Stichwahl in Afghanistan Alle Stimmen werden neu ausgezählt

US-Außenminister John Kerry hat in Afghanistan einen Erfolg erzielt: Die Stimmen der Stichwahl für das Präsidentschaftsamt werden neu ausgezählt. Darauf einigten sich die beiden zerstrittenen Spitzenkandidaten.

US-Vermittler John Kerry (l): Traf bei seinen Verhandlungen auch den scheidenden Präsidenten Hamid Karzai
REUTERS

US-Vermittler John Kerry (l): Traf bei seinen Verhandlungen auch den scheidenden Präsidenten Hamid Karzai


Kabul - Im Streit um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Afghanistan haben sich die Kontrahenten nach Angaben von US-Außenminister John Kerry auf eine Neuauszählung der Stimmen geeinigt. Jede einzelne Stimme aus der Stichwahl vom 14. Juni werde überprüft, sagte Kerry am Samstag in Kabul. Die Vereinten Nationen sollen den Prozess überwachen.

Mit der Einigung ist die von der Wahlkommission für den 22. Juli geplante Bekanntgabe eines amtlichen Endergebnisses vom Tisch. Die Vereidigung des neuen Präsidenten, die ursprünglich am 2. August stattfinden sollte, soll verschoben werden. Kerry hatte am Freitag vor einem Scheitern der Wahl gewarnt. Man sei "an einem sehr, sehr kritischen Zeitpunkt".

Der US-Außenminister hatte in der afghanischen Hauptstadt zwei Tage lang zwischen den Kandidaten der Stichwahl, Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani, vermittelt. "Beide Kandidaten haben zugesichert, sich an der größtmöglichen Überprüfung der Stimmen zu beteiligen und zu deren Ergebnis zu stehen", sagte Kerry nach den Beratungen. "Jeder einzelne Stimmzettel, der abgegeben wurde, wird überprüft, alle acht Millionen."

Nach dem vorläufigen Ergebnis war Ghani als Sieger aus der Stichwahl hervorgegangen. Der ehemalige Finanzminister hatte demnach 56,4 Prozent der Stimmen erreicht, Ex-Außenminister Abdullah 43,5 Prozent. Abdullah wirft Ghani und der Wahlkommission Manipulationen vor und reklamiert den Sieg für sich. In der ersten Wahlrunde, in der es noch weitere Kandidaten gab, hatte Abdullah mit großem Vorsprung vorn gelegen.

jbe/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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capote 12.07.2014
1. Was soll der Unsinn ?
So lange nicht die Taliban mit auf dem Stimmzettel stehen dürfen ist das sowieso keine "freie" Wahl, sondern die Afghanen dürfen nur das kleinstre von den Westlern diktierte Übel auswählen. Von Demokratie keine Spur!
eudaf_hen 13.07.2014
2.
Was bedeutet dies. In einem Land was vollkommen zerstört ist. Lassen wir es endlich zur Ruhe kommen? Ganz egal wie? Sie wollen nicht leben wie wir. Der Russe - dann der AMI/EU vorher der Brite jeder wollte dieses Land haben........ . Es sind wie die 30jährige Kriege über Deutschland - nur Elend. Ich kenne ein Volk ganz tief in diesen Bergen(Norden Pakistans) - Sie leben IHREN Glauben - Ihr Leben - Mann und Frau sind gleich - sie wollen keinen Kontakt - und SIE leben wunderbar - für ein junges Paar wird vom ganzem Dorf ein Haus gebaut - genial. Warm - sicher in diesen Höhen. Ich staunte über Schnitzkunst und Vielfalt in den Räumen. Und - SIE lassen keinen Moslem zu sich........
swandue 13.07.2014
3. In vielen Ländern nach Wahlen Streitigkeiten um die Ergebnisse.
Es gehört viel dazu, dass Wahlen unter fairen Umständen stattfinden können. Die Möglichkeiten, unter denen Parteien aktiv sein können, die Medienpräsenz, eine ausgewogene Berichterstattung, der Wahlkampf, . . . Aber immerhin der zentrale Punkt, dass es am Wahltag korrekt läuft, das müsste man doch hinbekommen können? Die zwei bis vier wichtigsten Parteien müssen landesweit in jedem Wahllokal mit Wahlhelfern vertreten sein. Gemeinsam überzeugt man sich zu Beginn davon, dass die Wahlurne leer ist. Gemeinsam werden im Lauf des Tages Wahlberechtigungen überprüft und Stimmzettel ausgegeben, die nach dem Ausfüllen in die Urne wandern. Gemeinsam leert man am Ende die Urne aus, sortiert und zählt die Stimmzettel. Wechselseitig werden die Ergebnisse kontrolliert. Das Protokoll mit den Ergebnissen wird von allen unterschrieben. Jeder notiert sich die Zahlen, um sie innerhalb der eigenen Partei weiterzugeben. Wie in der öffentlichen Verwaltung wandern sie auch in der Partei vom Ortsverein über Kreisebene, Bezirksebene, etc. letztlich in die Hauptstadt. Auf jeder Ebene wird addiert, verglichen und veröffentlicht. Wenn man irgendwo eine Differenz feststellt, schaut man sich nochmal die Zahlen der Ebene darunter an, die von der Verwaltung und die von den Parteien. So müsste man doch bezüglich der Stimmzettel, die in den Urnen gelandet sind, zu korrekten Ergebnissen kommen? Nochmal ein ganz anderes Thema sind natürlich Stimmen, die nicht abgegeben wurden, weil z.B. Wahlberechtigte durch Angst oder fehlende Verkehrswege davon abgehalten wurden, ihr Wahlrecht wahrzunehmen.
tylerdurdenvolland 13.07.2014
4. Wirklich?
"Alle Stimmen werden neu ausgezählt." Mit alle Stimmen ist wohl gemeint: Alle diejenigen Stimmen, die nicht verschwunden worden sind, und und zusätzlich alle nachträglich hinzugefügten?
FreakShow789 13.07.2014
5. Würde mich nicht...
... wundern wenn derjenige gewinnt, der den USA wohlgesinnter ist. Aber komischer weiße finde ich es diesmal gut das sie sich "einmischen"! Auch wenn es mir nicht leicht fällt das zu sagen: ohne die USA wäre die Menschheit nicht da wo sie jetzt ist... Der Einfluss der Vereinigten Staaten von Amerika ist nicht zu unterschätzen!
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