Unruhen: USA schließen Botschaft in Zentralafrikanischer Republik

In der Zentralafrikanischen Republik verschärft sich der Konflikt zwischen Rebellen und Regierung. Milizen marschieren auf die Hauptstadt zu, USA und Uno ziehen ihre Mitarbeiter ab. Der Präsident des Landes hat Frankreich um Hilfe gebeten - doch Paris lehnt ab.

Zentralafrikanische Republik: Krise im Herzen Afrikas Fotos
AFP

Bangui - Die Zentralafrikanische Republik ist eine der instabilsten Regionen der Welt. Tausende Menschen sind derzeit auf der Flucht, nachdem ein Bündnis mehrerer bewaffneter Milizen strategisch wichtige Städte eingenommen hat. Nun nähern sich die Rebellen der Hauptstadt Bangui - Präsident François Bozizé fürchtet, sie wollten ihn stürzen. Doch Hilfe von den USA oder Frankreich wird er nicht erhalten.

Den USA wird die Lage zu brenzlig. Sie schließen ihre Botschaft in Bangui vorübergehend. Der Botschafter und Diplomaten verließen aus Sorge um ihre Sicherheit die Stadt. Sie seien ebenso wie andere US-Bürger und Ausländer ausgeflogen worden, teilte ein Sprecher des US-Außenministeriums am Freitag mit. Die Maßnahme sei allein aus Sorge um die Sicherheit des Personals ergriffen worden. Auch die Vereinten Nationen ziehen alle nicht unbedingt vor Ort benötigten Mitarbeiter ab. Die ersten von ihnen hätten das Land bereits verlassen, teilte die Leiterin des Uno-Entwicklungsprogramms, Helen Clark, per Twitter mit.

Frankreich lehnte es zudem ab, Bozizé militärisch gegen die Rebellen zu unterstützen. Paris werde sich "in keiner Weise in die inneren Angelegenheiten des Landes einmischen", sagte Präsident François Hollande. Etwa 200 französische Soldaten sind derzeit in dem Land stationiert, die technische Unterstützung leisten und bei der Ausbildung von Soldaten helfen. Doch die französischen Militärs würden dort "nicht ein Regime beschützen" - sondern Franzosen. Nach Angriffen von Demonstranten hatte Frankreich seine Botschaft sichern müssen.

Aufgebrachte Demonstranten hatten am Mittwoch die französische Botschaft in Bangui mit Steinen beworfen. Sie warfen Paris vor, nicht genug gegen die jüngste Offensive der Aufständischen getan zu haben. Die Bewohner von Bangui befürchten, dass die Hauptstadt zu einem Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen wird. Die Lage dort war am Donnerstag angespannt, berichteten Augenzeugen. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung werde immer schwieriger, sagte ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) am Telefon.

Kann es noch eine friedliche Lösung geben?

Die Aufständischen haben bereits mindestens zehn Städte und wichtige Bergbaugebiete im Westen erobert. Die Rebellen wollen Präsident Bozizé offenbar stürzen, weil dieser eine Friedensvereinbarung aus dem Jahr 2007 gebrochen haben soll. Am vergangenen Sonntag waren sie in Bambari einmarschiert, der drittgrößten Stadt des Landes.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Angriffe der Rebellen in einer Mitteilung am Mittwoch scharf. Er forderte die Milizen auf, Zivilisten zu verschonen.

Auch der Uno-Sicherheitsrat äußerte sich besorgt über die Lage in der Zentralafrikanischen Republik. Nach Auffassung des Gremiums ist es aber Aufgabe der zentralafrikanischen Regierung, "die Ordnung im Land aufrechtzuerhalten und für die Sicherheit der Zivilbevölkerung" zu sorgen. In einer am Donnerstag verabschiedeten Erklärung forderten die 15 Ratsmitglieder beide Seiten erneut auf, "auf dem Weg des politischen Dialogs nach einer friedlichen Lösung" zu suchen.

Präsident Bozizé hatte auch beim langjährigen Verbündeten Tschad um Unterstützung angefragt. Der Tschad sagte 2000 Soldaten zu. Allerdings ist nicht klar, ob die Männer bereits in der Zentralafrikanischen Republik eintrafen und ob sie gemeinsam mit den Regierungssoldaten dort die Rebellen zurückschlagen können.

kgp/dpa/dapd

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insgesamt 5 Beiträge
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1. nicht Einmischung= Hilfe für die Rebellen
njamba 28.12.2012
Zitat von sysopIn der Zentralafrikanischen Republik verschärft sich der Konflikt zwischen Rebellen und Regierung. Milizen marschieren auf die Hauptstadt zu, USA und Uno ziehen ihre Mitarbeiter ab. Der Präsident des Landes hat Frankreich um Hilfe gebeten - doch Paris lehnt ab.
Wenn USA und Frankreich dem Präsident nicht helfen wollen , bedeutet dies ,dass sie mit der Politik des Präsident nicht einverstanden sind. Sie überlassen dem Land den Rebellen, weil die Rebellen bzw. der Rebellenführer dem Westen eine Politik nach westlichem Bild versprochen hat. Oder wollen sie mir weiß machen, dass der Westen irgend ein Land in Afrika den Chinesen freiwillig überlassen würde?. Und die französischen Soldaten würden anschließend die Chinesen ausbilden.
2. Böses Erbe französischer Kolonialwirtschaft
dunnhaupt 28.12.2012
Die einstigen Kolonien fallen wieder in ihre alte Welt der selbstherrlichen Häuptlinge und Stammesfehden zurück. Noch immer leben drei Viertel aller Staaten der Welt unter brutalen Diktatoren und Potentaten. Weniger als 25% haben eine Art von Demokratie.
3.
testthewest 28.12.2012
Zitat von njambaWenn USA und Frankreich dem Präsident nicht helfen wollen , bedeutet dies ,dass sie mit der Politik des Präsident nicht einverstanden sind. Sie überlassen dem Land den Rebellen, weil die Rebellen bzw. der Rebellenführer dem Westen eine Politik nach westlichem Bild versprochen hat. Oder wollen sie mir weiß machen, dass der Westen irgend ein Land in Afrika den Chinesen freiwillig überlassen würde?. Und die französischen Soldaten würden anschließend die Chinesen ausbilden.
Woher nehmen sie die Pflicht des "Westens" Weltpolizist zu spielen? Nur weil sie es in Libyen taten müssen sie nun überall ran? Und sobald sie es tatsächlich tun, kommen all die Friedensbewegten und dreschen wieder auf die USA ein. Dies ist nur ein Vorgeschmack auf die Zeit nach der Hegemonie der USA. Dann gilt wieder das Recht des Stärkeren statt die "Lex americana".
4. Warum nicht hier
Lemmi42 28.12.2012
Der Westen steckt doch sonst seine Nase in jede Angelegenheit in aller Herren Länder,da muß es in diesen Land doch absolut nichts zu holen geben.Nach Syrien zieht es sie als wären deren Straßen goldgepflastert,die Freunde sind eben falsch.
5. Immer dasselbe..
marco123321 28.12.2012
..wie in Ruanda, sobald es zu heikel wird, werden die "weißen" aus dem Land abgezogen. Oil gibt es bestimmt auch nicht dort. Wenn man in Libyen eingreift und Isreal aufrüstet kann sich doch verdammt nochmal ein Land oder einer Organisation oder irgendwer dafür entscheiden, zu helfen. Auch militärisch. Stattdessen wird jeder der nicht dort geboren ist abgezogen und jegliche Hilfe gestrichen. Die westliche Welt verschließet weitestgehend die Augen um ihren eigenen Arsch zu retten, da interveniert bestimmt niemand, obwohl es vielleicht hilfreich für die Menschen wäre. Vielleicht irre ich mich auch, aber es meine Meinung zu diesem Artikel bzw zu dem was sich dort abspielt.
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