US-Präsidentschaft: Qual bei der Wahl

Übermäßig lange Wartezeiten, fehlende Stimmzettel, Computerprobleme: Bei der US-Präsidentschaftswahl hatten etliche Bürger Schwierigkeiten, ihre Stimme abzugeben. Zwei Wahlmaschinen in Pennsylvania etwa ließen nur bei Mitt Romney das Kreuzchen zu - selbst wenn man Obama anklicken wollte.

AP/ Invision

Washington - Am Tag der Entscheidung über die US-Präsidentschaft zwischen Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney haben sich Wähler in mehreren Staaten über Unregelmäßigkeiten beschwert. Besonders im US-Bundesstaat Pennsylvania berichteten die Bürger über Probleme. Der Nachrichtensender CNN fordert die Wähler dazu auf, alle Probleme unter dem Stichwort #cnnvotewatch im Nachrichtenportal Twitter zu melden. (Verfolgen Sie hier alle News hier im Liveticker.)

CNN zufolge konnten US-Bürger in Pennsylvania an mindestens zwei Wahlmaschinen nicht für Obama wählen: Ihre Stimme für den amtierenden US-Präsidenten wurde wieder und wieder Romney zugeordnet, wie ein Video auf YouTube dokumentiert. Ein Wähler habe die Behörden von dem Problem unterrichtet, sagte ein Sprecher in Pennsylvania. Betroffene Wähler konnten schließlich andere Maschinen nutzen. Die Fehlfunktion der problematischen Maschine wurde später behoben.

Weitere Beschwerden gab es in Pennsylvania wegen fehlender Informationen über die Ausweispflicht. Ein Gesetz, das einen Lichtbildausweis zur Pflicht machte, um wählen zu können, wurde erst kurz vor der Wahl von einem Richter aufgehoben. In mehreren Wahllokalen sollen Helfer aber trotzdem Lichtbildausweise verlangt haben. Es war nicht klar, wie viele Wähler deshalb abgewiesen wurden. "Wahlhelfer waren so schlecht vorbereitet worden, dass sie Leute ohne Ausweis wieder nach Hause geschickt haben," sagte die Sprecherin einer Bürgerrechtsgruppe. "Der Staat Pennsylvania sollte sich schämen."

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Ausgerechnet in den Wechselwählerstaaten Florida, Virginia und Ohio kam es zu übermäßig langen Wartezeiten: Wähler mussten bis zu drei Stunden Schlange stehen, um ihre Stimme abgeben zu können. In Florida reichten Demokraten bereits am Sonntag eine Klage wegen der langen Wartezeit für Frühwähler ein, die am Samstag bis zu sieben Stunden betrug. Durch die Verzögerungen seien Wähler davon abgehalten worden, ihre Stimmen abzugeben. Laut der Zeitung "Tampa Bay Times" erhielten rund 12.500 Wähler zudem falsche Anrufe mit der Nachricht, dass sie bis um 19 Uhr "morgen" - also Mittwoch - Zeit hätten, ihre Stimme abzugeben. Die sogenannten Robocalls, automatisierte Anrufe, waren eigentlich als Ansage für den Wahldienstag gedacht. Doch aus bislang unbekannten Gründen waren Tausende in einer Warteschleife aufgelaufen und erreichten die betroffenen Wähler zwischen 8 und 8.30 Uhr am Dienstagmorgen. Dadurch bezog sich die Ansage "morgen" fälschlich auf Mittwoch - und damit auf den Tag nach der Wahl.

Heftige Debatten gibt es auch über eine umstrittene Wahl-Software in Ohio. Bei einem Großteil der Wahlautomaten im so wichtigen Swing State könnte es zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die Software, die die verantwortliche Wahlbehörde unter dem Republikaner Jon Husted erst vor wenigen Tagen installieren ließ, birgt nach Angaben mehrerer US-Medien große Sicherheitslücken. Die US-Grünen, die bei der Wahl nur Randfiguren sind, halten Husteds Eingriff für unvereinbar mit Ohios Gesetz und haben gegen die kurzfristige Umprogrammierung eines Großteils der Wahlautomaten geklagt. Doch Richter Gregory Frost schmetterte die Klage wenige Stunden vor Schließung der Wahllokale ab. Es gebe "null" Beweise für den Vorwurf, dass die Software unsicher sei.

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Obama gegen Romney: Jetzt haben die Wähler das Wort

Im US-Staat New Jersey, wo in der vergangenen Woche der Wirbelsturm "Sandy" gewütet hat, gab es offenbar ebenfalls Probleme: Berichten von Wahlbeobachtern zufolge brachen Server zusammen, auch hier wurden Wähler - wie in Pennsylvania - nach bestimmten Ausweisen gefragt, obwohl diese bei Stimmabgabe nicht vorgezeigt werden müssen, einige Wahllokale öffneten mit Verspätung, in vielen gab es zeitweise keine Stimmzettel. Schon werden Spekulationen laut, dass im engen Kopf-an-Kopf-Rennen der Rivalen um die US-Präsidentschaft insbesondere Probleme in den sturmgebeutelten Staaten zu einer Verzerrung des Wahlausgangs führen könnten.

Obama ging am Dienstag mit leichtem Vorsprung in den meisten Meinungsumfragen in die Entscheidung. Sein republikanischer Herausforderer Romney konnte sich dennoch Chancen ausrechnen, da die Erhebungen sehr knapp und deshalb fehleranfällig waren. Mit dem Ergebnis wurde frühestens am Mittwochmorgen gerechnet.

Obama hatte seine Stimme schon vor knapp zwei Wochen in seiner Heimatstadt Chicago abgegeben. Er war der erste Amtsinhaber, der vor dem eigentlichen Wahltag votierte. Romney stimmte am Dienstagmorgen in seiner Wahlheimat Boston ab. Er fühle sich "sehr, sehr gut", sagte Romney. Auch Obama sagte, er erwarte eine "gute Nacht" für die Demokraten.

Entscheidend war, wie sich die Kandidaten in den sogenannten Swing States mit ihren Wechselwählern schlugen. Hier sahen die Meinungsforscher Obama im Vorteil. Dennoch bereiteten sich beide Lager nach Medienberichten auf einen langwierigen Streit um die Abstimmungsergebnisse vor.

Bis zum Schluss kämpften beide Kandidaten mit aller Härte um unentschiedene Wähler. Obama wurde nicht müde, Romney als Anwalt der Reichen zu brandmarken. Romney prangerte das Versagen des Demokraten in der Wirtschaftspolitik angesichts hoher Arbeitslosigkeit und mauer Konjunktur an.

bos/AP/Reuters

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Forum - US-Wahl - was bedeutet der Ausgang für Amerika und die Welt?
insgesamt 930 Beiträge
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1. Warum spannend ?
makki45 06.11.2012
Zitat von sysopEs ist eine der spannendsten Wahlen in der Geschichte der Vereinigten Staaten
Was soll, bitte, daran spannend sein, wenn es ganz ohne Bedeutung ist wer gewinnt ?
2. Obamas Zeit ist aus - Nov. 2012
jos777 06.11.2012
Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren. Letztendlich möchte jeder irgendwann konservativ werden oder ist es schon. Die ganze liberale Politik ist nur eine Modeerscheinung. Im Kern ist jeder Mensch konservativ. Deshalb wird auch Romney der neue Präsident der USA werden.
3. Gottes eigener Landstrich
e-cdg 06.11.2012
Zitat von sysopEs ist eine de
Am Ende gewinnen in den USA eh immer die Banken - was hätte mit dem Geld, das für den Wahlkampf verprasst wurde, alles sinnvoll für Bildung,SoziaIes und Infrastruktur erreicht werden können !
4. Early Voting In Texas
spontifex 06.11.2012
Zitat von sysopEs ist eine de
Falsches Foto (http://cdn3.spiegel.de/images/image-422072-breitwandaufmacher-dhdp.jpg) | Richtiges Foto (https://www.box.com/s/7ps8rlgbe4qwd4suomj1)
5.
Hafenschiff 06.11.2012
Zitat von jos777Es ist die Zeit von konservativen Werten, welche nun mit Romney starten wird. Das liegt daran, dass konservative Familien im Durchschnitt mehr und intensiver arbeiten, um ihren Wohlstand zu mehren und den Besitz zu wahren.
Ja genau. Deswegen sind gerade die Ost- und Westküste der USA ja auch so reich geworden ... weil die alle so konservativ sind und die Republikaner da so einen guten Stand haben ... O_ô Aha. Und was schreiben Sie, wenn Obama wieder gewinnt? Dann hat sich mal wieder die Modeerscheinung durchgesetzt? Bei Ihnen kann man sich echt nur noch weglachen.
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