Taipeh - Bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan liegt Amtsinhaber Ma Ying Jeou bisher deutlich in Führung. Bisher seien bereits mehr als 80 Prozent der Stimmen ausgezählt, berichtete der taiwanesische Rundfunk. Rund 18 Millionen Taiwaner waren am Samstag zur Wahl eines neuen Präsidenten und des Parlaments aufgerufen.
Der amtierende 61-Jährige von der Nationalen Volkspartei (KMT) trat gegen Oppositionsführerin Tsai Ing-wen von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP) und seinen ehemaligen Parteikollegen James Soong an. Bereits nach Auszählung von rund 50 Prozent der abgegebenen Stimmen lag Ma laut Berichten mit 52,3 Prozent in Führung vor Tsai, die auf 44,9 Prozent kam. Soong lag mit 2,9 Prozent abgeschlagen auf Platz drei.
Die landesweit fast 15.000 Wahllokale bei den kombinierten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen waren acht Stunden geöffnet. Die Wahlkommission schätzte die traditionell hohe Wahlbeteiligung auf rund 80 Prozent.
Der Ausgang der Präsidentschaftswahl wird auch in China mit Spannung beobachtet. Der Jurist Ma steht für entspannte Beziehungen zur Volksrepublik China und möchte diese weiter verbessern. Während Tsai einer Annäherung an das Festland viel kritischer gegenüber steht als der 2008 gewählte Ma. Peking betrachtet Taiwan bis heute als festen Bestandteil Chinas.
Im Juni schlossen Taipeh und Peking ein Handelsabkommen, mit dem die Zölle für hunderte Güter gesenkt wurden. In den vergangenen dreieinhalb Jahren öffnete Ma das Land zudem für Touristen aus China und erhöhte die Anzahl der Flüge vom Festland. Trotz des weiter andauernden Konflikts gelten die Beziehungen zwischen China und Taiwan derzeit als besser als jemals zuvor.
Er habe wegen dessen Bemühungen um eine Aussöhnung mit China für Ma gestimmt, sagte der Bank-Manager Frank Chang am Samstag in Taipeh. "China ist eine wichtige Wirtschaftsmacht mit der weltweit größten Nachfrage nach Gütern", sagte Chang. "Als kleine Insel kann sich Taiwan nicht vom Festland isolieren und trotzdem seine Wirtschaft am Leben erhalten."
Oppositionskandidatin Tsai hofft hingegen, von der Verärgerung der Taiwaner über das wachsende soziale Gefälle im Land profitieren zu können. Im Falle eines Wahlsiegs würde die 55-Jährige Mas Schritte zur wirtschaftlichen Öffnung gegenüber China vermutlich nicht rückgängig machen.
Als Präsidentin dürfte sie gegenüber Peking dennoch andere Töne anschlagen. Zuletzt hatte sie dem Präsidenten vorgeworfen, im Austausch für wirtschaftliche Vorteile die faktische Unabhängigkeit Taiwans zu untergraben.
Eine Wählerin sagte, sie habe für Tsai gestimmt, weil sie den Eindruck einer fähigen Politikerin mache. "Ein Regierungswechsel könnte helfen, etwas gegen die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich zu tun und viele andere Probleme zu lösen", sagte sie. Bei der Parlamentswahl dürfte die KMT zwar Verlust erleiden, ihre Mehrheit jedoch verteidigen.
cib/dapd/AFP/dpa
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