Besuch in Israel und Palästina Prinz Williams heikle Reise

Prinz William reist als erster britischer Royal offiziell nach Israel und Palästina. Die Wahl seines Hotels ist historisch aufgeladen - und der Terminplan sorgte bereits im Vorfeld für Ärger.

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Die Mörder kamen als Milchmänner verkleidet: Am 22. Juli 1946 jagte die militante zionistische Untergrundgruppe "Irgun" um 12.37 Uhr mit 350 Kilo TNT-Sprengstoff den Südflügel des Luxushotels King David in Jerusalem in die Luft. Es war einer der ersten großen Terroranschläge der jüngeren Geschichte.

Das Ziel des Attentats, bei dem 91 Menschen ums Leben kamen: das Militärhauptquartier der britischen Mandatsmacht. Die verwaltete damals im Auftrag des Völkerbundes Palästina.

Eine alte Geschichte, die nun wieder aktuell wird. Denn: Großbritanniens Prinz William ist in Jerusalem - und übernachtet im King David Hotel.

Drei Besuche, keiner offiziell

Der Herzog von Cambridge ist das erste Mitglied der Royals, das Israel offiziell besucht. Zwar reiste sein Vater, Prinz Charles, 1995 zum Begräbnis des ermordeten israelischen Premiers Jitzchak Rabin und 2016 zur Beerdigung von Israels Präsidenten Shimon Peres an - aber beide Reisen galten als "privat".

Auch eine Reise von Prinz Philipp 1994 nach Jerusalem fiel in diese Kategorie. Der Ehemann von Queen Elisabeth II. nahm damals in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an einer Ehrung seiner Mutter Alice von Battenberg teil, die während des Zweiten Weltkriegs eine jüdische Familie versteckt hatte und dafür als "Gerechte unter den Völkern" ausgezeichnet wurde.

Ärger über Jerusalem-Visite

Dass es mehr als 70 Jahre gedauert hat, bis sich eine britische Regierung - die über die offiziellen Auslandsreisen der Königsfamilie entscheidet - dazu durchringen konnte, einen Royal offiziell nach Israel zu schicken, ist erstaunlich. Bislang weigerte sich London unter Verweis auf die Besatzung Palästinas durch Israel, einen solchen diplomatischen Schritt zu gehen. Nun also Neuland.

Die Reise umfasst neben einer Visite in Jordanien einen dreitägigen Aufenthalt in Israel und Palästina. Der Prinz reist allein, Frau und Kinder bleiben in Großbritannien. Die Planer bekamen bereits in der vergangenen Woche eine Ahnung, wie diplomatisch heikel der Besuch in Jerusalem werden wird.

Im offiziellen Programm des 36-Jährigen ist ein Besuch in Ostjerusalem mit dem Hinweis vermerkt, dieser Teil der Heiligen Stadt befinde sich in "besetztem palästinensischen Territorium".

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Jordanien, Israel und Palästina: Ein Prinz auf historischer Mission

Israels Minister für Jerusalem-Fragen, Ze'ev Elkin, der im kommenden Herbst auch bei den dortigen Bürgermeisterwahlen antritt, monierte diese Formulierung umgehend auf Facebook.

Britische Rüstungsexporte an Israel auf Rekordniveau

Doch davon abgesehen, haben sich die schwierigen Beziehungen zwischen der einstigen Mandatsmacht und Israel verbessert - politisch, militärisch und wirtschaftlich:

  • Britische Waffenschmieden verkauften nach Angaben des "Guardian" 2017 Rüstungsgüter in Höhe von 221 Millionen Pfund an Israel und damit so viel wie noch nie.
  • Außenminister Boris Johnson attackierte vor wenigen Tagen den Uno-Menschenrechtsrat scharf und warf den Mitgliedern - ähnlich wie die USA - vor, viel zu oft anti-israelische Positionen zu vertreten.
  • Die Streitkräfte beider Länder haben unlängst ein gemeinsames Militärmanöver nahe Tel Aviv abgehalten.

Gründe für diese Annäherung zwischen den Regierungen in London und Jerusalem gibt es viele:

  • Die politische Entspannung reflektiert den Wechsel in Downing Street Nummer 10 vor einigen Jahren. Großbritanniens konservative Tories um Premierministerin Theresa May - und vorher David Cameron - sind wesentlich israelfreundlicher als die linke Laborpartei, die seit Jahren massiven Antisemitismus-Vorwürfen ausgesetzt ist.
  • Israel gilt aufgrund seiner Geheimdienste für die Briten als wichtiger Partner im Kampf gegen den internationalen Terror. Auch für das Vorgehen Londons im Syrienkonflikt gilt Israels Expertise als unabdingbar.
  • Infolge des Brexits plant Großbritannien, mit zehn Ländern bilaterale Freihandelsabkommen zu schließen - Israel ist eines davon. Um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken, wurde bereits eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet.

Der Besuch von Prinz William reflektiert diesen Wandel durch Annäherung. Sein Terminplan ist voll. Unter anderem sind Treffen mit Premier Benjamin Netanyahu, Präsident Reuven Rivlin und auch Mahmoud Abbas, dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, vorgesehen.

Und dann soll es noch zwei Überraschungstermine in Tel Aviv geben. Das teilte der Kensington-Palast mit. Die Reise nach Jerusalem wird vermutlich dennoch der spannendere Teil des ersten Israelbesuchs von Prinz William, dem künftigen König.

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