Protest gegen Putin: Polizei nimmt Hunderte Demonstranten in Moskau fest

Massenproteste gegen Machthaber Wladimir Putin erschüttern Moskau. Bei der größten Demonstration seit Beginn des Jahres wurden Dutzende Menschen verletzt, mehrere hundert weitere festgenommen. Menschenrechtler werfen der Polizei unkontrollierte Brutalität vor.

Moskau - Einen Tag vor der Amtseinführung von Wladimir Putin ist es in Moskau zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften gekommen. Zehntausende Menschen demonstrierten gegen Putins Rückkehr in den Kreml am Montag. Nach Polizeiangaben wurden rund 400 Aktivisten festgenommen, es gab mindestens 27 Verletzte.

Auch Ex-Vize-Regierungschef Boris Nemzow, der Internetblogger und Anwalt Alexej Nawalny sowie der linke Oppositionspolitiker Sergej Udalzow nahm die Polizei in Gewahrsam. Ihnen droht jeweils eine Arreststrafe von 15 Tagen. Zwölf Polizisten wurden nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen verletzt.

Zu den Auseinandersetzungen mit der Polizei war es gekommen, als Teilnehmer eines zunächst friedlichen Marsches versuchten, von der vorgeschriebenen Route in Richtung Kreml abzuweichen. Als mehr und mehr Menschen auf eine gesperrte Brücke drängten, verstärkte die Polizei dort ihre Kräfte. Einige Demonstranten warfen Steine und Flaschen auf die Beamten.

Menschenrechtler warfen der Polizei unkontrollierte Brutalität vor, gaben aber auch radikalen Provokateuren unter den Demonstranten eine Mitschuld an der Eskalation der Lage. Nach Angaben der Sicherheitskräfte gab es unter den Demonstranten Provokateure, die mit Steinen und Flaschen warfen.

Videoaufnahmen zeigten, wie die eigentlich auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierte Sonderpolizei Omon mit Schlagstöcken wahllos auf friedliche Demonstranten einschlug. Mindestens sechs Menschen mussten mit Prellungen, Schürfungen und teils auch Schnittwunden im Krankenhaus behandelt werden.

Putins Sprecher Dmitri Peskow forderte nach Angaben des Radiosenders Echo Moskwy eine harte Bestrafung der Provokateure und verteidigte den Polizeieinsatz. Der Chef der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, sagte, dass die Drahtzieher gesucht würden, die zu Unruhen und Gewalt gegen die Staatsmacht aufgerufen hatten. Ihnen drohen nach Medienberichten bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Ex-Geheimdienstchef Putin kehrt am Montag zum dritten Mal in den Kreml zurück. In den vergangenen vier Jahren amtierte er als Regierungschef. Das Amt des Präsidenten hatte Dmitri Medwedew inne, der von Kritikern als Platzhalter für Putin angesehen wurde.

Nach einer Verfassungsänderung dauert die Amtszeit des Präsidenten nicht mehr vier, sondern erstmals sechs Jahre. Putin war am 4. März mit 63,6 Prozent der Stimmen gewählt worden.

kha/dpa/AFP

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1. 27 Verletzte
sergejnik1 06.05.2012
Von diese 27 Verletzte sind 20 verletzte Polizisten. Über welche Brutalität reden Sie? Diese Provokatoren wollte nach Kreml gehen. Ich frage was machen deutsche Polizisten, wenn jemand versucht Bundestag-Gebeute zu attakieren? Versuchen SIe bitte die SItuation nicht nur von Ihre Seite betrachten. Herr Putin wurde von 64% Russe gewält. Von welche Recht ein paar Tausende können ihre Meinung zu andere zu diktieren.
2. Steine und Flaschen werfen können keine friedlichen Mittel sein,
freiheit05 06.05.2012
deshalb ist das harte Durchgreifen der Polizei nachvollziehbar - und nicht nur das, es ist gerechtfertigt.
3. verlezte
spon-facebook-10000121082 06.05.2012
die demonstranten in moskau sind sowieso von dem westen gekauft worden XD. das haben die ukrainer erlebt "orangene revolution", die usbeken "rosa revolution", komplette nordafrika "frühlingsrevolution". im egypten wurde eine deutsche konrad-adenauer stiftung vom egyptischen staat geschlossen und ihrem angehörigen wird im moment ein prozess im bezug auf unruhestiftung gemacht (die stiftung finanzierte die demonstranten/studenten im egypten nämlich). ebenso andere "demokratieunterstützer" aus amerika und eu wurden dort verhaftet. und jetzt überlegt euch mal wer für die unordnung in diesen ländern sorgt. und wer bezahlt es? die ehrlichen/falsch informierten/betrogenen bürger der länder der eu oder usa. dem westen passt es eben nicht, dass so ein starker mann wie putin an der macht in rußland ist. er wird nämlich nicht öl, gas und andere bodenschätze an den westen "verschenken" wie es einer von den oppositionellen tun würde. der größte teil der opposition in rußland ist entweder zu schwach und zu korrupt, um eine funktionierende regierung zu gründen, oder sind vom westen schon in den 90-er jahren gekauft worden "gary kasparov, nemzov, der nazi schirinowsij und andere schwachmaten." putin ist kein heiliger und geht mit journalisten "freie meinungsäußerung" hart um. aber der mann ist ein patriot. und gebt doch zu, was nützt euch die freie meinungsäußerung für journalsiten, wenn ihr einen leeren abendbrodttisch habt?
4. Sie
Schweijk 07.05.2012
Zitat von sergejnik1Von diese 27 Verletzte sind 20 verletzte Polizisten. Über welche Brutalität reden Sie? Diese Provokatoren wollte nach Kreml gehen. Ich frage was machen deutsche Polizisten, wenn jemand versucht Bundestag-Gebeute zu attakieren? Versuchen SIe bitte die SItuation nicht nur von Ihre Seite betrachten. Herr Putin wurde von 64% Russe gewält. Von welche Recht ein paar Tausende können ihre Meinung zu andere zu diktieren.
haben vergessen das mindestens 30% von den 64% unter zwang oder mit durch bestechung zustande gekommen sind. Zwang ist wenn man jemandem droht den Arbeitsplatz zu verlieren wenn er nicht den richtigen wählt. Ich denke das werden sie einsehen oder? Die Deutschen sind nicht so blöd das nicht zu wissen. Putin ist kein Demokrat er ist ein Diktator der mieseste Sorte.
5. doppel-moral
martinxmartin 07.05.2012
Zitat von sergejnik1Von diese 27 Verletzte sind 20 verletzte Polizisten. Über welche Brutalität reden Sie? Diese Provokatoren wollte nach Kreml gehen. Ich frage was machen deutsche Polizisten, wenn jemand versucht Bundestag-Gebeute zu attakieren? Versuchen SIe bitte die SItuation nicht nur von Ihre Seite betrachten. Herr Putin wurde von 64% Russe gewält. Von welche Recht ein paar Tausende können ihre Meinung zu andere zu diktieren.
interessant ist doch, dass die deutschen mainstream-medien solche sachen totschweigen: "Die Abwesenheit der Medien hatte an vielen Orten fatale Folgen. Die Bullen konnten munter die Knüppel schwingen, und nicht nur das; von 114 verletzten Demonstranten, davon neun schwer, berichtet die Sani-Gruppe Wendland. Der Unterarm eines Castorgegners sei von einem Polizeihund durch 40 Bisse zerfleischt worden. Sein Maul konnte nur durch einen als Hebel eingesetzten Schlagstock gelöst worden. Die Bullen ritten mit Pferden in Sitzblockaden. Atomkraftgegner wurden unter menschenunwürdigen Umständen in Gefangenenstellen "zusammengepfercht" und ohne Begründung oft 10 Stunden und mehr dort festgehalten. Unter ihnen auch 16 und 17 jährige Jugendliche, denen verweigert wurde einen Vormund zu benachrichtigen und denen durch gezielte Falschinformationen über die Konsequenzen ihrer Festnahme Angst gemacht wurde. Danach wurden die Jugendlichen um 2 Uhr nachts außerhalb geschlossener Ortschaften ausgesetzt. Besonders skandalös ist die Leibesvisitation an einer Person, von welcher der Republikanische Anwaltsverein berichtete. Eine auf der Strecke aufgegriffene Person sei von Polizeibeamten dazu gezwungen worden sich nackt auszuziehen. Dann wurden die Achselhöhlen sowie der Rektal- und Intimsbereich durchsucht." Wendland - Polizeigewalt und Medieninteresse (http://stressfaktor.squat.net/2001/anticastor_01.html)
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Fläche: 17.098.200 km²

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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