Propagandastreit Nordkorea droht Seoul mit Artillerieangriff

Nordkorea fühlt sich provoziert: Angesichts des anstehenden Manövers von US- und südkoreanischen Truppen droht Pjöngjang seinem Nachbarn mit einer Militäraktion. Aktivisten aus Seoul sollen zudem mit Ballons Hunderttausende regierungskritische Flugblätter über Nordkorea abgeworfen haben.


Seoul - Drohgebärde aus Pjöngjang: Einen Tag vor dem Beginn einer gemeinsamen Militärübung von Südkorea und den USA haben die nordkoreanischen Streitkräfte dem Süden am Sonntag mit einem Artillerieangriff gedroht.

Die Manöver der beiden Alliierten werden von Nordkorea als Probelauf für eine Invasion interpretiert und als Provokation empfunden. Pjöngjang wirft südkoreanischen Aktivisten und Abgeordneten außerdem vor, mit Ballons Hunderttausende regierungskritische Flugblätter über die Grenze nach Nordkorea gebracht zu haben. Auch Ein-Dollar-Noten und DVDs mit regierungskritischen Inhalten sollen abgeworfen worden sein.

Sollte Seoul die Verbreitung dieser antikommunistischen Propaganda in Nordkorea nicht unterbinden, werde man Städte in der Nähe der Grenze beschießen, hieß es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung der nordkoreanischen Streitkräfte.

"Das südkoreanische Marionettenregime muss den Ernst der Lage erkennen und die psychologische Kriegsführung sofort beenden", hieß es in dem Text, der auch den südkoreanischen Streitkräften zugestellt worden sein soll. "Unsere Armee und das Volk werden strikte militärische Maßnahmen gegen die amerikanischen Imperialisten und die (südkoreanische) Verrätergruppe ergreifen, weil sie uns mit aggressiven Kampfmaßnahmen bedrohen." Bei einer Provokation werde der Norden einen Krieg beginnen und Seoul niederbrennen.

Immer wieder hat sich Nordkorea in der Vergangenheit solcher Kriegsrhetorik bedient. Im vergangenen November allerdings schritten die Militärs zur Tat und beschossen die zu Südkorea gehörende Insel Yeonpyeong. Dabei kamen vier Menschen ums Leben.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte, man habe die Warnung erhalten und beobachte die Militärbewegungen des Nachbarn aufmerksam. Verteidigungsminister Kim Kwan-jin hatte bereits am Freitag über mögliche Angriffe aus Nordkorea im Frühjahr spekuliert und gesagt, die Armee sei in der Lage, mit jeder Art von feindlichen Übergriffen fertig zu werden.

Am morgigen Montag werden die USA und Südkorea ihr gemeinsames auf elf Tage angesetztes Manöver beginnen. An der Übung werden etwa 12.800 US-Truppenangehörige sowie 200.000 südkoreanische Soldaten und Reservisten teilnehmen. US-Militärsprecher hatten mehrfach betont, es handele sich um ein rein defensives Manöver, und man plane keinen Angriff.

Nord- und Südkorea befinden sich offiziell noch immer im Krieg, weil der Konflikt von 1950-53 mit einem Waffenstillstand endete, nicht mit einem Friedensvertrag. In Südkorea sind 28.500 US-Soldaten stationiert.

ala/dapd/Reuters



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insgesamt 40 Beiträge
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jenio 27.02.2011
1. .
und wenn man denkt, dümmer gehts nicht mehr, kommt wieder etwas aus nordkorea her.
Centurio X 27.02.2011
2. Es ist mal wieder nichts...
Zitat von sysopNordkorea*fühlt sich provoziert: Angesichts des anstehenden Manövers von US- und südkoreanischen Truppen droht Pjöngjang seinem Nachbarn mit einer Militäraktion. Aktivisten aus Seoul sollen zudem mit Ballons Hunderttausende regierungskritischer Flugblätter über Nordkorea abgeworfen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747964,00.html
...anderes als das gewohnte Fröschengequake des "lieben Führers", der auf diese Weise seine momentane Schlechtlaunigkeit abreagiert!
Niamey 27.02.2011
3. Nordkoreanisches Propagandagehabe???
Zitat von Centurio X...anderes als das gewohnte Fröschengequake des "lieben Führers", der auf diese Weise seine momentane Schlechtlaunigkeit abreagiert!
Vorsicht! Auch der Liebe Führer und seine Klique lesen Zeitung und sehen die Nachrichten aus Tunesien, Lybien und Ägypten! Die suchen derzeit nach einer Ablenkung für das Volk! Es könnte schnell ernster werden als man aus normaler Mitteleuropäer denken würde!
Hermes75 27.02.2011
4. Kimmi möchte Aufmerksamkeit
Zitat von sysopNordkorea*fühlt sich provoziert: Angesichts des anstehenden Manövers von US- und südkoreanischen Truppen droht Pjöngjang seinem Nachbarn mit einer Militäraktion. Aktivisten aus Seoul sollen zudem mit Ballons Hunderttausende regierungskritischer Flugblätter über Nordkorea abgeworfen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747964,00.html
Ja, ist schon dumm gelaufen für klein-Kimmi. Seine Despoten-Kollegen in Nordafrika werden vom Hof gejagt und keiner beachtet ihn. Das muss er natürlich dringend ändern. Man darf natürlich auch die enorme Bedrohung, die für sein Schreckensreich von ein paar Luftballons ausgeht, nicht unterschätzen. Ob er jetzt Angst hat der nächste in der Reihe zu sein?
pu_king81, 27.02.2011
5. Machen DVDs wirklich Sinn?
Kann der durchschnittliche Nordkoreaner ueberhaupt DVDs abspielen? Das ist jetzt ne ernsthafte Fragen.
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