Posing mit gefangenen Palästinensern Israelische Soldatin verteidigt demütigende Facebook-Fotos

Die Aufnahmen haben eine Welle der Empörung ausgelöst: Eine israelische Soldatin veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite Fotos, auf denen sie vor gefangenen Palästinensern posiert. Sie will damit keine böse Absicht verfolgt haben.

AFP/ sachim.tumblr.com

Jerusalem - Die Bilder erinnern an die Aufnahmen aus dem irakischen US-Gefangenenlager in Abu Ghuraib, die 2004 in der ganzen Welt Entsetzen und Ekel hervorriefen. Gewaltexzesse wie damals sind auf den Bildern, die die israelische Soldatin Eden Abargil jetzt auf ihrer Facebook-Seite präsentierte, zwar nicht zu sehen. Aber auch diese Fotos sorgen für eine Welle der Empörung.

Die Bildern zeigen, wie die 20-Jährige lächelnd zusammen mit drei palästinensischen Häftlingen mit verbundenen Augen und gefesselten Händen posiert. Darunter schrieb Abargil: "Die Armee, die beste Zeit meines Lebens." Auf einem der Bilder sitzt sie in der Hocke vor den Gefangenen, auf einem weiteren Foto sitzt sie neben einem der Gefangenen und hat ihren Kopf in seine Richtung gedreht. Zu einem Bild schrieb eine Facebook-Freundin in der Kommentarspalte: "Du siehst ja richtig sexy darauf aus."

Die Fotos stammen nach Angaben der Soldatin aus dem Jahr 2008, sie wurden in der Nähe des Gaza-Streifens aufgenommen. Unklar ist, warum die Palästinenser festgenommen worden waren. Die Fotos wurden am Montagabend vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Israel gezeigt. Sie wurden inzwischen offenbar von der Facebook-Seite gelöscht, sind aber noch im Internet zu sehen.

Die israelische Armee kritisierte in einer Erklärung "das beschämende Verhalten der Soldatin". Abargil beendete ihren Militärdienst demnach bereits vor einem Jahr und kann deswegen nach Angaben des Armeerundfunks nicht mehr disziplinarisch belangt werden. Auch der Direktor des israelischen Anti-Folter-Komitees, Jischai Menuschim, verurteilte in einer Erklärung das Verhalten der Soldatin. Es illustriere "eine Haltung, die eine Norm geworden ist und darin besteht, Palästinenser wie Objekte und nicht wie menschliche Wesen zu behandeln".

"Wir waren gut gelaunt, wir wollten Fotos über unsere Erfahrungen zeigen"

Ein Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde, Ghassan Chatib, sagte, die Bilder zeigten "die Mentalität der Besatzer, darauf stolz zu sein, Palästinenser zu demütigen". "Nichts auf der Welt kann diese Demütigung rechtfertigen, die Teil der alltäglichen israelischen Besatzer-Praxis ist."

Die Soldatin selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Im israelischen Armeerundfunk sagte sie, sie habe nichts Falsches getan: "Auf den Bildern gibt es keine Gewalt und keine Respektlosigkeit." Sie sei fotografiert worden, als sie im Stützpunkt angekommen war. "Wir waren gut gelaunt, wir wollten unseren Freunden Fotos über unsere Erfahrungen in der Armee zeigen." Sie wolle sich zwar bei denjenigen entschuldigen, die sich verletzt fühlten, sie habe aber "in aller Unschuld und guten Glaubens" gehandelt. Die Bilder hätten keine politische Botschaft. Zugleich sagte sie, Kritiker würden immer einen Grund finden, Israel anzugreifen. Sie habe sich "immer sehr um die Gefangenen gekümmert".

Inzwischen habe sie zahlreiche Morddrohungen erhalten. "Es gibt keine Gewalt oder absichtliche Demütigung in den Bildern", sagte sie dem Armeesender. "Es ging nur darum, dass ich mich an meine Erlebnisse in der Armee erinnern wollte, das ist alles."

Derzeit bemüht sich die internationale Gemeinschaft, die direkten Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern wieder in Gang zu bringen. Diese liegen seit dem Beginn der israelischen Gaza-Offensive im Dezember 2008 auf Eis.

Mit Facebook hat die israelische Armee immer wieder Ärger. So plauderte im März dieses Jahres ein israelischer Soldat eine geheime Militäraktion im Westjordanland in dem sozialen Netzwerk mit genauem Ort und Zeitpunkt aus. Die Razzia wurde daraufhin abgeblasen.

Und im vergangenen Mai wurde bekannt, dass eine junge Frau mit einem gefälschten Facebook-Profil israelischen Soldaten Geheimnisse entlockte. Mehr als 200 Elitesoldaten sollen ihr in die Falle gegangen sein. Hinter der Aktion stand angeblich die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah.

als/dpa/AFP



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