Petraeus-Affäre: Obama stellt sich hinter Top-Kommandeur Allen

Der Petraeus-Skandal hat einen weiteren General erfasst: Auch gegen John Allen, Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan, laufen Ermittlungen - wegen Tausender "unangebrachter" E-Mails mit einer Frau, die im Zentrum der Affäre steht. Jetzt bekommt er Rückendeckung vom US-Präsidenten.

Washington - Barack Obama hat seinem Afghanistan-Kommandeur, John Allen, demonstrativ das Vertrauen ausgesprochen. "Der Präsident hat eine sehr hohe Meinung von General Allen", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag. Der Kommandeur mache als Befehlshaber der internationalen Truppen in Afghanistan einen "exzellenten Job". Die Ermittlungen des Pentagons gegen Allen wolle das Weiße Haus nicht kommentieren.

Noch befehligt John Allen die US-Streitkräfte in Afghanistan, doch seine Karriere ist ins Stocken geraten. Eigentlich sollte der 58-jährige Vier-Sterne-Marine-General schon bald zum Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa befördert werden, doch nun laufen umfangreiche Ermittlungen gegen den Mann. Er ist in den Sog der Sex-Affäre des mittlerweile zurückgetretenen Ex-CIA-Chefs David Petraeus geraten.

Im Affären-Sog

John Allen soll regen Mail-Kontakt mit Jill Kelley gepflegt haben - der Frau, die die Ermittlungen gegen Petraeus ins Rollen brachte. Sie hatte sich wegen mutmaßlicher Droh-Mails von Petraeus' Ex-Geliebten Paula Broadwell an das FBI gewandt. Nach Medienberichten sah Broadwell anscheinend in Kelley, die nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren mit Petraeus und dessen Frau Holly befreundet war, eine Nebenbuhlerin. Die US-Bundespolizei hatte den Skandal aufgedeckt, nachdem sich Kelley hilfesuchend an die Behörde gewandt hatte.

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US-Sicherheitsbehörden: Die Affäre Petraeus
Und nun ist eben auch General Allen Teil dieses Skandal-Sogs, dieses komplexen Verbindungsnetzes der Frauen Kelley und Broadwell mit Petraeus. John Allen soll zwischen 20.000 und 30.000 Seiten, hauptsächlich E-Mails, mit Kelley ausgetauscht haben - mit "kokettem" oder "möglicherweise unangebrachten" Inhalt, wie es heißt. Die Dokumente sollen aus den Jahren 2010 bis 2012 stammen. Den Posten in Afghanistan bekleidet Allen seit Juli 2011.

Die wichtigsten Fakten zur Affäre Petraeus/Allen

  • CIA-Chef David Petraeus stürzte über eine Affäre mit Biografin Paula Broadwell. Das FBI ermittelt wegen möglichen Geheimnisverrats.
  • Broadwell schickte Droh-Mails an Jill Kelley, eine gute Freundin von Petraeus - und vermeintliche Konkurrentin. Kelley informierte das FBI.
  • Kelley selbst korrespondierte mit John Allen, Petraeus' Nachfolger als US-Befehlshaber in Afghanistan. Bis zu 30.000 potentiell "unangemessene" E-Mails sind sichergestellt - das Pentagon ermittelt.
  • Ein FBI-Fahnder schickte Oben-ohne-Bilder an Jill Kelley. Auch hier gibt es interne Ermittlungen.
Die beiden hätten "einige hundert E-Mails" ausgetauscht, als der General stellvertretender Kommandeur des Zentralkommandos der US-Streitkräfte in Tampa gewesen sei, sagte ein Militärvertreter der "Washington Post". Kelley war ehrenamtlich für die Armee tätig und veranstaltete Partys, an denen auch ranghohe Offiziere teilnahmen.

Ein anderer Vertreter des US-Militärs sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass schon der Umfang des E-Mail-Verkehrs zwischen Allen und Kelley womöglich einen Verstoß gegen Armeerichtlinien dargestellt habe. Die Nachrichten der beiden werden derzeit von Ermittlern untersucht. Deren Furcht: Möglicherweise hat der Militär vertrauliche Informationen weitergegeben.

Es geht in der Petraeus-Affäre also nicht nur um Liebe, Eifersucht, Betrug, sondern vielleicht auch um Geheimnisverrat. Umso mehr erschüttert der Skandal die US-Sicherheitsbehörden.

Allen soll außereheliche Beziehung zurückgewiesen haben

Doch noch hält der US-Präsident zu seinem General, der sich in Krisenländern wie Irak und Afghanistan verdient gemacht hat und zur Belohnung die Karriereleiter weiter hochsteigen sollte. Die Beförderung liegt nun auf Eis.

Wie AFP weiter berichtet, gebe es derzeit keinen Beweis für einen Fehltritt von John Allen. Für eine Liebesbeziehung zwischen dem General und der Arztgattin Kelley lägen keine konkreten Anhaltspunkte vor, schreibt die Agentur und bezieht sich auf Kreise des US-Militärs. Der Oberkommandierende der internationalen Truppen am Hindukusch habe den Vorwurf einer außerehelichen Beziehung vehement zurückgewiesen. Sollte ihm doch eine Affäre nachgewiesen werden, hätte er sich nach US-Militärrecht strafbar gemacht.

Petraeus war bereits am Freitag von der Spitze des Geheimdienstes zurückgetreten. Regierungssprecher Carney sagte am Dienstag, Obama sei "überrascht" gewesen, als er von der außerehelichen Beziehung der Ex-CIA-Chefs mit seiner 20 Jahre jüngeren Biografin Broadwell erfahren habe. Der Präsident schätze die "bemerkenswerten Dienste" von Petraeus. Obama nehme ihn und dessen Frau Holly in seine Gedanken und Gebete auf, so Carney. Einzelheiten der Affäre wollte der Sprecher nicht kommentieren.

heb/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Es war einmal ein P4...
heini1946 13.11.2012
Hunderte Mrd gehen jährlich in den militärpolitschen Komplex. Einzelne Firmen bauen auf Aufträge von vielen Mrd. Es geht um die Wurst. Da werden nicht nur die Flure im Kongress gebohnert. Nein, alle Register der Beeinflußung werden gezogen. Das Geld dafür spielt keine Rolle...Schon sind wir bei der Venus-falle .Marketenderinnen werden engagiert, um einflußreiche Personen zu erreichen, die sonst vielleicht jede Bestechung ablehnen. Als P4 haben sie in frühen Jahren geehelicht und ihre Wahl war schlecht. Die bessere Hälfte läßt sich gehen und vegetiert als Pummelchen mit Kindern dahin. Der besagte Komplex nimmt die P4 ins Visier und sie lassen ihre attraktiven U Boote auf sie los. Erpressungspotential ohne Ende. Die P4 halten dann das eine oder andere Rüstungsprojekt für alternativlos. Petraeus wird als Verteidigungsminister gehandelt. Lottogewinn. Allen schreibt sich die Finger wund und möglicherweise um Kopf und Kragen.In Tampa wurden die Agentinnen stationiert, damit sie via gesellschaftlicher Veranstaltungen an die P4 rankommen. Paula Broadwell will sich von Jill Kelley nicht den Braten verderben lassen, ihr Revier verteidigen. Schätzt die Situation falsch ein und übersieht, das Kelley schon alle Tasten voll zu tun hat mit Ihrem Allen. Fesche Weiber die in knallengen Klamotten, high Heels und offener Bluse durch die Camps laufen und hunderttausend gleile Blicke der Soldaten herausfordern. Nette Geschichte. Wer schreibt sie weiter ?
2. wen....
two-wheels 13.11.2012
interessiert das hier eigentlich, wer mit wem schläft?also hier in Deutschland?
3. SPON sollte überdenken,warum die
turo 13.11.2012
Resonanz der User zu diesem Thema so spärlich ist. Es ist einfach ohne Interesse. Wir haben andere Sorgen und zum Seitensprung schon eine andere Einstellung.
4. 30.000 Mails in 2 Jahren, das sind 41 pro Tag..
NETSUBJEKT 13.11.2012
Bei 30.000 Mails in zwei Jahren währen das pro tag im Durchschnitt 41 Mails, wenn man sie auf volle 2 Jahre verteilt. Wann hat der eigentlich seinen Dienst versehen?
5. Es wird heisser und heisser
hugahuga 13.11.2012
man sollte berücksichtigen, dass Israel ein Interesse daran hat, dass in Washington eine Israel freundliche Politik gemacht wird. Der Mossad arbeitet auch in den USA - ,Freund' hin oder her. Nehme stark an, dass die story noch einige Überraschungen bieten wird.
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