Propaganda im Netz Nordkorea lernt das Twittern

"Uriminzok" schimpft auf die USA: Nordkorea hat die Internetportale YouTube und Twitter für sich entdeckt. Seit Juli hat Pjöngjang bereits 86 Hetzvideos hochgeladen. Jetzt hat das Regime auch ein Twitter-Konto eingerichtet.

Von Ferdinand Maubrey


Pjöngjang - "Dank des höchst turbulenten Zustands der USA und seiner Marionettenarmee Südkorea werden wir durch eisernen Willen und kompromisslose Haltung unserer Armee siegen", zwitscherte "uriminzok" in koreanischer Sprache. Wer hinter dem Benutzer nun einen regimefreundlichen Bürger Nordkoreas vermutet, täuscht. Denn diese und ähnliche Meldungen über das Twitter-Profil, dessen Name so viel wie "Unser Volk" bedeutet, gleichen exakt den Botschaften der staatlichen Medien Nordkoreas.

Eine Ankündigung auf der Internetseite der nordkoreanischen Regierung lässt darauf schließen, dass Pjöngjang nach dem Videoportal YouTube seinem Propagandaarsenal auch das Mikroblogging-Netzwerk Twitter hinzugefügt hat. Das Vereinigungsministerium könne allerdings nicht bestätigen, dass die Accounts von der Regierung betrieben würden, sagte eine Sprecherin in Seoul.

Bereits seit Mitte Juli veröffentlichte das Regime auf YouTube 86 Videos, unter anderem mit propagandistischen Seitenhieben auf die Regierungen in Südkorea und den USA, die als "Kriegstreiber" und "Hetzer" bezeichnet werden. Am vorigen Donnerstag nun meldete sich "uriminzok" erstmals über Twitter seiner damals noch eher beschaulichen Leserschaft. In den darauffolgenden Tagen erschienen Tweets über "das elende Schicksal der Dollar-Note" und die "Allianz mit dem Verräter, die nichts weiter als ein Werkzeug zur Realisierung einer aggressiven US-Weltherrschaft ist". Mittlerweile ergötzen sich über 6000 Anhänger an diesen Kurznachrichten aus dem Hause Kim Jong Ils. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass der Mehrheit der Nordkoreaner der Zugang zum Internet verwehrt ist.

Trotzdem folgt Nordkorea somit einem Trend. Immer mehr autoritäre Staaten ändern ihre abgeneigte Haltung gegenüber dem Internet und öffnen sich dem Informationszeitalter zum Zwecke ihrer Propaganda: Venezuelas Staatsoberhaupt Hugo Chávez, Pseudonym "chavezcandanga" zum Beispiel hat bereits über 700.000 Followers auf Twitter. Auch die Regime in Teheran, Peking und Kairo nutzen die sozialen Medien. Somit besteht die Gefahr, dass Diktaturen auf der ganzen Welt Portale wie Facebook oder Twitter dazu missbrauchen, Transparenz vorzutäuschen, Hasstiraden volksnah zu transportieren und letztendlich die kritische Wirkung - wie beispielsweise die Rolle der "Twitter-Revolution" bei den Protesten um die Wahl in Iran im vergangenen Jahr - dieser Foren zu unterdrücken.

Südkoreas Regierung jedenfalls hat auf den Internetauftritt Pjöngjangs reagiert. Die "uriminzok"-Seite ist blockiert und mit der Warnung "Unerlaubter Inhalt" versehen. Aus Seoul ist noch kein offizieller Regierungs-Account bekannt.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
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spon.li 17.08.2010
1. Link
Zitat von sysop"Uriminzok" schimpft auf die USA: Nordkorea hat die Internetportale YouTube und Twitter für sich entdeckt. Seit Juli hat Pjöngjang bereits 86 Hetzvideos hochgeladen. Jetzt hat das Regime auch ein Twitter-Konto eingerichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712368,00.html
Spiegel Online hat neterweise den Link vergessen: http://twitter.com/uriminzok
Preia 18.08.2010
2. Sehr sinnvoll...
Zitat von spon.liSpiegel Online hat neterweise den Link vergessen: http://twitter.com/uriminzok
Danke sehr - wie sonst hätten ohne deine Hilfe die abermillionen koreanisch sprechenden an nordkoreanischer Propaganda interessierten SPON-Leser den Link wohl ohne deine Hilfe herausfinden sollen?^^
saul7 18.08.2010
3. ++
Zitat von sysop"Uriminzok" schimpft auf die USA: Nordkorea hat die Internetportale YouTube und Twitter für sich entdeckt. Seit Juli hat Pjöngjang bereits 86 Hetzvideos hochgeladen. Jetzt hat das Regime auch ein Twitter-Konto eingerichtet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,712368,00.html
Erinnert mich irgendwie an Karl-Eduard von Schnitzlers "Schwarzen Kanal" weiland in DDR-Zeiten...Einfach nur putzig!!!;-(((
subhuman9 18.08.2010
4. Ob das wirklich die Jungs von Kim waren?
Es gibt eine Organisation namens "Korean Friendship Association", die unter anderem Demonstrationen von Ausländern für das Regime in Nordkorea veranstaltet. Im Internet findet man sie unter "friendsofkim.com" oder unter "friends of kim" bei youtube. Der Spanier, der da als Organisator auftritt und der als wohl einer der ganz wenigen neben seiner eigentlichen auch die nordkoreanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist einer der wirklich bemerkenswertesten Menschen, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind. Er ist einer von denen, auf die Thomas Manns Bonmot von der "grenzenlosen Borniertheit" wie maßgeschneidert aussieht. Der Mann allein ist es wert, sich die Doku (auf youtube) anzusehen. Man freut sich geradezu, dass es bei uns nur einen Dieter Bohlen gibt. Von daher: Kim hat sogar Freunde, und es mag sein, dass die eine oder andere propagandistische Maßnahme von denen herrührt und weniger vom Lieben Führer himself.
mavoe 18.08.2010
5. hmmm
Zitat von PreiaDanke sehr - wie sonst hätten ohne deine Hilfe die abermillionen koreanisch sprechenden an nordkoreanischer Propaganda interessierten SPON-Leser den Link wohl ohne deine Hilfe herausfinden sollen?^^
"Ethnische Korean National Peace Committee Sprecher verteidigte die Vereinigten Staaten weiterhin Einfälle in der Nord-und der südkoreanischen Marionetten gewinnt die Partei verurteilt gemeinsame militärische Übungen..." Nun, mein Koreanisch ist wohl etwas eingerostet. lol.
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