Von Holger Dambeck
Der Name ist Programm: Niqabitches ("Schleierschlampen") nennen sich zwei französische Studentinnen, die mit einer außergewöhnlichen Kleiderkombination jetzt Paris verunsichert haben. Auf dem Kopf trugen sie den Gesichtsschleier Nikab, das dunkle Gewand an ihrem Körper war jedoch nichts anderes als ein Minirock. Stöckelschuhe, nackte Beine bis zum Oberschenkel und ein verhüllter Kopf - das ist das Outfit, mit dem die beiden Aufsehen erregten.
Ihren Spaziergang durch Paris vorbei an diversen Ministerien haben die Frauen, nach eigener Aussage um die 20 Jahre alt, mit der Videokamera dokumentiert und auf einer Videoplattform veröffentlicht. Eine von ihnen ist Muslimin, wie sie in einem Blogeintrag schreiben, sie seien von dem beschlossenen Burkaverbot jedoch nicht direkt betroffen.
Die Passanten reagieren irritiert, aber freundlich auf die absurde Verkleidung. "Solche Sachen brauchen wir öfters", ruft ein vorbeifahrender Autofahrer und streckt den Daumen nach oben. Müllmänner bitten sogar um ein Erinnerungsfoto. Eine Polizistin, die vor dem Ministerium für Immigration Wache schiebt, erklärt laut im Video eingeblendetem Text: "Das ist genial, darf ich ein Foto von Ihnen machen?"
"Wir haben uns die Frage gestellt: Wie reagieren Behörden auf Frauen, die Burka und Minirock tragen?" Es sei ihnen nicht darum gegangen, islamische Fundamentalisten lächerlich zu machen, betonen die Frauen. Vielmehr wollten sie Abgeordneten klarmachen, dass das Anti-Burka-Gesetz ihrer Meinung nach der Verfassung widerspricht.
Applaus auf der Straße
"Brauchen wir wirklich ein spezielles Burka-Gesetz, um klarzumachen, dass es verboten ist, andere Menschen zu etwas zu zwingen, was sie nicht wollen?", fragen die beiden. "Und warum hört sich kaum jemand die Reaktionen der Frauen an, die sich freiwillig verschleiern?"
"Die Leute haben unseren Anblick genossen, die Polizisten waren halb irritiert, halb begeistert", schreiben die Studentinnen. "Feuerwehrmänner haben uns applaudiert. Warum lässt sich die Regierung nicht von dem Geist der Straße anstecken?"
Das Niqabitch-Video hat im Internet schnell die Runde gemacht - binnen zwei Tagen wurde es mehr als 100.000-mal abgerufen. In den französischen Zeitungen, Blogs und Online-Foren wird die kalkulierte Provokation kommentiert. Die Zeitung "France-Soir" lobt den Humor der beiden Studentinnen. In einem Forumsbeitrag verlangt jemand, die beiden sollten das doch mal in Mekka versuchen. Ein anderer Surfer schreibt, es wäre eine "wirkliche Provokation, wenn man in diesem Aufzug durch die Vorstädte geht".
Das Anti-Burka-Gesetz ist in Frankreich umstritten. Kritiker warnen, die Kluft zwischen strenggläubigen Muslimen und dem Rest der französischen Gesellschaft könne sich durch das Verbot vertiefen. Auch Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International lehnen das Gesetz ab.
Kurioserweise zielt das Gesetz nur auf eine kleine Minderheit der Millionen Muslime in Frankreich. Nach Angaben des französischen Innenministeriums tragen höchstens 2000 Frauen einen Schleier wie die Burka oder den Nikab. Erstmalig in Europa hatte das belgische Parlament im April ein Verbot des Ganzkörperschleiers in der Öffentlichkeit verabschiedet. Auch deutsche Politiker liebäugeln mit solch einem Gesetz, unter anderem Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Markus Söder (CSU).
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