand unternimmt etwas...
schnuffschnuff 01.11.2012
5.
Zitat von Jean_Luc...das ist tiefstes Mittelalter!
Allerdings mit Atomwaffen.
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