Großbritanniens Beziehungen zu Bahrain: Die Windsors und der Despot vom Golf

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König Hamad und die Windsors: Der Golf-Freund Fotos
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Während in Bahrain die Proteste gegen das Regime anhalten, lässt sich König Hamad in Großbritannien hofieren. Der Monarch ist seit Jahren eng mit Prinz Charles befreundet und war erst am Wochenende Ehrengast von Queen Elizabeth. Proteste ignorieren die Windsors.

Hamburg - Die "Royal Windsor Horse Show" ist einer der alljährlichen Höhepunkte im Kalender der britischen Oberschicht. Die Reitwettkämpfe im Garten von Schloss Windsor locken in jedem Frühjahr Tausende Schaulustige an.

Bei der diesjährigen Ausgabe am vergangenen Wochenende hatten illustre Gäste vom Persischen Golf den besten Blick auf Ross und Reiter: Zur Rechten von Queen Elizabeth II. durfte König Hamad Bin Issa Al Chalifa von Bahrain in der royalen Loge Platz nehmen. Der Potentat aus dem Golfstaat war Ehrengast bei der 70. Auflage des Reitturniers. Und er wusste sich zu revanchieren: Als Gastgeschenk brachte Hamad der Monarchin zwei reinrassige Araberhengste mit. Der Wert eines solch edlen Pferdes wird auf mehrere zehntausend Euro geschätzt.

Die Queen hofierte einen Mann, der Massenproteste seit zwei Jahren mit Hilfe aus Saudi-Arabien niederknüppeln und niederschießen lässt. Nach Angaben des oppositionellen Zentrums für Menschenrechte sind bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten seit Beginn des Aufstands im Februar 2011 mindestens 90 Menschen getötet worden, mindestens 2000 weitere wurden verletzt. Mehrere hundert Oppositionelle sitzen noch immer in Haft. Freigelassene Aktivisten berichten, dass Folter und Misshandlungen in Bahrains Gefängnissen an der Tagesordnung sind.

Sandhurst hat jetzt eine "King Hamad Hall"

Außerdem haben etwa 5000 Angestellte wegen angeblicher Sympathien für die Regimegegner ihre Jobs verloren. Ärzte wurden gefeuert, weil sie verletzte Demonstranten behandelten, Lehrer rausgeschmissen, weil sie ihre Schüler nicht von den Protesten abhielten. Das alles passiert in einem Land, das so groß ist wie Hamburg und in dem nur etwa 600.000 Einheimische leben.

Doch selbst in Großbritannien wurde König Hamad vom Aufstand in seinem Land eingeholt. Während der Wettkämpfe in Windsor stürmte ein Demonstrant in die Reitarena. Bei sich trug er eine bahrainische Flagge und ein Plakat mit einem Aufruf an die britische Königsfamilie: "Stoppt die Unterstützung des Diktators von Bahrain!"

Doch Großbritannien denkt gar nicht daran, das Verhältnis zum ehemaligen Protektorat zu überdenken. Im Gegenteil: Trotz des Blutvergießens in dem Golfstaat haben beide Staaten ihre Beziehungen in den vergangenen Jahren weiter intensiviert. Erst im vergangenen Oktober unterzeichneten London und Manama ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf den Feldern Sicherheit und Verteidigung. Die anhaltende Niederschlagung friedlicher Proteste störte die Regierung von Premier David Cameron dabei offenbar nicht. Schon zwischen 2008 und 2012 hatte das Vereinigte Königreich Waffen im Wert von 13 Millionen Pfund nach Bahrain exportiert.

Seit kurzem darf sich König Hamad sogar als Vorbild für Großbritanniens künftige Elitesoldaten geehrt fühlen. Die Königliche Militärakademie in Sandhurst benannte im Februar ein ganzes Gebäude nach dem Monarchen. Aus der "Mons Hall", die an die Gefallenen der Schlacht von Mons im Ersten Weltkrieg erinnerte, wurde die "King Hamad Hall". Zuvor hatte der Machthaber der Akademie eine großzügige Spende in Höhe von drei Millionen Pfund zukommen lassen.

Prinz Charles macht Geschäfte mit Bahrain

Die Umbenennung sorgte in Großbritannien für Empörung: "Die Entscheidung zeigt die doppelten Standards der britischen Regierung gegenüber dem Regime in Bahrain, das völlig undemokratisch ist und gegen alle Menschenrechte verstößt", sagte der Labour-Abgeordnete Andy Slaughter.

Mehr noch als die gewählte Regierung pflegen aber die Windsors ihre guten Beziehungen zum bahrainischen Königshaus. Prinz Charles und König Hamad sind seit Jahren eng befreundet. Der König war 2005 als einziges Staatsoberhaupt zur Hochzeit von Charles und Camilla geladen. Im April 2011, auf dem Höhepunkt der Proteste in Bahrain, stand Hamad auf der Gästeliste für die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Diese Einladung schlug er jedoch aus, weil Exil-Bahrainer zu Protesten in London aufgerufen hatten. Bei den Feierlichkeiten zum 50. Thronjubiläum der Queen vor einem Jahr saß der Monarch aber beim Festbankett wieder mit am Tisch.

Auch geschäftlich sind Charles und Hamad verbandelt. In dieser Woche unterzeichnete die von Charles geführte "Prince's Foundation for Building Community" einen Vertrag über 700.000 Pfund mit Bahrains Regierung. Dafür soll die Stiftung den Golfstaat bei der Errichtung einer ökologischen und nachhaltigen Siedlung mit 4000 Häusern beraten. Das klingt erstmal nach einer sinnvollen Idee, schließlich ist die Wohnungsnot am Golf groß. Bahrains Opposition beklagt jedoch, dass das Prestigeprojekt ohnehin nur für regimetreue Bürger und ausländische Gastarbeiter errichtet werde.

Schon vor dem ersten Spatenstich profitiert das Königshaus in Manama von seinen guten Beziehungen zu den Windsors. Jemand, der mit dem Philanthropen Prinz Charles auf Du und Du ist, kann doch schließlich kein schlechter Mensch sein. Bahrains Regime bezahlt eine ganze Armada an PR-Firmen, die genau diese Botschaft verbreiten, um den König ins rechte Licht zu rücken. So berichteten die britischen Blätter am Wochenende über den Besuch aus Bahrain. Dass dort am Freitag wieder Tausende gegen den König demonstrierten, war nicht einmal eine Randnotiz wert.

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1. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus - welch ein Sinneswandel bei SPON
hugahuga 15.05.2013
Zitat von sysopAPWährend in Bahrain die Proteste gegen das Regime anhalten, lässt sich König Hamad in Großbritannien hofieren. Der Monarch ist seit Jahren eng mit Prinz Charles befreundet und war erst am Wochenende Ehrengast von Queen Elizabeth. Proteste ignorieren die Windsors. http://www.spiegel.de/politik/ausland/prinz-charles-und-queen-elizabeth-und-ihre-kontakte-zu-bahrains-koenig-a-900046.html
dieser Artikel hätte noch vor ganz kurzer Zeit keine Chance gehabt, gedrickt zu werden. Denn: Immerhin wird hier die verbrecherische Chalifa Sippe wahrheitsgemäß als dass geschildert, was sie ist: Verbrecher Immerhin bleibt zu konstatieren, dass es das - meiner Meinung nach - erste Mal ist, dass in aller Deutlichkeit und Offenheit das Unrecht beschrieben wird, dass an dem mehrheitlich schiitischen Volksanteil (70%) begangen wird. Genau dieser Umstand - Schiiten in Bahrain und im gegenüber liegenden Iran - war bisher Grund, dass die meisten Medien - schwiegen. Der aus Teheran in englischer Sprache sendende TV Sender ,Press TV', der die Ungerechtigkeiten, die Gewalt und das Blutvergießen in Bahrain thematisierte, wurde - wahrscheinlich genau aus diesem Grunde - abgeschaltet. Danke SPON für diese neue Ehrlichkeit. Und - btw - die Briten werden sich auf Dauer das undemokratische, teure und blutrünstige Verhalten der Verschwender-Royals nicht länge gefallen lassen. Sie sollten sich an der Apanage für das spanische Königshaus ein Beispiel nehmen.
2. Menschenrechte
Lemmi42 15.05.2013
gilt doch nur für Schwellenländer wie Rußland und China in den westlichen "Demokratien"wird das Volk wie eh und je geprügelt und dann noch verklagt wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt oder so.(sh.Dresden)2010.
3. so ist es nun einmal...
pantokrator 15.05.2013
Autokraten die auf der richtigen Seite stehen werden auch vom Westen hofiert und "beliefert". Demokratiedefizite??? Wir machen doch Geschäfte, da stört das bischen Demokratie doch bloss.
4.
ajf00 15.05.2013
Was ist daran erstaunlich/berichtswert, wenn eine Diktatorensippe mit einer anderen befreundet ist?
5. Wann war
talamal 15.05.2013
denn Herr Sydow das letzte Mal in Bahrain? Ich was 14 Tage dort und habe die ruhige Lage genossen. Von Aufstand oder Unruhen keine Rede. Nur Leute die Zustände wie in Iran gutheissen, wiegeln die Jungen zum werfen von Molotow gegen Ordnungskräfte auf. Die Mehrheit der Bahrainis steht hinter dem König und der gewählten Regierung. Aber das sind natürlich keine Sensationsnachrichten.
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