Protest gegen Karikaturen Iraner attackieren französische Botschaft mit Brandsätzen

Die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt verschärfen sich. Wegen des Nachdrucks der Bilder in der französischen Presse attackierten Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran Frankreichs Botschaft mit Brandsätzen und Steinen.


Teheran/Rabat/Maastricht - Hunderte von Demonstranten durchbrachen den Sicherheitsring um die Botschaft und zerstörten mit Wurfgeschossen mehrere Scheiben, berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP. Den Leuten sei es gelungen, die französische Flagge anzuzünden. In Slogans wünschte die aufgebrachte Menge Frankreich sowie den USA, Großbritannien und Israel den Tod. Auf Bildern der Nachrichtenagentur AP war zu sehen, wie die Teheraner Feuerwehr einen Brand in einem der Botschaftsräume löschte. Ein Großaufgebot der Polizei stellte schließlich die Ordnung wieder her und nahm mehrere Demonstranten fest.

Angegriffene französische Botschaft in Teheran: Die Schäden am Gebäude sind deutlich zu sehen, die Feuerwehr löscht einen Brand
AP

Angegriffene französische Botschaft in Teheran: Die Schäden am Gebäude sind deutlich zu sehen, die Feuerwehr löscht einen Brand

Der ultrakonservative iranische Ajatollah Ahmad Chatami forderte heute zur Fortsetzung der Proteste gegen die Karikaturen auf, sprach sich aber gegen Gewaltaktionen gegen Botschaften aus.

Zugleich stellte der Ajatollah wie bereits zuvor Präsident Mahmud Ahmadinedschad einen Bezug zum Holocaust her. Wenn die Pressefreiheit für die Veröffentlichung der von Muslimen als Frevel empfundenen Karikaturen herhalten müsse, wo bleibe sie dann, wenn es um Äußerungen zum "Holocaust-Märchen" gehe. Dafür würden Menschen im Westen festgenommen.

Nach unbestätigten Berichten will eine einflussreiche iranische Zeitung als Reaktion auf die Mohammed-Zeichnungen bereits am Montag mit dem Abdruck von Holocaust-Karikaturen beginnen.

Das französische Magazin "Charlie Hebdo" hatte am Mittwoch die umstrittenen Mohammed-Karikaturen nachgedruckt, die zuerst in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" erschienen waren. Der französische Premierminister Dominique de Villepin verurteilte die Bilder heute als "nicht verantwortungsvoll".

Proteste in Marokko, Irland und den Niederlanden

In der marokkanischen Hauptstadt Rabat kam es heute ebenfalls zu Protesten gegen die Karikaturen. An einer Demonstration nahmen nach Polizeiangaben 25.000, nach Schätzungen von Beobachtern 10.000 Menschen teil. Demonstranten verbrannten eine dänische Flagge. Auf Spruchbändern forderten sie zum Boykott dänischer Waren auf. Auch mehrere marokkanische Minister, darunter Außenminister Ahmed Tufik, nahmen an dem Protestzug teil.

In Maastricht gingen laut einer Meldung der niederländischen Nachrichtenagentur ANP 150 Jugendliche nordafrikanischer Abstammung auf die Straße und verbrannten eine dänische Fahne. In der irischen Hauptstadt Dublin beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 300 Muslime an einem Demonstrationszug, der an der dänischen Botschaft vorbeiführte.

Gestern hatte Ägypten die jüngsten Ausgaben von SPIEGEL und "Focus" verboten. Die beiden deutschen Nachrichtenmagazine hatten Teile der umstrittenen Karikaturen aus Gründen der Dokumentation des Streits abgedruckt.

har/afp/dpa

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