Präsidentenwahl Linksruck in El Salvador

Erstmals seit rund 20 Jahren müssen die Konservativen in die Opposition: Der linksgerichtete Kandidat Mauricio Funes hat die Präsidentschaftswahl in El Salvador gewonnen. Er wolle sein Land zur dynamischsten Wirtschaft Lateinamerikas machen, sagte der Wahlsieger.


San Salvador - Mauricio Funes erklärte sich zum Wahlsieger, noch ehe die Oberste Wahlbehörde das offizielle Ergebnis am Sonntagabend mitteilte. Er wandte sich an die Nation und versprach, er wolle dem von Bürgerkrieg und sozialen Gegensätzen gespaltenen Land endlich den Frieden bringen.

Mauricio Funes: Künftiger Präsident von El Salvador
REUTERS

Mauricio Funes: Künftiger Präsident von El Salvador

"Ich möchte zum Präsidenten des Friedens und des Wiederaufbaus werden", rief er den jubelnden Anhängern zu. "El Salvador gehört uns allen." Sein Ziel sei es zudem, aus El Salvador die dynamischste Wirtschaft Lateinamerikas zu machen.

Der linksgerichtete Kandidat der ehemaligen Guerillaorganisation FMLN kam nach Auszählung von über 90 Prozent der Stimmzettel auf 51,2 Prozent. Der rechtsgerichtete Kandidat Rodrigo Avila räumte seine Niederlage ein, er kam auf 48,7 Prozent der Stimmen.

In zahlreichen Städten des Landes gingen Anhänger der FMLN auf die Straße, um den Wahlsieg zu feiern. Mit dem Wahlsieg von Funes endet die Herrschaft des rechten Lagers nach zwei Jahrzehnten. Die rechtsgerichtete Republikanisch-nationalistische Allianz (Arena) erkenne den Willen des Volkes an, sagte der Wahlverlierer Avila.

Nach Angaben der EU-Wahlbeobachter-Mission verlief die Wahl ohne Zwischenfälle. Rund 4,3 Millionen Stimmberechtigte waren zur Wahl des neuen Präsidenten aufgerufen, der am 1. Juni die fünfjährige Amtszeit antreten soll. Der bisherige Amtsinhaber Elias Antonio Saca durfte gemäß der Verfassung nicht erneut kandidieren.

Der Wahlkampf in dem zentralamerikanischen Land war geprägt vom ideologischen Richtungsstreit Links gegen Rechts. Avila warnte, Funes wolle einem "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" den Weg bereiten, wie ihn Venezuelas Staatschef Hugo Chávez predige. Diese Entwicklung habe sich bereits in Nicaragua und Honduras mit den Staatschefs Daniel Ortega und Manuel Zelaya vollzogen.

Funes hingegen betonte seine Unabhängigkeit von Chávez und versicherte, El Salvador werde auch unter seiner Regierung ein überzeugter Verbündeter der USA bleiben. In Washington warnte eine Gruppe von 46 US-Parlamentariern dennoch in einem Brief an Außenministerin Hillary Clinton, ein Sieg von Funes würde "potenzielle Gefahren für unsere nationale Sicherheit" bedeuten.

Die USA hatten während des 1992 beendeten Bürgerkriegs in El Salvador das rechtskonservative Lager unterstützt. Sie haben zudem weiterhin großen wirtschaftlichen Einfluss auf das Land. Das Handelsbilanzdefizit von El Salvador betrug vergangenes Jahr 5,2 Milliarden Dollar. Außerdem kämpft das Land mit einer Arbeitslosenrate von 40 Prozent. Rund ein Drittel der gut 5,7 Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze.

In Lateinamerika hat das linke politische Lager in den vergangenen Jahren deutlich an Einfluss gewonnen. Neben dem bereits seit zehn Jahren in Venezuela amtierenden Chávez sind unter anderem in Bolivien mit Evo Morales, in Ecuador mit Rafael Correa und in Paraguay mit Fernando Lugo linksgerichtete Staatschefs an der Macht.

hen/AFP



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