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Wahl in Rumänien: Ponta gesteht Niederlage ein

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DPA

Victor Ponta: "Das Volk hat immer recht"

Bei der Präsidentenwahl in Rumänien hat Ministerpräsident Victor Ponta seine Niederlage eingestanden. Zurücktreten will er nicht. Die Ergebnisse der Wahl werden erst um Mitternacht erwartet.

Bukarest - Bei der Präsidentenwahl in Rumänien hat der bisherige Ministerpräsident Victor Ponta seinem Rivalen Klaus Johannis zum Wahlsieg gratuliert. Zurücktreten wolle er jedoch nicht. Dies sagte Ponta beim eiligen Verlassen seiner Parteizentrale in Bukarest. "Das Volk hat immer recht", fügte der Ministerpräsident hinzu. "Wir haben gesiegt, wir haben unser Land zurückgewonnen", schrieb Johannis bei Facebook. Das Ergebnis stand zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht offiziell fest.

Ersten Prognosen zufolge hatten beide Kandidaten ähnlich gut abgeschnitten. Mehrere Meinungsforschungsinstitute sahen die Kontrahenten auf Basis von Wählerbefragungen bei um die 50 Prozent. Bei zwei Instituten lag der Sozialist Ponta knapp vorn, bei einem Institut der bürgerliche Johannis, bei einem vierten kamen beide genau auf 50 Prozent.

Ponta galt vor dem entscheidenden Wahlgang als Favorit, Umfragen sagten ihm zehn Punkte Vorsprung voraus. Erste Hochrechnungen nach Teil-Auszählungsergebnissen wurden am späteren Abend erwartet.

Tausende Menschen demonstrieren gegen Ponta

Die Wahlbeteiligung lag um 18 Uhr - zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale - bei 58,66 Prozent und damit deutlich höher als beim ersten Wahlgang am 2. November zur gleichen Uhrzeit mit 48,89 Prozent.

Tausende gingen nach dem Wahlende auf die Straße, um Johannis zu unterstützen. In der siebenbürgischen Stadt Cluj demonstrierten laut Medienberichten rund 5000 Menschen, in der Hauptstadt Bukarest zogen etwa 3000 Demonstranten vor den Regierungssitz. Zu kleineren Kundgebungen kam es in anderen Städten.

Die Stichwahl war notwendig geworden, nachdem im ersten Wahlgang keiner der insgesamt 14 Kandidaten eine absolute Mehrheit erreicht hatte. Ponta lag damals bei gut 40 Prozent und etwa 10 Prozentpunkte vor Johannis.

Großen Andrang gab es wie schon vor zwei Wochen bei vielen Konsulaten im Ausland, wo dort lebende Rumänen wählen konnten. Vor dem Generalkonsulat in Bonn standen am Abend laut Polizei noch 800 bis 1000 Menschen an, die wählen wollten. Rumänen vor Ort sprachen sogar von mindestens 3000. Sie beklagten den schleppenden Ablauf der Abstimmung: Trotz des großen Andrangs hätten nur ganz wenige Wähler gleichzeitig ihre Stimme abgeben dürfen. Auch in der rumänischen Botschaft in Berlin konnten Bürger wählen. "Der Andrang war den ganzen Tag lang sehr groß", hieß es aus der Botschaft.

In der ersten Runde konnten tausende Auslandsrumänen nicht ihre Stimme abgeben, weil die Konsulate den Ansturm nicht bewältigten. Die bürgerlichen Gegner Pontas warfen der Regierung vor, die Abstimmung der Auslandsrumänen absichtlich zu erschweren, weil diese erfahrungsgemäß keine Linken wählen. Insgesamt gab es 294 Wahllokale im Ausland, darunter 5 in Deutschland. Die letzte Präsidentenwahl 2009 hatten die Auslandsrumänen mit rund 70.000 Stimmen entschieden.

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Rumänien: Der "deutsche" Hoffnungsträger

isa/otr/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. .
ovi100 16.11.2014
in den wenigen Wahlmöglichkeiten hier in D haben die Leute teilweise ca. 8 Stunden bei Regen und Wind warten müssen ! In München sieht man eine kilometerlange Schlange um 8:3 morgens ! Die Wahlen wurden absichtlich schlecht organisiert um den Leuten die Wahl, ein demokratisches Grundrecht, zu erschweren. Dieses ist unglaublich in einem EUROPÄISCHEN Staat der zur EU gehört. Wir erwarten vom Präsidenten der EU ein scharfes Verurteilen an die rumänische Regierung. Wie es scheint gewinnt Johannis, mit ca. 52% vor Ponte.
2. Hermannstadt
ratiosubito 16.11.2014
Ja. ein sehr interessanter Verlauf der Wahl. Johannis konnte durch seine Zeit als Bürgermeister in Hermannstadt beweisen, wie fähig und versiert er ist. Die Bevölkerung in Rumänien ist interessiert daran, Korruption und alte Verhältnisse hinter sich zu lassen.
3. Ich war in Rumänien
krassmann 16.11.2014
Die Menschen haben ihre korrupten Machthaber so satt. Iohannis ist ein Hoffnungsträger. Er hat als Bürgermeister von Hermannstadt ein funktionierendes Gemeinwesen geschaffen von dem alle profitieren. Die Stadt ist auf den ersten Blick ganz anders als z.B Bukarest. Alles ist besser durchorganisiert. Geld kommt bei den Bürgern an. Ich hoffe dass er gewinnt. Davon abgesehen unbedingt mal nach Hermannstadt reisen, denn es hat einen der schönsten mittelalterlichen Stadtkerne, den ich je gesehen hab.
4.
gdmircea 16.11.2014
Iohannis hat gewonnen!
5. Warum immer die rumänischen Namen, wenn es deutsche gibt?
boingdil 16.11.2014
Die siebenbürgischen Städte sind jahrhundertealte deutsche Gründungen, sie haben in Rumänien offiziell Namen in mehreren Sprachen. Warum also Cluj und nicht Klausenburg? Eine Nennung in beiden Sprachen ist, falls für den Zusammenhang nötig, OK. Bei allen möglichen Städten, für die es nur eine deutsche Schreibweise gibt (Warschau, Prag, Moskau, Bukarest ...) wird diese verwendet, bei Städten die sogar offiziell einen deutschen Namen haben wird dieser aus irgendeiner verquerten PC-Logik unterschlagen. Unverständlich.
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Fläche: 238.391 km²

Bevölkerung: 22,279 Mio.

Hauptstadt: Bukarest

Staatsoberhaupt:
Klaus Johannis

Regierungschef: Dacian Ciolos

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