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Protest gegen Gewalt Italien zieht Botschafter aus Syrien ab

Syrien: Assads Kampf gegen das eigene Volk
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REUTERS

Die Eskalation der Gewalt isoliert das Regime von Diktator Assad. Italien hat seinen Botschafter aus Damaskus abberufen, Syriens Verteidigungsminister bekommt Einreiseverbot in der EU, der Uno-Sicherheitsrat ringt um eine Resolution. Doch vor einem Militäreinsatz schreckt der Westen zurück.

Rom/New York- Angesichts der brutalen Gewalt der Sicherheitskräfte gegen den Volksaufstand in Syrien hat Italien seinen Botschafter in Damaskus zu Konsultationen zurückgerufen. Außenminister Franco Frattini habe den Botschafter Achille Amerio wegen der "entsetzlichen" Gewalt gegen die syrische Bevölkerung vorübergehend nach Rom beordert, teilte sein Ministerium an diesem Dienstag mit. Italien riet demnach auch allen anderen EU-Ländern dazu, es Rom gleichzutun.

In Syrien gehen die Sicherheitskräfte seit Monaten brutal gegen die Protestbewegung vor. Am Sonntag rückte die Armee mit Panzern in die Protesthochburg Hama ein, allein bei diesem Einsatz wurden nach Angaben von Menschenrechtlern 100 Menschen getötet. Die Vereinten Nationen halten die Angaben für glaubwürdig. Der Uno-Sicherheitsrat zeigte sich am Montag besorgt über die eskalierende Gewalt. Eine Dringlichkeitssitzung ging ohne konkrete Ergebnisse zu Ende, an diesem Dienstag soll aber weiter verhandelt werden.

Befürworter scharfer Sanktionen gegen Syrien glauben, dass die neue Dimension der Gewalt die Debatte auf eine neue Grundlage stellt und sich auch bisher zögerliche Nationen anschließen. Seit Beginn des Konflikts seien mehr als 1500 Zivilisten getötet worden, sagte der Vize der politischen Abteilung der Uno, Oscar Fernandez-Taranco. Das Militär schieße wahllos auf Zivilisten, sagte der Argentinier nach Angaben westlicher Diplomaten. Mehr als 12.000 Menschen seien inzwischen von Militär und Geheimdiensten als politische Gefangene inhaftiert worden. Mindestens 3000 Menschen seien verschwunden - darunter selbst Kinder. Fernandez-Taranco sprach von einer "alarmierenden Eskalation".

Zur Debatte stehen ein europäischer Resolutionsentwurf, der das Vorgehen verurteilt, und andere Vorschläge für eine zurückhaltender formulierte Stellungnahme.

Die Europäische Union hat bereits Sanktionen erlassen, die nun noch einmal verschärft wurden. Der syrische Verteidigungsminister und der Onkel von Staatschef Baschar al-Assad dürfen ab sofort nicht mehr in die EU einreisen. Beide gehören zu den fünf Personen, die neu in die EU-Sanktionsliste für Syrien aufgenommen wurden, wie am Dienstag im EU-Amtsblatt bekanntgemacht wurde. Dem 62-jährigen General Ali Habib Mahmud und dem 78-jährigen Geschäftsmann Mohammed Machluf wird vorgeworfen, an der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung beteiligt zu sein.

Die Militäroffensive ging am Montagabend nach Angaben von Aktivisten weiter. In Hama wurden mindestens zwei Menschen getötet. Dutzende seien verletzt worden. Der heftige Beschuss habe nach den Abendgebeten begonnen. Zuvor hatten Aktivisten bereits von sechs Toten in Hama berichtet.

Clinton nennt Assad-Regime "brutal und bösartig"

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte die jüngste Gewalt der syrischen Regierung gegen das eigene Volk scharf. Die Offensive "unterstreicht erneut die Brutalität und Bösartigkeit" des Regimes von Präsident Baschar al-Assad, sagte sie in Washington. Der Staatschef sorge mit seinem Vorgehen dafür, "dass sein Regime Teil der Vergangenheit ist, während das syrische Volk seine Zukunft selbst bestimmt". Clinton rief die internationale Gemeinschaft auf, sich hinter die Menschen in Syrien zu stellen.

Mit dem jüngsten Vormarsch will das Regime, das seit mehr als vier Monaten durch landesweite Massenproteste bedrängt ist, aus Sicht von Beobachtern wieder die Initiative an sich reißen. Für den Ramadan hatte die Opposition verstärkte Aktivitäten angekündigt.

Eine militärische Intervention ist derzeit aber nicht im Gespräch. Zu groß ist die Furcht vor einem Flächenbrand, vor einem massenhaften Kollaps der Regime in der Region. Auch die deutsche Regierung warnt vor einer solchen Debatte. Die Lage sei eine andere als etwa in Libyen, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, im ARD-"Morgenmagazin". "Bei Libyen hatten wir einen Beschluss der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga - hier haben wir beides oder Vergleichbares nicht. Und hier haben wir eine Konfliktsituation, die das Potential einer sehr großen Ausweitung hat. Deshalb sollte man da sehr, sehr vorsichtig sein."

Zudem habe die syrische Opposition darum gebeten, nicht über militärische Eingriffsmöglichkeiten zu sprechen, um nicht dem Regime in die Hände zu spielen, das behaupte, der Widerstand sei eine von außen gesteuerte Operation, die nicht aus dem Volk komme, sagte Hoyer.

Er rief zu einer breiten internationalen Unterstützung für alle sonstigen Maßnahmen gegen das Regime von Präsident Assad auf. "Alle Maßnahmen haben umso mehr Wirkung, je mehr sich beteiligen." Deutschland beziehe ein Prozent seines Öls aus Syrien. Wenn das gestoppt werde, erziele das "überhaupt keine Wirkung", sagte Hoyer. "Aber wenn das alle machen, und die das Zeug nicht loswerden können, egal wo in der Welt, dann hat das eine große Wirkung."

ffr/AFP/dpa/dapd

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insgesamt 13 Beiträge
Bedie 02.08.2011
Doch vor einem Militäreinsatz schreckt der Westen "noch" zurück. Aber ich bin davon überzeugt, dass dies so verbal in den nächsten Tagen oder Wochen nachgeholt wird. Das übliche Spiel; Vorbereitungen auf den Krieg.
Zitat von sysopDie Eskalation der Gewalt isoliert das Regime von Diktator Assad. Italien hat seinen Botschafter aus Damaskus abberufen, Syriens Verteidigungsminister bekommt Einreiseverbot in der*EU, der Uno-Sicherheitsrat ringt um eine Resolution. Doch vor einem Militäreinsatz schreckt der Westen zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777910,00.html
Doch vor einem Militäreinsatz schreckt der Westen "noch" zurück. Aber ich bin davon überzeugt, dass dies so verbal in den nächsten Tagen oder Wochen nachgeholt wird. Das übliche Spiel; Vorbereitungen auf den Krieg.
drouhy 02.08.2011
bezeichnend, was der Westen in Nahost sich leistet. Zuerst rennt Frau Clinton in jedes Land und zündelt - brennt es dann wirklich, kommt ausser warmer Luft nichts. In Libyen blitzsiegt man seit Monaten dank eigener [...]
Zitat von sysopDie Eskalation der Gewalt isoliert das Regime von Diktator Assad. Italien hat seinen Botschafter aus Damaskus abberufen, Syriens Verteidigungsminister bekommt Einreiseverbot in der*EU, der Uno-Sicherheitsrat ringt um eine Resolution. Doch vor einem Militäreinsatz schreckt der Westen zurück. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777910,00.html
bezeichnend, was der Westen in Nahost sich leistet. Zuerst rennt Frau Clinton in jedes Land und zündelt - brennt es dann wirklich, kommt ausser warmer Luft nichts. In Libyen blitzsiegt man seit Monaten dank eigener Inkonsequenz und erkennt entgegen jedem gesunden Menschenverstand eine Bürgerkriegspartei an, deren wahre Ziele nicht bekannt sind - und, oh je, deren sogenannte, selbsternannte Übergangsregierung sich schon mal die Pässe eines anderen Landes besorgt hat. Und in Syrien badet ein Blutregime letztlich nur aus, was die alten Kolonialmächte mit dem Lineal verbrochen haben, als man quer durch die Bevölkerungsgruppen die Grenzen zog. Noch verlogener wird das Geheule, wenn man bedenkt, dass ein mittelalterliches, feudales Herrscherhaus nicht nur als Finanzier religiöser Fanatiker in den Nachbarländern agiert, sondern unter der Augen des Militärs der Freiheitsmacht Nr.1 eine bürgerliche Revolution im Nachbarland im Blut ersäuft. Mein Mitleid an die Syrer - sie sind nur Spielball anderer Mächte, und ihr Despot weiss, warum er sich sicher fühlen kann. Und die Staaten des Westens sollten vielleicht in Zukunft bedenken, was sie tun - die Flüchtlinge aus solchen Systemen landen in der Regel wo?
Bravofox 02.08.2011
Will da jemand von einem anderen Überfall/Krieg ablenken ? Warum hat eigentlich Italien nicht ihren Botschafter von Moskau ab gezogen ? ( Stichwort: Tschetschenien )
Will da jemand von einem anderen Überfall/Krieg ablenken ? Warum hat eigentlich Italien nicht ihren Botschafter von Moskau ab gezogen ? ( Stichwort: Tschetschenien )
mooringman 02.08.2011
Man stelle sich einmal vor,jemand würde in Syrien das Gleiche,wie in Lybien machen!Der Ölpreis würde explodieren,die Pleitestaaten in Europa und Amerika können es nicht finanzieren und die Finazmärkte würden abstürzen.Was würde [...]
Man stelle sich einmal vor,jemand würde in Syrien das Gleiche,wie in Lybien machen!Der Ölpreis würde explodieren,die Pleitestaaten in Europa und Amerika können es nicht finanzieren und die Finazmärkte würden abstürzen.Was würde denn wohl Saudi Arabien,der Iran und Israel dazu sagen? Also macht man unwirksame Sanktionen,lässt Assad tun ,was er will,und verkauft noch ein paar Waffen in die Gegend!Ist doch vollkommen egal,wieviele Syrier dabei sterben. So ist das nun mal in dieser verrückten Welt mit korrupten und heuchlerischen Politikern! Und in nicht allzu langer Zeit macht Westerwelle,falls er noch im Amt ist,einen Besuch mit Scheck in der Hand in Damaskus zur Förderung der Demokratie bei dem "tollen" Staatsmann Assad,dem Oberdemokraten und Garant für Frieden und Stabilität! PS:Wenn nicht Westerwelle,dann ein anderer deutscher Außenminister......lol.....egal von welcher Partei!
tinosaurus 02.08.2011
Bedenklich finde ich auch die Reaktion der Leser hier im Forum. Sind die meisten bereits so abgestumpft? Was die Anzahl der Opfer angeht, das überaus brutale Vorgehen von Assad, dann ist die halbherzige Reaktion der [...]
Bedenklich finde ich auch die Reaktion der Leser hier im Forum. Sind die meisten bereits so abgestumpft? Was die Anzahl der Opfer angeht, das überaus brutale Vorgehen von Assad, dann ist die halbherzige Reaktion der Weltgemeinschaft nicht nachvollziehbar.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt: Baschar al-Assad

Regierungschef: Adel Safar

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