Pressekonferenz in Bagdad Irakischer Journalist bewirft Bush mit Schuhen

Eine herzliche Begrüßung hatte US-Präsident bei seinem letzten Irak-Besuch kaum erwartet - aber das? Auf einer Pressekonferenz in Bagdad wurde Bush Opfer einer ungewöhnlichen Attacke: Ein Reporter schmiss seine Schuhe nach ihm, beschimpfte ihn als "Hund".


Bagdad - Der US-Präsident bückt sich hinter das Pult, sein irakischer Amtskollege Nuri al-Maliki versucht sich schützend vor ihn zu stellen: Was George W. Bush bei seinem Abschiedsbesuch im Irak erlebte, war alles andere als gewöhnlich. Ein irakischer Journalist zog seine Schuhe aus, schleuderte sie auf ihn, rief dabei: "Das ist der Abschiedskuss, du Hund!"

Beide Schuhe verfehlten ihr Ziel - einer flog über Bushs Kopf und knallte gegen die Wand hinter ihm.

Der Angreifer ist Korrespondent des Senders al-Baghdadija. "Das ist das Ende", rief er während seiner Wurfattacke. US- und irakische Sicherheitsbeamte stürzten sich auf den Mann und zerrten ihn aus dem Konferenzsaal, während dieser weiter schrie und um sich schlug.

Der US-Präsident beteuerte anschließend, der Zwischenfall habe ihn nicht gestört, und er habe sich überhaupt nicht bedroht gefühlt. Alles was er dazu sagen könne, sei, dass es sich um Schuhe der Größe 44 gehandelt habe. Andere irakische Journalisten entschuldigten sich für das Verhalten ihres Kollegen - Videos des Vorfalls wurden umgehend auf YouTube veröffentlicht:

Bush war am Sonntag zu einem Überraschungsbesuch nach Bagdad geflogen. Das Präsidialamt in Washington teilte mit, Bush wolle irakische Spitzenpolitiker treffen und sich bei den US-Truppen für ihren Einsatz in dem Golfstaat bedanken. Es wird der letzte Aufenthalt in seiner Funktion als höchster Repräsentant seines Landes sein. Denn am 20. Januar gibt er sein Amt an den demokratischen Nachfolger Barack Obama ab.

Offenbar möchte der scheidende US-Präsident, der den Krieg gegen den Irak startete, ein Zeichen setzen: Selbst er kann das immer noch fast täglich von Terrorangriffen erschütterte Land jederzeit aufsuchen.

Mit einem Helikopter flog Bush zunächst vom internationalen Flughafen zum Sitz des irakischen Präsidenten, wo er neben Amtsinhaber Jalal Talabani auch dessen beide Vizes treffen wollte. Später will er Ministerpräsident Nuri al-Maliki sprechen, anschließend sich bei US-Truppen für ihren Einsatz bedanken.

Bushs Visite elf Tage vor Weihnachten soll vor allem das jüngste Abzugsabkommen würdigen. Sein nationaler Sicherheitsberater Stephen Hadley erklärte am Sonntag, dies sei eine bemerkenswerte Übereinkunft in der arabischen Welt, weil es öffentlich debattiert, diskutiert und schließlich von einem gewählten Parlament angenommen worden sei.

Die Reise zeige, dass beide Staaten in eine veränderte Beziehung eintreten würden - mit Irakern, die größere Souveränität ausübten "und wir in einer im stärkeren Maße untergeordneten Rolle", so Hadley.

sev/Reuters/AFP

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