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Ministerin Josefa Idem: Eine Deutsche für Italiens Frauen

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Josefa Idem: Sportlegende und Ministerin Fotos
AFP

Josefa Idem ist Rekordteilnehmerin bei Olympia, stammt aus Deutschland - und ist plötzlich Ministerin für Sport und Gleichstellung in Italien. Mit den Lautsprechern Grillo und Berlusconi hat sie sich bereits angelegt, und auch ihre Haltung zur Homo-Ehe dürfte für Zündstoff sorgen.

Rom - Klar, da war immer noch Schumi. Doch gleich neben dem früheren Ferrari-Rennfahrer ist Josefa Idem wohl Italiens beliebteste Sportlerin aus Deutschland. Als "Legende" betiteln Italiens Zeitungen die blonde Kanutin aus Nordrhein-Westfalen gerne. Nun sitzt die Legende aus Germania in der neuen Regierung in Rom.

Josefa Idem, vor 48 Jahren in Goch am Niederrhein geboren, ist seit Sonntag Ministerin für Sport, Jugend und für Gleichberechtigung. Eine neue Kombination und in Italien ein ziemlich interessantes Amt: Schließlich gehen hier Sport und Politik wie im Fall von Ex-Premier-und-Fußballpräsident Silvio Berlusconi oft eine seltsame Verbindung ein. Und bei der Gleichberechtigung der Frau und Jugend ist in der Altherrenrepublik ohnehin noch viel zu tun.

Idem ist eine von sieben Frauen im neuen Kabinett, jeder dritte Posten ist mit einer Ministerin besetzt - für italienische Verhältnisse bemerkenswert. Unter Berlusconi war noch ein früheres Aktmodell Ministerin für Gleichberechtigung. Dafür, dass Frauen und die jüngere Generation weiter vorankommen, ist jetzt Idem zuständig. Im Sportbereich ist sie unumstritten, im Amtsbereich Gleichstellung dürfte es zu einigen Konflikten kommen.

Seit Ende der achtziger Jahre lebt Idem in Italien. Sie heiratete 1990 ihren italienischen Trainer, zog zu ihm nach Ravenna an die Adriaküste. Bald übernahm sie die italienische Staatsbürgerschaft und musste dafür ihren deutschen Pass abgeben. Sie fand das schade, erzählte sie kürzlich in einem Radiointerview. Die deutsche Gründlichkeit und die italienische Phantasie würden sich doch gut ergänzen.

Nun sitzt die Sozialdemokratin in der Regierung mit den Berlusconi-Leuten, die im Wahlkampf noch ungeniert über die Deutschen herzogen. Idem betont allerdings immer wieder, sie spüre keine Ressentiments. Die Bürger würden das als Wahlkampfgeplänkel erkennen, sagte sie.

Italien liebt die blonde Sportlerin

Die Sportlerin Idem lieben die Italiener sowieso. Im Kajak hat sie so ziemlich alles gewonnen, was zu gewinnen war. Mehr als 30 Medaillen hat sie errungen, bei Olympia, bei Welt- und Europameisterschaften. Keine Frau hat öfter an Olympischen Spielen teilgenommen als sie: Achtmal war sie dabei, zunächst noch für die Bundesrepublik. 2000 in Sydney errang sie Gold für Italien, 2008 in Peking rutschte sie nur um vier Tausendstel Sekunden daran vorbei.

Nebenbei brachte sie zwei Jungen zur Welt und startete als Sportdezernentin in Ravenna in die Lokalpolitik. Sie erhielt mehrere Verdienstorden. "Ich bin eben eine Mutter, die arbeitet", sagte sie einst.

Sieben Jahre lang hatte sie den Posten in Ravenna inne, dann betrat sie auch als Politikerin die nationale Bühne. Sie wurde Sprecherin der sozialdemokratischen PD für Sportpolitik. Die Basis wählte sie zur Spitzenkandidatin in der Region Emilia-Romagna bei den Wahlen im Februar. "Wie die Politik auf nationaler Ebene ist, weiß ich nicht", bekannte sie kürzlich gegenüber der "Repubblica".

Angriff gegen Grillo

Dennoch zoffte sie sich auf der großen Bühne bereits mit den Lautsprechern der italienischen Politik. Beppe Grillo, dem Chef der Protestbewegung Movimento 5 Stelle, hielt sie entgegen, "Schrott" zu reden. Der hatte zuvor die Olympischen Spiele als Triumph des Nationalismus bezeichnet. "Italien", sagte die gebürtige Deutsche dazu im Sommer 2012, "ist ein Land, das mitfiebert und anfeuert, aber das bedeutet nicht, dass wir in den Krieg ziehen."

Und über Berlusconi verlor sie, auch wenn der ihr als Regierungschef wiederholt zu den Kanu-Erfolgen gratulierte, kaum ein gutes Wort. Zu dessen Albernheiten auf internationalen Gipfeln sagte sie nur knapp, das könne doch nicht angehen.

Ganz anders eine weitere Sportlerin, die es jetzt in die Politik zog. Die Fechterin Valentina Vezzali, die für das Bündnis von Mario Monti Abgeordnete ist, sagte zu Berlusconi schon mal im Fernsehen: "Von Ihnen lasse ich mich gerne anfassen."

Vezzali, deren Partei nun auch die neue Regierung unterstützt, lobt die Ministerin Idem: "Josefa kennt das Sich-Aufopfern, und wir Sportler sind daran gewöhnt, konkrete Ergebnisse zu erzielen." Und der Chef des Nationalen Olympischen Komitees, Giovanni Malagò, nannte Idem "die richtige Person an der richtigen Stelle".

Idem selbst wurde offenbar von der Berufung durch Premier Enrico Letta überrascht. "Mir zittern die Hände", schrieb sie auf Twitter nach ihrer Ernennung. "Ich spüre die Verantwortung, aber fürchte sie nicht. Ich kremple die Ärmel hoch und beginne mit der Arbeit im Dienst des Landes."

Dabei dürfte die Sportheldin dann aber auf Widerstand stoßen. Jetzt muss sie Politik machen. Was sie als erstes angehen wird, hat sie bislang noch nicht verraten. Der italienischen "Vanity Fair" sagte sie einmal, sie sei natürlich für die Homo-Ehe. Das Thema sorgte im Wahlkampf für heftige Diskussionen. Die Leute von Berlusconi und Monti dürften dabei nicht mitziehen.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. optional
jochen-w.voss 29.04.2013
das fängt ja gut an: erst die immobiliensteur mit 8 Mrd. einnahmen weg-trifft sicher nicht die armen oder die wirtschaft-berlusconi ist dankbar, 21 statt 15 der am besten in europa bezahlten minister, kein neues konzept für einnahmen oder einsparungen- das ist eine sachgereche politik!!
2. Welche Armen ?
cucco 29.04.2013
Zitat von jochen-w.vossdas fängt ja gut an: erst die immobiliensteur mit 8 Mrd. einnahmen weg-trifft sicher nicht die armen oder die wirtschaft-berlusconi ist dankbar, 21 statt 15 der am besten in europa bezahlten minister, kein neues konzept für einnahmen oder einsparungen- das ist eine sachgereche politik!!
Die Immobiliesteuer traf die absolute Mehrheit der Italiener! Der italienische Staat und die italienischen Banken haben den Immobilienerwerb stark gefördert ( im Gegensatz zu Deutschland). Die Eigenimmobilie ist in Italien die Errungenschaft Nr. 1 im Volk. Italiener sind wohlhabender als Deutsche. Natürlich darf man nicht die Selbstauskünfte der Italiener gegenüber dem Fiskus zu Rate ziehen. Das mit der Homo Ehe wird - wie der Autor sagt - Schwierigkeiten geben. Moderne Deutsche lieben ausgefallene und unlogische Lösungen, die Italiener sind prakrische Leute und wissen, dass Kinder nur von Frauen geboren werden und von Männern gezeugt werden. Also - so die italienische Konsequenz - muss man eben diese beiden Gruppen zusammen bringen. Alles andere ist Wahlkampf oder Luxus.
3. Schrott
Delphianer 30.04.2013
Beppe Grillo, dem Chef der Protestbewegung Movimento 5 "Stelle, hielt sie entgegen, 'Schrott' zu reden. Der hatte zuvor die Olympischen Spiele als Triumph des Nationalismus bezeichnet." - Da hat er aber Recht: ohne Nationalismus würde sich bspw. kaum jemand, schon gar nicht in Italien, für irgendwelche Kajakwettbewerbe interessieren.
4. Glückwunsch
Campagnano 30.04.2013
Josefa Idem. Eine tolle Frau, die tolle Ministerin wäre. Wäre... wenn sie nicht in einer Regierung sitzen würde, die komplett von der Gunst von Berlusconi abhängig ist. Und die Italiener sind also praktische Leute? Gesellschaftspolitisch noch nicht mal in den 1980ern angekommen. Frauen sieht man im TV nur als hochhakige Blondinen und Italien leistet sich, das einzige westliche Land zu sein, dass Schwulen nicht die geringsten Rechte gibt. Ich wünsche Frau Idem viel Erfolg, weiss aber dass sie realistisch keine Chance hat.
5. Bravo Josefa
matjeshering 30.04.2013
weiter so. Ich hoffe Sie haben die Kraft, Ausdauer und Widerstandskraft in dieser Macho-Riege auch durch zu halten. Viel Erfolg. Und Hut ab.
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Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,796 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Sergio Mattarella

Regierungschef: Matteo Renzi

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