Presse(un)freiheit Neuer Journalistenmord in Russland

Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist ein Journalist in Russland erschossen worden. Am heutigen internationalen Tag der Pressefreiheit brandmarken Menschenrechtler Russland als das derzeit "gefährlichste Land für Journalisten".


 Pressefreiheit von der russische Journalisten träumen
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Pressefreiheit von der russische Journalisten träumen

Nach Informationen der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" wurde der Journalist Walerij Iwanow am 29. April in Togliatti (Ural) tot in seinem Auto vor seiner Wohnung aufgefunden. Er wurde mit einem Maschinengewehr erschossen. Er war Chefredakteur der Wochenzeitung "Toliaitinskoje Obosrenie" und Leiter des unabhängigen Fernsehsenders "Lada-TV".

Iwanow hatte eine Artikelserie über Korruption unter den Lokalbehörden veröffentlicht. Insbesondere nahm er den Bürgermeister von Togliatti, Sergej Zhilkin, unter die Lupe. Der Journalist berichtete über die Veruntreuung öffentlicher Gelder und die Kontakte des Bürgermeisters zu kriminellen Gruppen und der Drogenmafia. Iwanow recherchierte außerdem über Verbindungen von kriminellen Banden zur Autofabrik Avtovaz, die die Automarke Lada produziert.

Zwei weitere Mitarbeiter von Lada-TV, Sergej Iwanow (Leiter) und Sergej Loginow (Chefredakteur), waren 2001 und 2000 ermordet worden.

Walerij Iwanow ist der zweite Reporter, der seit Jahresanfang in Russland ums Leben kam. Am 8. März erschossen Unbekannte Natalja Skryl, Korrespondentin der in Rostow erscheinenden Zeitung "Nasche Vremja". Die Journalistin hatte die Aktivitäten von großen Firmen in der Region von Rostow untersucht.

"Heute ist Russland das gefährlichste Land Europas für Journalisten", erklärte Robert Ménard, Generalsekretär der internationalen Menschenrechtsorganisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, in Paris. "Journalisten riskieren ihr Leben, wenn sie in den russischen Regionen Korruptionsaffären untersuchen", so Ménard weiter.

Weltweit derzeit 116 Journalisten in Haft

Nach Angaben der Hilfsorganisation wurden im Jahr 2001 weltweit mindestens 31 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Recherchen und Veröffentlichungen oder bei Ausübung ihres Berufes getötet, im Jahr davor waren es 32. Bei weiteren 27 Fällen wird noch untersucht, ob ihr Tod im Zusammenhang mit ihrem Beruf steht.

Die Zahl der zeitweilig festgenommenen oder länger inhaftierten Journalisten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent auf insgesamt 489. 716 Reporter wurden bedroht, überfallen oder gezielt attackiert, 40 Prozent mehr als im Jahr 2000, zählt "Reporter ohne Grenzen".

Seit Anfang 2002 kamen bereits acht Journalisten in Ausübung ihres Berufes ums Leben. 116 Journalistinnen und Journalisten sind zurzeit inhaftiert. Russland und Weißrussland gelten als besonders schwierige Pflaster für wahrheitssuchende Journalisten. Allerdings gilt Nepal derzeit als das größte Gefängnis für Medienvertreter. 27 Reporter sind dort momentan inhaftiert, in Myanmar (Birma) und Iran sind mindestens 16 bzw. 12 Journalisten hinter Gittern.



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