Präsident exhumiert Autopsie soll Allendes Tod aufklären

Beging er Selbstmord, oder wie kam der legendäre Salvador Allende während des Putsches von Pinochet ums Leben? Die sterblichen Überreste von Chiles Präsidenten wurden jetzt exhumiert: Eine Autopsie soll die Todesumstände aufklären.

Sarg mit Allendes Leichnam: Forensiker sollen den Leichnam untersuchen
AP

Sarg mit Allendes Leichnam: Forensiker sollen den Leichnam untersuchen


Santiago de Chile - Der Leichnam des 1973 beim Putsch von Augusto Pinochet getöteten chilenischen Präsidenten Salvador Allende ist am Montag exhumiert worden. Der Sarg mit den sterblichen Überresten wurde der Familiengruft auf dem Hauptfriedhof von Santiago entnommen.

Bislang wurde davon ausgegangen, dass der sozialistische Präsident im Angesicht des gewaltsamen Umsturzes Selbstmord beging.

Doch widersprüchliche Berichte des Militärs und der Polizei sorgten für Verunsicherung. Ein internationales Team von Forensikern soll durch die Untersuchung von Knochen feststellen, wie viele Schusswaffen bei Allendes Tod abgefeuert wurden.

Gerichtsmediziner wollen Klarheit über die Todesumstände des demokratisch gewählten Sozialisten bekommen. "Diese Untersuchungen sind noch nie vorgenommen worden, und es ist nicht auszuschließen, dass es nun Erkenntnisse gibt, die unsere bisherigen Überzeugungen in Frage stellen", sagte die Vorsitzende der Partei für Demokratie, Carolina Tohá, am offenen Grab.

Nach Aussagen von Beratern und Freunden hatte sich Allende während des Putsches am 11. September 1973 mit einer Maschinenpistole vom Typ AK-47 während der Verteidigung des Präsidentenpalasts La Moneda in der Hauptstadt Santiago selbst in den Kopf geschossen. Die Waffe soll ein Geschenk des kubanischen Präsidenten Fidel Castro gewesen sein. Im Bewusstsein des Widerstands rechter Kreise und der USA gegen seine sozialistische Regierung hatte er schon bei der ersten Kabinettssitzung 1970 gewarnt: "Von hier zum Friedhof".

Pinochet regierte Chile als Diktator bis 1990, als das Land zur Demokratie zurückkehrte. Während seiner Herrschaft wurden etwa 3000 Regimegegner umgebracht und Zehntausende gefoltert oder ins Exil gedrängt.

Pinochet starb 2006 ohne je verurteilt worden zu sein. Rund 200 frühere Mitglieder der Streitkräfte oder des Polizeiapparats wurden während der vergangenen 15 Jahre wegen Verbrechen während der Diktatur verurteilt. Davon sitzen derzeit nach Angaben des Innenministeriums nur 65 tatsächlich hinter Gittern.

als/DAPD/dpa



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