Prinz Harrys peinliche Verkleidung EU erwägt europaweites Verbot für Hakenkreuze

Der Partyauftritt des britischen Prinzen Harry mit Wehrmachts-Uniform und Hakenkreuz-Binde ruft Politiker in Brüssel auf den Plan: Während Justizkommissar Frattini ein EU-weites Verbot von Nazi-Symbolen erwägt, bezeichnete der SPD-Europaabgeordnete Helmut Kuhne den Prinzen als "königlichen Idioten".


"Sun"-Titel über Prinz Harry: Brüssel erwägt EU-weites Verbot von Nazi-Symbolen
REUTERS

"Sun"-Titel über Prinz Harry: Brüssel erwägt EU-weites Verbot von Nazi-Symbolen

Brüssel - "Dass ein königlicher Idiot das Hakenkreuz getragen hat, ist die eine Seite der Medaille", sagte Kuhne heute in Brüssel. "Dass deutsche Austausch-Schüler in Großbritannien auf Schulhöfen und in Straßen als Nazis beschimpft werden, ist die andere Seite." In keinem anderen Land Europas seien die Medien derartig davon besessen, Deutschland und die Nazis auch nach sechzig Jahren in einen Zusammenhang zu bringen, sagte Kuhne. "Und in keinem anderen Land Europas finden sich so viele Narren, die darauf anspringen."

Kuhne riet den Briten, ein Gesetz gegen das Zeigen von Nazi-Symbolen einzuführen, "das sie nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzungsmacht richtigerweise in Deutschland eingeführt haben". Der 20 Jahre alte Prinz Harry hatte vergangene Woche für Empörung gesorgt, weil er auf einer Party mit einem Nazi-Kostüm erschienen war.

Mediale Empörung: Den meisten britischen Tageszeitungen beschäftigten sich auf ihrer Titelseite mit dem dümmlich kostümierten Prinzen
AP

Mediale Empörung: Den meisten britischen Tageszeitungen beschäftigten sich auf ihrer Titelseite mit dem dümmlich kostümierten Prinzen

Die EU-Kommission erklärte ihre grundsätzliche Bereitschaft, über ein europaweites Verbot von NS-Symbolen nachzudenken. Zwar sei der Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus aus Sicht von EU-Justiz- und Innenkommissar Franco Frattinis Sicht wichtiger als das Verbot von Symbolen, sagte sein Sprecher. Ein Verbot von Symbolen sollte allerdings erwogen werden, wenn es zum Kampf gegen Rassismus beitragen könne. Es liege nun an der luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft, ob das Thema während eines informellen Treffens der EU-Innen- und Justizminister Ende Januar besprochen werde. Frattini sprach sich zudem dafür aus, die Debatte über die auf Eis liegende EU-Antirassismus-Richtlinie neu zu beleben - bislang ist das an Italien gescheitert.

Frattini reagierte damit auf Forderungen mehrerer deutscher Europa- und Bundespolitiker, das in Deutschland bestehende Verbot von Symbolen des Nationalsozialismus auf die gesamte EU auszudehnen. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, der stellvertretende SPD- Bundestagsfraktionschef Michael Müller und die Vorsitzende der FDP-Abgeordneten im EU-Parlament, Silvana Koch-Mehrin, waren zuvor mit Forderungen nach einem Hakenkreuz-Verbot in der EU zitiert worden.



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