Ruheraum im Flugzeug: Netanjahus teures Nickerchen verärgert Israelis

Von , Beirut

Netanjahu: Im "Ruheraum" zum Begräbnis von Thatcher Zur Großansicht
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Netanjahu: Im "Ruheraum" zum Begräbnis von Thatcher

Israels Wirtschaft schwächelt, Steuererhöhungen treffen die Bürger. Jetzt wird bekannt, dass sich Ministerpräsident Netanjahu für einen Europaflug einen Ruheraum im Flugzeug hat einbauen lassen. Kostenpunkt: 107.000 Euro. Das Volk ist empört. Mal wieder steht der Regierungschef als Verschwender da.

Wie viel ist es einem Volk wert, dass sein Ministerpräsident ausgeruht beim Begräbnis eines wichtigen internationalen Politikers auftritt? 107.000 Euro sind jedenfalls entschieden zu viel, da herrscht bei den Israelis Einigkeit. Genau so viel kostete es nämlich, ein von der israelischen Fluggesellschaft El Al gechartertes Flugzeug so umzurüsten, dass Benjamin Netanjahu und Gattin Sara während eines Fluges zur Beerdigung der ehemaligen britischen Premierministerin Thatcher einige Stunden schlafen konnten.

Das kostspielige Schläfchen für den Fünfeinhalb-Stunden-Flug nach London am 17. April kommt nun auch Netanjahu teuer zu stehen - zumindest kostet es ihn gehörig Sympathien.

Der Skandal um das in der Abrechnung euphemistisch "Ruheraum" getaufte Gemach an Bord brach am vergangenen Freitag los, als der israelische Sender Channel 10 von den Umbauarbeiten berichtete. Demnach wurde ein Doppelbett in die Maschine montiert und dieses dann von vier Wänden umstellt. Für die Entourage des "Bibi" genannten Regierungschefs wurden zudem 20 zusätzliche Business-Class-Sessel aufgestellt. Ein kleineres Flugzeug ohne Bett hätte exakt eine halbe Million Schekel, also 107.000 Euro weniger gekostet, errechnete der Sender.

Geradezu genüsslich erläuterten die TV-Journalisten dann, dass Israels Präsident Schimon Peres, der im kommenden Monat 90 Jahre alt wird, jüngst einen 11-Stunden-Flug nach Südkorea ohne zu klagen in der Business-Class absaß.

"Etwas Nachtruhe"

Den Sturm der Entrüstung schürte Netanjahus Büro anfangs noch, indem es in beleidigtem Ton eine Erklärung abgab: Israels Ministerpräsident habe ja wohl das Recht, "zwischen zwei mit Terminen vollgepackten Tagen etwas Nachtruhe zu bekommen".

Das war ein gefundenes Fressen für Netanjahus Gegner. Die fragten, ob sich das Privileg denn auch auf die Ehefrau des Regierungschefs erstrecke. Sara Netanjahu ist in Israel unbeliebt: Ihr wird vorgeworfen, einem luxuriösen Lebensstil auf Staatskosten zu frönen und sich als engste Beraterin ihres Mannes ständig - und ohne jedes Mandat - in die Angelegenheiten des Landes einzumischen.

In Israels Presse war denn die Empörung auch groß: "Bibi ist König, und in einer Monarchie spielt der Preis keine Rolle, wenn der König und die Königin fliegen", wetterte Sima Kadmom in der Zeitung "Jedioth Acharonoth". "Schämen die sich nicht?", fragte der Journalist. Er rechnete außerdem aus, dass bei der Flugzeit zwischen Tel Aviv und London jede Stunde von Netanjahus Schlaf 100.000 Schekel, umgerechnet also 21.376 Euro, kostete. "Das ist es wohl, was Leute meinen, die jemandem goldene Träume wünschen", ätzte Kadmom. In Israel wünscht man sich "goldene" statt "süße" Träume.

Der "Ruheraum"-Skandal kommt für Netanjahu zur Unzeit. Seine Regierung legt in diesen Tagen einen Sparhaushalt vor, der schmerzhafte Einschnitte in fast allen Bereichen vorsieht: Die Einkommensteuer soll um 1,5 Prozent steigen, die Mehrwertsteuer um ein Prozent. Auch wird das Kindergeld gekürzt. Am Samstag demonstrierten in Tel Aviv und Jerusalem Tausende gegen die Sparmaßnahmen. Vor allem die Mittelschicht sieht sich durch die Rosskur benachteiligt.

Das Büro Netanjahus machte sich angesichts des Volkszorns am Montag daran, Schadensbegrenzung zu betreiben. Der Ministerpräsident habe nichts von den zusätzlich entstandenen Kosten gewusst, hieß es in Jerusalem. Der "Ruheraum" werde auf Flügen zumindest nach Europa künftig nicht mehr installiert. Netanjahu selbst habe seine Mannschaft erneut zum Sparen aufgefordert.

Erst im Februar hatte Israel sich über den Eiskonsum der Netanjahus erregt. Aus den Abrechnungen des Staatshaushalts ging da hervor, dass das Ehepaar für umgerechnet 2008 Euro jährlich Speiseeis - Pistazie für Bibi, Französische Vanille für seine Frau - aus einer Eisdiele nahe ihrer Residenz bezog. Auch diese Rechnung wurde vom Steuerzahler beglichen. Nachdem dies bekannt geworden war, waren die Netanjahus gezwungen, ihre wöchentlichen Nachtischlieferungen abzubestellen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
leser47116352 13.05.2013
was fuer ein buhei??? was sind bitte 107 tausend im gesamten haushalt israels. ist ja wohl normal dass der mann auf seinen fluegen ja wohl schlafen darf, und das nicht im sitzen. solche kritik ist laecherlich.
2. ein 5h Flug
sitiwati 13.05.2013
hallo, den kann man auch in FC abreisen, immer das Theater mit dem vollen Terminkalender, ich denke, würde man diese Terminkalender ins Auge fassen, könnte man locker ein paar streichen-aber es ist einfach so, man muss je überall dabei sein und wenns noch so nichtig ist!
3. Oh ha.....
w.r.weiß 13.05.2013
Zitat von sysopAFPIsraels Wirtschaft schwächelt, Steuererhöhungen treffen die Bürger. Jetzt wird bekannt, dass sich Ministerpräsident Netanjahu für einen Europaflug einen Ruheraum im Flugzeug hat einbauen lassen. Kostenpunkt: 107.000 Euro. Das Volk ist empört. Mal wieder steht der Regierungschef als Verschwender da. Posse um Netanjahu: Bibis teures Nickerchen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/posse-um-netanjahu-bibis-teures-nickerchen-a-899584.html)
...Bibi, Bibi....für Fingerspitzengefühl warst Du ja noch nie bekannt. Auch wenn andere dies jetzt als "Peanuts" ansehen, nee is klar. Schimon Peres, von ihm solltest Du Dir tatsächlich mal eine ganz große Scheibe abschneiden, der hat nämlich Stil und "Köpfchen"!!
4.
der_durden 13.05.2013
Zitat von leser47116352was fuer ein buhei??? was sind bitte 107 tausend im gesamten haushalt israels. ist ja wohl normal dass der mann auf seinen fluegen ja wohl schlafen darf, und das nicht im sitzen. solche kritik ist laecherlich.
Wie bitte? Sie würde es nicht stören, würde Frau Merkel sich für jeden längeren Flug ein 107.000 Euro Bett (nur der Aufschlag auf die Business Class) aufbauen ließe? Ich erinnere, in der BC sind die Sitzplätze nun wirklich ausreichend bequem und lassen sich in eine angenehme Liegeposition bringen. Und auch für Sie: Eine solche Kritik vom Steuerzahler ist alles, aber ganz bestimmt nicht lächerlich!
5. Nun, Israel hält doch weltweit die Hand auf !
iffel1 13.05.2013
Da ist dieser Betrag doch ein Klacks und Netanjahu war doch auch mit offener Hand auf dieser Reise unterwegs, da wird er doch mal Spesen machen dürfen ;o)
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Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
Uno-Sicherheitsrat
Der Uno-Sicherheitsrat , oft auch Weltsicherheitsrat genannt, ist das mächtigste Organ der Vereinten Nationen . Ihm gehören die fünf ständigen Mitglieder USA , Russland , Großbritannien , Frankreich und China sowie zehn nichtständige Mitglieder an, die in zweijährigem Wechsel unter Berücksichtigung einer angemessenen geografischen Verteilung von der Uno-Generalversammlung gewählt werden. Jedes der fünf ständigen Ratsmitglieder kann mit seinem Vetorecht alle ihm nicht genehmen Beschlüsse des Rates blockieren. Auch müssen Entscheidungen mit mindestens neun Stimmen gefasst werden. Viele Beschlüsse wurden so verhindert oder blieben wirkungslos.
Der Vorsitz im Sicherheitsrat rotiert monatlich in der alphabetischen Reihenfolge der englischen Ländernamen.
Aufgaben
Dem Uno-Sicherheitsrat kommt nach Artikel 24 der Uno-Charta die "Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens" zu. Das Gremium ist das einzige Organ der Uno , das völkerrechtlich verbindliche Beschlüsse für alle 191 Mitgliedstaaten der Weltorganisation fassen und deren Durchsetzung erzwingen kann.
Der Uno-Sicherheitsrat bietet ein Forum zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten und hat eine Untersuchungs-, Vermittlungs- und Vergleichsfunktion. Während andere Uno-Organe nur Empfehlungen abgeben können, hat der Weltsicherheitsrat nach Artikel VII der Uno-Charta auch das Recht, bindende militärische Zwangsmaßnahmen einzuleiten, sofern Staaten Aggressionen gegen andere Länder begehen oder auf andere Art den Frieden in der Welt ernsthaft gefährden. Er kann auch die Anwendung beschlossener Zwangsmaßnahmen durch einzelne Staaten erlauben. Immer wieder hat er weltweit Friedenstruppen eingesetzt, die sogenannten Uno-Blauhelme . Auch Wirtschafts- und Handelssanktionen kann der Rat verhängen.
Geschichte
Bei der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 erhielten die USA , die Sowjetunion , Großbritannien , Frankreich und China (damals vertreten durch Taiwan ) einen ständigen und mit Vetorecht ausgestatteten Sitz im Weltsicherheitsrat. Hinzu kamen zunächst sechs nichtständige Mitglieder, deren Zahl 1963 auf Beschluss der Uno-Generalversammlung auf zehn erhöht wurde. Seitdem hat der Rat insgesamt 15 Mitglieder. Erst 1971 wurde der ständige Sitz Taiwans (Nationalchina) an die Volksrepublik China übergeben.
Die Struktur des Rates ist von den Verhältnissen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geprägt. 1945 hatte die Uno 50 Mitglieder, heute 191, unter anderem, weil damals Dutzende Länder der Dritten Welt noch Kolonien waren. Deutschland und Japan, die seit Jahren nach den USA der zweit- und der drittgrößte Beitragszahler der Uno sind und nun ständige Ratssitze anstreben, waren bei der Uno-Gründung noch als "Feindstaaten" eingestuft.