Propaganda-Video vom Hindukusch Dschihadist prophezeit Terror in Deutschland

Terrordrohung vom Hindukusch: Der Deutsch-Marokkaner Mounir C. alias Abu Adam hat sich aus Waziristan per Video gemeldet. Diesmal sagt er Anschläge in Deutschland voraus. Sicherheitskreise vermuten, dass C. die Bedeutung der Islamischen Bewegung Usbekistans hochspielen will.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Der zentrale Satz fällt fast am Ende der 26 Minuten langen Videoaufnahme aus dem Kampfgebiet am Hindukusch: "Dennoch muss und wird es, so Allah will, auch in Deutschland eine Serie von Anschlägen auch gegen das Volk geben. Denn der Anschlag in Deutschland ist eine Art Rache und Lektion."

In gewohnt selbstgefälliger Pose stößt Mounir C. alias "Abu Adam aus Deutschland" diese Drohung aus. In den Passagen zuvor versucht er seinen Zuhörern vor allem einzutrichtern, dass die Bundesrepublik Deutschland am angeblichen Krieg "gegen den Islam" sehr wohl an vorderster Front beteiligt sei, wenn sie auch Wert darauf lege, vor allem hinter den Kulissen zu agieren. "Wir sind klar von Verstand", sagt der aus Bonn stammende Deutsch-Marokkaner dazu, die Gotteskrieger ließen sich nicht in die Irre führen.

"Und jetzt hören Sie gut zu!"

Alle zwei, drei Monate meldet sich Munir C. in der Regel zu Wort - er hält sich schon seit Jahren im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet auf, wo er der "Islamischen Bewegung Usbekistan" (IBU) als Sprachrohr dient. Auch an Kampfhandlungen hat er seinen eigenen Angaben zufolge teilgenommen. Andere deutsche Dschihadisten, die in der Zwischenzeit festgenommen wurden, zeichneten in ihren Aussagen allerdings ein wenig schmeichelhaftes Bild von "Abu Adam", dem es vor allem um Propaganda gehe und der dabei auch vor Täuschungsmanövern nicht zurückschrecke. So habe er etwa für eines seiner Propagandavideos die immer selben Kämpfer in verschiedenen Kleidungsstücken durch den Hintergrund laufen lassen, um die Kampfkraft der IBU hochzuspielen.

Allerdings: Bisher hat weder C. noch die IBU explizit vor einer Serie von Anschlägen in Deutschland gewarnt. Zudem haben sich seine Reden bisher meist an potentielle Rekruten gerichtet - das aktuelle Band aber, das bereits vor einigen Tagen auf dschihadistischen Web-Seiten veröffentlicht wurde und SPIEGEL ONLINE vorliegt, will die deutsche Öffentlichkeit ansprechen: "Ich bitte Sie!", sagt C. etwa, oder auch: "Und jetzt hören Sie gut zu!"

Mehr als ein reines Rekrutierungsvideo

Deutsche Sicherheitsbehörden kennen das Band und werten es aus. In Sicherheitskreisen hieß es, es sei auch hier aufgefallen, dass C. erstmals ausdrücklich vor Anschlägen in Deutschland warnte. Aber es gebe keinen konkreten Anlass davon auszugehen, dass die IBU hier tatsächlich Bomben basteln lasse oder überhaupt entsprechende Pläne verfolge oder vorantreibe.

Ein wenig ernster als die reinen Rekrutierungsvideos nehme man dieses Band zwar durchaus, hieß es in den Kreisen. Aber man halte es auch für denkbar, dass C. mit seinen vagen Drohungen nur die Bedeutung der IBU hochspielen oder jemanden zu einer solchen Tat anstacheln wolle.

Die IBU ist in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich geschwächt worden. Drohnenangriffe haben wichtige Führungskader getötet, die pakistanische Armee hat in Gefechten immer wieder Kämpfer erschossen. Doch noch immer handelt es sich um eine der größeren militanten Gruppierungen in dem Krisengebiet, die IBU kooperiert zudem mit al-Qaida.

Munir C. ist einer von vermutlich einigen Dutzend Dschihadisten aus Deutschland im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Neben seinem Bruder Yassin dürften sich nach wie vor noch einige weitere aus Deutschland angereiste Kämpfer in den Reihen der IBU befinden. Die beiden Bonner sind vermutlich nach einem längeren Jemen-Aufenthalt zur IBU weitergereist. Sie gehören zu den ersten Dschihadisten aus Deutschland, die sich an den Hindukusch aufgemacht haben.



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