Präsidentschaftswahl Frankreich stoppt Rassist Le Pen

Aufatmen in Frankreich: Die beispiellose Mobilisierung gegen den Rechtsextremismus in Frankreich hat Staatspräsident Chirac zu einem historischen Wahlsieg getragen. Der rechtsradikale Le Pen blieb deutlich unter 20 Prozent der Stimmen.


Alter und neuer französischer Präsident: Jacques Chirac
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Alter und neuer französischer Präsident: Jacques Chirac

Paris - Neogaullist Jacques Chirac wurde am Sonntag im Duell gegen Jean-Marie Le Pen mit etwa 82 Prozent der Stimmen für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Der Vorsitzende der Nationalen Front erreichte knapp 18 Prozent.

Es war eine Wahl gegen den Rechtsextremismus und nicht für Chirac. Der 69-Jährige wurde von einem bisher nie da gewesenen Bündnis unter Einschluss von Kommunisten, Sozialisten und Grünen gestützt. Auch Gewerkschaften, Arbeitgeber und Kirchen riefen zu seiner Wiederwahl auf. Der überraschende Sieg von Le Pen über den sozialistischen Kandidaten Lionel Jospin im ersten Wahlgang hatte eine landesweite Protestwelle hervorgerufen, die in Massendemonstrationen von mehr als 1,3 Millionen Menschen am 1. Mai gipfelte.

Die Mobilisierung der Franzosen zeigte sich auch in der Wahlbeteiligung, die mit etwa 80 Prozent deutlich höher war als in der ersten Runde am 21. April. Chirac erzielte das beste Ergebnis, mit dem je ein Präsident in der Fünften Republik gewählt wurde.

Der Wahlsieger Chirac sagte, er habe die Botschaft der Franzosen verstanden. Seine neue Regierung werde die einzige Aufgabe haben, auf ihre Sorgen einzugehen und Lösungen für die lange vernachlässigten Probleme zu finden. Wichtigster Punkt sei die Kriminalitätsbekämpfung.

Er werde der Präsident aller Franzosen sein und im Sinn einer Sammlung aller Franzosen handeln, versprach Chirac in einer feierlichen Ansprache. Er dankte allen Wählern, auch jenen, die ihm gegen ihre politischen und persönlichen Überzeugungen ihre Stimme gegeben hätten. Frankreich habe in diesem außergewöhnlichen Augenblick zu seinen republikanischen Werten und seiner universellen Mission zurückgefunden.

Le Pen nannte seine Wahlniederlage eine "Niederlage der Hoffnung" Frankreichs. Immerhin habe er ein besseres Ergebnis erzielt als die 16,9 Prozent am 21. April. Chirac habe seinen Sieg mit "sowjetischen Methoden" erzielt. Der 73 Jahre alte Vorsitzende der Nationalen Front rief seine Anhänger bereits zur Mobilisierung für die Parlamentswahl am 9. und 16. Juni auf.

Der Vorsitzende der Sozialisten, Francois Hollande, betonte, Chirac sei nicht wegen seines Programms gewählt worden. Deshalb könne die Rechte nun nicht die ganze Macht für sich beanspruchen. Er rief die Linke zur Sammlung für die Wahl zur Nationalversammlung auf. Die Sozialistin Martine Aubry sprach von einem "großen Sieg für die Republik" und einer gewonnenen "Volksabstimmung gegen den Rechtsextremismus".

Bundeskanzler Gerhard Schröder gratulierte Chirac. Die französischen Wähler hätten mit ihrer Entscheidung dem politischen Extremismus eine klare Absage erteilt, erklärte Schröder in Berlin. Chirac wird bereits am Montag einen neuen Premierminister ernennen. Der bisherige Regierungschef Jospin hat nach seinem Wahldebakel seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Am 9. und 16. Juni wird die Nationalversammlung neu bestimmt.



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