Protest gegen Trumps Asylpolitik Polizei nimmt fast 600 Demonstranten in Senatsgebäude fest

Hunderte Menschen haben ein Bürogebäude des US-Senats in Washington besetzt und gegen die Familientrennungen an der Grenze demonstriert, darunter Abgeordnete und Prominente. Dann schritt die Polizei ein.

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Etwa 575 Menschen sind am Donnerstag nach einer Protestaktion in einem Bürogebäude des US-Senats in Washington festgenommen worden. Sie hatten im Atrium des Hart Senate Office Building gegen die "Null-Toleranz-Politik" der US-Regierung und die Familientrennungen an der US-mexikanischen Grenze demonstriert. Auf Schildern forderten sie, die umstrittene Praxis zu beenden und skandierten lautstark: "Einwanderer sind hier willkommen."

Bei den Demonstranten handelte es sich vor allem um Frauen. Viele von ihnen hatten sich in Aludecken gehüllt - in solchen waren zuletzt viele der Einwanderer in den US-Auffanglagern zu sehen. Die Aktion wurde von den beiden Gruppen Women's March und Center for Popular Democracy initiiert, sie dauerte etwa zwei Stunden. An dem Protest beteiligten sich mehrere US-Politikerinnen, darunter die Kongressabgeordnete Pramila Jayapal, Anfeuerungsrufe kamen von Elizabeth Warren und Tammy Duckworth. Auch Schauspielerin Susan Sarandon war gekommen.

"Wir sind hier, um für die Freiheit unserer Familien zu kämpfen", sagte Jayapal. "Dafür, dass unsere Kinder bei ihren Eltern sein können - und nicht in Käfigen, nicht in Gefängnissen." Es gehe weit über Politik hinaus: Es gehe darum, was richtig und was falsch sei.

Bevor die Demonstranten in dem Senatsgebäude ankamen, waren sie durch Washington gezogen und hatten unter anderem einen Stopp vor dem Trump International Hotel eingelegt. Dort riefen sie: "Schande! Schande! Schande!"

Die Polizei, die für den US-Kongress beziehungsweise das Kapitol-Gelände zuständig ist, verwarnte die Demonstranten. Sollten sie das Gebäude nicht räumen, würden sie festgenommen. Kurz darauf wurden die Protestierenden in kleinen Gruppen aus dem Hart Senate Office Building geführt. Es dauerte etwa 90 Minuten, bis die Demonstration aufgelöst und die Teilnehmer festgenommen waren.

Insgesamt seien etwa 575 Menschen abgeführt worden, hieß es von der Polizei. Ihnen werde unrechtmäßiges Demonstrieren vorgeworfen. Sie seien wieder freigelassen worden. Am Samstag ist bereits die nächste Demonstration angekündigt. In Washington und anderen Städten der USA wollen Menschen unter dem Motto "Familien gehören zusammen" auf die Straßen gehen.

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Fotostrecke: "Familien gehören zusammen"

Trumps Asylpolitik wird seit Wochen heftig kritisiert, 17 Bundesstaaten haben inzwischen dagegen geklagt. Mehr als 2000 Einwandererkinder sind weiter von ihren Eltern getrennt, sie werden in Auffanglagern im ganzen Land festgehalten. Selbst in Trumps eigener Partei wird diese Praxis kritisiert, doch über eine mögliche Lösung sind US-Politiker tief zerstritten. Erst am Mittwoch war im US-Repräsentantenhaus ein erneuter Versuch gescheitert, ein neues Migrationsgesetz zu verabschieden.

Melania Trump besucht erneut Migrantenkinder an der Grenze

Die First Lady der USA ist derweil zum zweiten Mal innerhalb einer Woche in das Grenzgebiet zu Mexiko gereist, um illegal ins Land gelangte Kinder zu besuchen. "Ich bin hier, um euch zu unterstützen und euch meine Hilfe anzubieten", sagte Melania Trump in Tucson, Arizona. Anschließend reiste sie nach Phoenix weiter.

Bereits vor einer Woche hatte Melania Trump in der texanischen Grenzstadt McAllen ein Lager für Migrantenkinder besucht. Für die meiste Aufmerksamkeit sorgte dabei allerdings ihre Jacke, auf deren Rückseite stand: "Es ist mir echt egal, euch auch?" Als sie bei ihrer jetzigen Reise aus dem Flugzeug stieg, trug sie ein schwarzes Oberteil und eine weiße Hose, beides ohne erkennbaren Schriftzug.

aar/AP/Reuters

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omanolika 29.06.2018
1. Ort oder Thema?
Trumps Asylpolitik spaltet die US-Nation, und es gibt ja schon manche Eskalation, die sich zeigt in so einer Demonstration, also - bis zur polizeilichen Intervention... Die Demonstranten wird es frustrieren, dass sie unrechtmäßig demonstrieren, doch mich würde jetzt ja interessieren: Worauf beruht diese Unrechtmäßigkeit? Auf dem Ort, oder dem "falschen Thema zur falschen Zeit"? Die Antwort der Trump-Fans darauf ist mir klar, denn Donnie-unantastbar ist ja der Mega-Star, und es ist selbstverständlich, dass er stets im Recht war...
Atheist_Crusader 29.06.2018
2.
Trump und seine Kultisten sind gerne mal dabei, das Recht zum Protest in Frage stellen. Footballspieler sollten doch bitte im stillen Kämmerlein gegen Polizeigewalt demonstrieren statt während der Nationalhymne zu knien. Laut Fox sollten die Parkland-Kinder doch lieber nach Hause gehen und beten statt mal eben dreist auf die Straße zu gehen und politische Veränderung zu fordern. Und statt Nielsen oder Huckabee-Sanders beim Abendessen zu stören, sollte man seine Proteste doch besser auf ihre Arbeitszeit beschränken. Man versucht Protest zu delegitimieren oder ihm willkürliche Regeln aufzudrücken die ihn völlig ineffektiv machen würden. Wäre Obama an der Macht, würden die Rechten jetzt aus voller Kehle "Faschismus!" brüllen, ihre Waffen polieren und vom Staatsstreich träumen. Aber es sind ja die "Guten" an der Macht, darum ist das alles schon in Ordnung.
Shoxus 29.06.2018
3. Ich frag mich ja immer
wo die Leute die letzten 16 Jahre VOR Trump waren. *Schulterzuck* Sorry wenn ich die einfach nicht ernst nehme und sie als Heuchler sehe.
irgeneinleser 29.06.2018
4. @3
Nur weil es bisher nicht so prominent in den Medien war, bedeutet das nicht das bisher niemand demonstriert hat. Und selbst wenn die Situation bisher niemanden interessiert hat, warum sollten diese Demonstranten Heuchler sein? Irgenwann läuft das Fass halt über.
espressotime 29.06.2018
5.
Ein grauenvoller Politiker, der auf Kosten anderer seine Politik betreibt und die ganze Welt nervt. Ein im Hirn zurück gebliebenes Subjekt. In der wahren Realität würde man solch einen Menschen für unzurechnungsfähig halten und nur noch mit Tabletten und Brei ruhig stellen.
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