Post von Ahmadinedschad Heikel, wirr, aber im Ton verbindlich

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat sich mit einem Brief erstmals direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Den Streit um das iranische Atomprogramm erwähnt er in dem Schreiben nicht. Der Inhalt aber ist für die deutsche Regierung brisant.


Berlin - Das etwa zehnseitige Schreiben an Kanzlerin Merkel (CDU) enthalte zahlreiche äußerst israel- und judenkritische Passagen, sagte ein mit dem Brief vertrauter Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt eine Menge Propaganda gegen Israel und die Juden", meinte er. Das Schreiben drehe sich um Deutschland, um Zionismus und darum, wie Iran und Deutschland eine Lösung des Palästinenserproblems erreichen könnten. "Es ist ziemlich wirr", beschrieb der Gewährsmann den Inhalt. Der Brief sei für die deutsche Regierung in hohem Maße heikel.

Anders als ein Schreiben, das Ahmadinedschad im Mai an US-Präsident George Bush gesandt hatte, sei der Brief aber im Ton verbindlich. "Es ist nicht negativ, er kritisiert Deutschland nicht. Es geht im Wesentlichen darum, wie wir zusammenarbeiten können, um die Probleme der Welt zu lösen." Noch sei unklar, ob und gegebenenfalls wie auf das Schreiben geantwortet werden solle. Der Brief war von Irans Außenminister Manutschehr Mottaki persönlich an den Geschäftsträger der Deutschen Botschaft in Teheran übergeben worden. Die Bundesregierung bestätigte den Eingang des Schreibens. Angaben zum Inhalt wurden offiziell nicht gemacht.

Ahmadinedschad hat wiederholt das Existenzrecht Israels bestritten und gefordert, der jüdische Staat müsse von der Landkarte verschwinden. Merkel hatte auf solch antisemitische Äußerungen stets sehr offensiv reagiert. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar hatte sie das Regime des iranischen Präsidenten mit dem aufkommenden Nationalsozialismus unter Adolf Hitler verglichen. Im gegenwärtigen Nahost-Konflikt gilt Iran als Hauptsponsor der schiitischen Hisbollah-Miliz, die die jüngste Eskalation mit Israel durch die Entführung zweier Soldaten und den Beschuss Nordisraels mit Raketen verursacht hat.

Der Streit um das iranische Atomprogramm werde in dem Brief mit keiner Zeile erwähnt, hieß es weiter in Regierungskreisen. Die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (Uno) und Deutschland haben Iran ein Paket von Maßnahmen angeboten, wenn das Land im Gegenzug die Anreicherung von Uran aussetzt. Iran hatte eine rasche Antwort abgelehnt, woraufhin der Streit an die Uno zurückverwiesen wurde.

kp/reuters/dpa



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