Presserat Mohammed-Karikaturen verstoßen nicht gegen Kodex

Die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der "Welt" ist nach Einschätzung des Deutschen Presserates nicht zu beanstanden. Die im Pressekodex gezogenen Grenzen würden durch die Veröffentlichung nicht verletzt.


Bonn - Die umstrittenen Mohammed-Karikaturen verstoßen nach Überzeugung des deutschen Presserates nicht gegen den Pressekodex. Durch die von Muslimen kritisierten Darstellungen würden weder die Religionsgemeinschaft noch deren Mitglieder geschmäht oder herabgesetzt, hieß es in der heute veröffentlichten Entscheidung der Beschwerdekammer des Presserates. Die bildlichen Darstellungen griffen das aktuelle Thema "religiös begründete Gewalt" mit den für Karikaturen typischen Mitteln auf. "Auch Religionsgemeinschaften und ihre Mitglieder müssen Kritik - auch scharfe - ertragen", entschied die Beschwerdekammer.

Es gebe zwar auch für Satire und Karikaturen Grenzen, hieß es in der Entscheidung des Presserates. "Sie sind allerdings weit zu ziehen."

Der Presserat hatte sich mit einer Beschwerde gegen die Tageszeitung "Die Welt" befasst. Diese hatte über Anlass, Hintergründe und Folgen des Karikaturenstreits um die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" berichtet. In diesem Zusammenhang hatte die "Welt" auch mehrere der in Dänemark erstmals publizierten Karikaturen veröffentlicht, die unter Muslimen weltweit zum Teil scharfe Kritik ausgelöst hatte.

Arla verliert fast kompletten Jahresgewinn

Der dänisch-schwedische Molkereikonzern Arla Foods muss teuer für den Boykott dänischer Produkte wegen des Karikaturen-Streits bezahlen: Mindestens 400 Millionen Dänische Kronen (54 Millionen Euro) gehen dem Unternehmen verloren. Das entspricht fast dem zuletzt veröffentlichten Jahresgewinn von 586 Millionen Kronen (2004).

Der Schaden könne leicht noch größer ausfallen, erklärte das Unternehmen heute in Kopenhagen. Denn bei dem vorliegenden Szenario gehe Arla davon aus, dass der Boykott von Butter und Käse aus Dänemark im Nahen Osten bald abklinge und der Umsatz Ende dieses Jahres wieder bei 50 Prozent des Wertes liege, der vor dem Karikaturenstreit erzielt worden war.

Das Genossenschaftsunternehmen zählt mit "Buko" und anderen Käsesorten sowie mit Butter und Milch zu den Hauptexporteuren Dänemarks. Arla, das sechs bis acht Prozent seiner Geschäfte in arabischen Ländern macht, war von dem Boykott besonders hart getroffen worden. Dennoch will Arla die Märkte im Nahen Osten nicht aufgeben: "Wir verfügen über tiefgehendes Wissen über die Region und werden das nicht so schnell aufgeben", sagte Arla-Chef Peder Tuborgh. Arla hatte die täglichen Verluste durch den Boykott auf zehn Millionen Kronen beziffert.        

ler/AFP/dpa



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