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22. April 2012, 16:37 Uhr

Präsidentenwahl in Frankreich

Erste Ergebnisse lassen Hollande auf Erfolg hoffen

François Hollande kann offenbar mit einem Sieg in der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl rechnen: Ersten Resultaten aus den Überseegebieten zufolge liegt der Sozialist klar vor Amtsinhaber Sarkozy.

Paris - Seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler war an seiner Seite, als François Hollande am Sonntag seine Stimme für die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl abgegeben hat. Er empfinde Ehrfurcht an diesem wichtigen Tag, sagte der sozialistische Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy. "Es sind die Franzosen, die entscheiden."

Laut ersten Hochrechnungen von drei Umfrageinstituten, die der Schweizer Rundfunksender RTS veröffentlichte, liegt Hollande vor Sarkozy: Demnach kommt Hollande auf 27 bis 29 Prozent, Sarkozy auf 25 bis 26 Prozent der Stimmen. Für Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National, sind demnach 16 bis 17 Prozent der Stimmen zu erwarten.

Zumindest in den Überseegebieten haben sich die Franzosen mit überwältigender Mehrheit für den 57-jährigen Hollande entschieden, der zuletzt in allen Umfragen vor oder zumindest gleichauf mit dem Amtsinhaber gelegen hatte.

Die Ergebnisse im Einzelnen, die die Schweizer Tageszeitung "La Tribune de Genève" weit vor Schließung der Wahllokale in Frankreich um 20 Uhr veröffentlicht hat:

Die Resultate - deren Publikation unter Strafandrohung einer Buße von bis zu 75.000 Euro in Frankreich verboten ist - kursieren früh auf Twitter bereits in kodifizierter Sprache unter dem Hashtag #radiolondres. Das liest sich dann so: "In Kanada ist der holländische Ahornsirup mit 33 Dollar deutlich teurer als der ungarische, der nur 26 Dollar wert ist."

Der Code ist leicht zu entschlüsseln: Mit "Kanada" sind die Auslandsfranzosen in dem Land gemeint. Dazu kommen Spielereien mit Namen ("holländischer Ahornsirup" für Hollande) und Herkunft (ungarischer Ahornsirup - Sarkozy hat ungarische Wurzeln).

Die durchsichtige Verschlüsselung ist nötig, denn Trendmeldungen über den Wahlausgang sind strikt tabu. Einzig Meldungen zur Wahlbeteiligung sind erlaubt, damit möglichst viele von Frankreichs 44 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben.

Die gesetzlichen Vorschriften in Frankreich sind unmissverständlich: Die Veröffentlichung von Resultaten sind am Wahltag bis 20 Uhr grundsätzlich verboten. Das war schon 2007 so, doch damals wurden die Vorschriften umgangen; die Ergebnisse wurden anRadios und Redaktionen weitergereicht, die sie prompt publik machten.

Bis 17 Uhr hatten nach Angaben des Innenministeriums 70,59 Prozent der Wahlberechtigten ihr Stimme abgegeben. Bei der Wahl 2007 hatte die Beteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei knapp 74 Prozent gelegen. Dennoch haben bislang mehr Franzosen abgestimmt als in den vergangenen Tagen prognostiziert. Eine hohe Wahlbeteiligung dürfte dem Herausforderer Hollande nutzen.

Amtsinhaber Sarkozy stimmte am Sonntag zusammen mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy in einer Oberschule des schicken 16. Arrondissements von Paris ab. In letzten Umfragen wird dem konservativen Kandidaten, der zum Ende seiner Amtszeit unbeliebter ist als alle seine Vorgänger, ein Rückstand von etwa zwei Prozentpunkten auf Hollande vorhergesagt. Hollande dürfte auf etwa 28 Prozent der Stimmen kommen, während Sarkozy bei rund 26 Prozent liegen dürfte. Die Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten am 6. Mai dürfte Hollande dann mit rund zehn Prozentpunkten Vorsprung gewinnen.

Um den dritten Platz konkurrieren die Rechtsextreme Marine Le Pen und der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon. Letzte Umfragen am Freitag sagten Le Pen einen leichten Vorsprung voraus: Die 43-jährige Chefin des Front national dürfte bei etwa 16 Prozent landen, Mélenchon kann mit rund 14 Prozent der Stimmen rechnen. Etwa zehn Prozent dürfte der Zentrumskandidat François Bayrou auf sich vereinen. Einstellige Ergebnisse werden für die anderen fünf Kandidaten, unter ihnen die Grünen-Politikerin Eva Joly, prognostiziert.

Sarkozy gab sich zuletzt angesichts einer etwaigen vorzeitigen - und damit illegalen - Veröffentlichung der Resultate entspannt. "Die Welt ist ein Dorf, da brauchen wir keine Maginot-Linie", sagte der Präsident mit Hinweis auf das betonierte Bollwerk Frankreichs im Zweiten Weltkrieg. "Wir werden doch wohl nicht eine digitale Grenze zwischen Frankreich und den anderen Ländern errichten", meinte der oberste Hüter der Verfassung und folgerte: "Die bestehenden Vorschriften sind ein bisschen überholt."

Der sozialistische Kandidat François Hollande, staatsmännisch korrekt, bestand hingegen auf der "strengen Einhaltung" der Regeln. Sein Motiv könnte freilich mehr sein als der Versuch, sich schon vorab als verlässlicher Garant der republikanischen Institutionen vorzuführen. Hollande will vor allem vermeiden, dass vorzeitige Siegesmeldungen die Mobilisierung der eigenen Wähler schwächt.

hen/dpa

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