Proteste Schüsse bei Anti-Trump-Demonstration in Portland

Auch in der dritten Nacht nach der Präsidentschaftswahl protestierten in vielen US-Städten Bürger gegen Donald Trump. In Portland fielen Schüsse, ein Demonstrant wurde getroffen. Die Polizei fahndet nach dem Schützen.

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In der Nacht zum Samstag wurde in Portland eine Person am Rande einer Anti-Trump-Demonstration angeschossen. Der Mann sei inzwischen im Krankenhaus, die Verletzung nicht lebensgefährlich, teilte die Polizei mit. Sie rief die Demonstranten auf, das Gebiet im Zentrum der Stadt im Bundesstaat Oregon an der Westküste der USA zu verlassen. Zudem suchte die Polizei Zeugen des Vorfalls.

Nach Angaben der Webseite "Oregonlive" waren Demonstranten über eine Brücke gelaufen, als ein aus der Gegenrichtung kommendes Auto stoppte. Mehrere Personen hätten das Auto verlassen, eine hätte erst in die Luft und dann auf einen Demonstranten gefeuert. Laut einem Tweet der Polizei Portland soll es sich bei dem Schützen um einen jungen Schwarzen handeln, der Jeans und eine schwarze Kapuzenjacke trug.

Trump-Gegner sind auch in der dritten Nacht in Folge in vielen US-Städten auf die Straßen gegangen. "Nicht mein Präsident", "Racist, sexist, anti-gay - Trump, go away": Mit Slogans wie diesen protestierten sie gegen das Wahlergebnis.

In Los Angeles und Portland blockierten die Protestierer Straßen, die Polizei nahm nach teils gewalttätigen Auseinandersetzungen mehr als 200 Menschen fest. Sie setzte dabei auch Tränengas ein.

In New York versammelten sich rund 1200 Menschen in Manhattan, um friedlich gegen den Rechtspopulisten zu demonstrieren. Einige Teilnehmer trugen große rote Ballons mit Herzen und der Aufschrift "Peace and Love" (Frieden und Liebe).

Weitere Demos am Samstag

Andere Demonstranten trugen Plakate, auf denen stand: "Deine Mauer kann uns nicht im Weg stehen" - eine Anspielung auf Trumps Wahlkampfversprechen, zur Eindämmung der illegalen Einwanderung eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten.

Teilnehmer sagten, sie wollten ihre Solidarität mit den Bevölkerungsgruppen bekunden, gegen die sich Trumps Politik richte, etwa Mexikaner und Muslime. Die Organisatoren planen für Samstag eine große Demonstration am selben Ort, dem Washington Square.

Trump nennt Proteste "sehr unfair"

"Wir sind hier, um die Menschen zu unterstützen, die Trump beleidigt hat, und um unseren Kindern zu zeigen, dass wir alle eine Stimme haben und für die Menschenrechte eintreten", sagte die 41-jährige Kim Bayer. "Wir haben die Sorge, dass die Trump-Regierung eine Katastrophe für die Menschenrechte wird. Ich hatte noch nie so viel Angst in meinem Leben. Wir müssen hier draußen sein und laut sein." Der 25-jährige Jamie sagte, es herrsche "viel Unsicherheit". "Und wir brauchen eine Botschaft der Liebe."

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Anti-Trump-Proteste: Demonstrationen landesweit

Trump bezeichnete die Demonstrationen bei Twitter zunächst als "sehr unfair" und spann noch die Theorie darum, die "professionellen Proteste" seien von Medien gesteuert worden. Wenige Stunden später schwenkte er um und erklärte, er liebe die Tatsache, dass sich kleine Gruppen für ihr Land engagieren würden.

Seine wichtigste Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway nannte die Proteste bei Twitter"nicht cool". Dazu zitiert sie eine der Protestierenden, die bei CNN zu Ausschreitungen aufgerufen und gesagt hatte, Menschen müssten für die gute Sache sterben, es werde Opfer auf beiden Seiten geben.

Auch der ehemalige Bürgermeister von New York und Trump-Unterstützer, Rudy Giuliani, teilte gegen die Demonstrierenden aus. Die protestierenden Studenten an den Universitäten, die unter anderem "Cry-ins" organisiert hatten, seien eine Bande "verwöhnter Heulsusen", sagte er dem Fernsehsender Fox News.

So lautstark die landesweiten Proteste auch waren, die Teilnehmerzahlen waren überschaubar. Meist bleiben sie dreistellig. In Portland etwa waren es Freitagnacht nach Angaben der Nachrichtenagentur AP einige Hundert Demonstranten. Vor dem Capitol in Washington hätten sich mehr als 200 Protestierer versammelt. In New York kamen laut AFP 1200 Menschen zusammen.

Hoffen auf die Wahlleute

Aber können vergleichsweise kleine Demonstrationen einen US-Präsidenten Trump verhindern? Den meisten Demonstranten dürfte klar sei, dass dies kaum gelingen kann.

Doch es gibt es tatsächlich eine kleine, wenn auch höchst unrealistische Chance: Genügend Wahlleute müssten sich vom Mehrheitsvotum ihres Staats lossagen und statt für den Immobilienmogul doch noch für Clinton stimmen.

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Anti-Trump-Proteste: "Nicht mein Präsident!"

Darauf setzen Anhänger der Demokratin, die eigens eine Onlinepetition dafür aufgesetzt haben - mehr als zwei Millionen Menschen haben diese schon unterzeichnet. "Sie hat die Mehrheit der Stimmen gewonnen", heißt es darin. Das Wahlleute-System sei zutiefst undemokratisch.

"Abtrünnige Wähler"

Tatsächlich hat Clinton zwar die meisten Stimmen der Bürger bekommen, doch nicht die Mehrheit der Wahlleute erreichen können. Die Abstimmenden sollten sich daran orientieren und nicht an den Vorgaben ihres Bundesstaats - zumal diese nicht bindend sind.

Nur 26 Staaten nehmen ihre Wahlleute in die Pflicht, der Mehrheit entsprechend abzustimmen. Tun sie es nicht, wird ihre Stimme dennoch gezählt, es wird höchstens eine Geldstrafe fällig. "Die Unterstützer Clintons wären mehr als bereit, dafür aufzukommen", heißt es in der Petition.

Das wäre ein einzigartiger Vorgang in der US-Geschichte. Zwischen 1948 und 1988 hat es sieben Fälle gegeben, in denen ein Wahlmann anders abgestimmt hat, genannt werden diese Abweichler "Faithless Elector", also "abtrünnige Wähler". Im Jahr 2000 wurde ein leerer Stimmzettel abgegeben. Am Ergebnis änderte das nichts.

Die Stimmabgabe der Wahlleute findet am 19. Dezember statt. Bis dahin könnten die landesweiten Proteste weitergehen.

hda/AFP

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