Protest gegen Mohammed-Video Randalierer schießen auf Polizisten in Afghanistan

Autos brennen, Steine fliegen, Demonstranten schießen auf Polizisten: Erstmals kommt es auch in Afghanistan zu Ausschreitungen wegen des Mohammed-Schmähvideos. Die Regierung in Kabul versucht, die Verbreitung des Films zu verhindern. In anderen Ländern protestieren ebenfalls Tausende.

Protestierende Jungen in Kabul: Gewaltsamer Protest gegen Schmähvideo
REUTERS

Protestierende Jungen in Kabul: Gewaltsamer Protest gegen Schmähvideo


Kabul/Istanbul - In Afghanistan ist es nach mehreren friedlichen Demonstrationen gegen das antiislamische Schmähvideo aus den USA erstmals zu Ausschreitungen gekommen. Rund 500 Demonstranten hätten sich am Montag in der Hauptstadt Kabul versammelt und antiamerikanische Parolen gerufen, teilte die Polizei mit.

Die Lage sei eskaliert, als junge Männer Müllcontainer und Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Den Angaben zufolge ging auch ein Polizeiauto in Flammen auf. Etwa 50 Sicherheitskräfte seien durch Steinwürfe leicht verletzt worden. Zudem sei aus der Menge in Richtung der Polizei geschossen worden.

"Die Demonstranten zündeten Autos und Reifen an, sie riefen 'Tod für Amerika!'", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul SPIEGEL ONLINE. Die Gewalt brach auf der Dschalalabad Road in der Nähe der Camps der internationalen Schutztruppe Isaf aus.

Die afghanische Regierung ist umfassend gegen die Verbreitung des Schmähvideos über den Propheten Mohammed vorgegangen. Sie legte das Internet teilweise lahm, ließ Dienste wie YouTube und Facebook sperren. Dennoch sorgt der Film für große Empörung.

In den vergangenen Tagen löste das Video eine massive Protestwelle in muslimischen Ländern aus. Unter anderem gab es gewaltsame Ausschreitungen in Ägypten, Libyen und Tunesien. Am Sonntag rief auch der Anführer der islamistischen Hisbollah Hassan Nasrallah im Libanon zu Protesten gegen das Schmähvideo auf.

"YouTube darf nicht vom Zorn der Muslime verschont werden"

Der Informationsminister Malaysias hat wegen des umstrittenen Islam-Schmähfilms indirekt Aktionen gegen den Videokanal YouTube und dessen Mutterkonzern Google gutgeheißen. "Der Besitzer von YouTube verdient es nicht, vor dem Zorn der Muslime oder dem langen Arm des Gesetzes bewahrt zu werden", sagte Rais Yatim in einer schriftlichen Erklärung, die die staatliche malaysische Nachrichtenagentur Bernama am Montag veröffentlichte. Gut 60 Prozent der Einwohner Malaysias sind Muslime.

Yatim warf YouTube mangelnde Sensibilität vor, weil der Dienst die Verbreitung des Films, in dem der Prophet Mohammed als Gewalttäter, Frauenheld und Kinderschänder verunglimpft wird, nicht stoppt. "YouTube nimmt den Tumult, den es ausgelöst hat, gar nicht wahr", schimpfte der Minister. Google hatte den Zugang zu dem Video in Malaysia nach Beschwerden der dortigen Medienkommission am Sonntag blockiert.

In weiteren muslimischen Ländern kam es zu neuen Protesten:

  • In Indonesien gab es am Montag neue Demonstrationen in mehreren Städten. Die Proteste in Medan und Bandung verliefen zunächst friedlich. Auch in der Hauptstadt Jakarta war eine Protestaktion geplant. Die US-Botschaft teilte in einer Erklärung an amerikanische Staatsbürger in Indonesien mit, es würden etwa 1000 Demonstranten vor der Vertretung erwartet. Rund 1500 Polizisten seien vor Ort. Am Wochenende hatten in der Stadt Solo auf Java Demonstranten mehrere Filialen von US-Schnellrestaurants gestürmt, die daraufhin geschlossen wurden.
  • Selbst in Saudi-Arabien gab es trotz eines offiziellen Demonstrationsverbots kleinere Aktionen gegen das Schmähvideo. Teilnehmer der Protestaktionen in der Stadt Buraida veröffentlichten am Montag Videoaufnahmen von Kundgebungen, die am Wochenende stattgefunden haben sollen. Die Demonstranten rufen: "Wir wollen Amerika nicht!" In Saudi-Arabien sind Demonstrationen verboten. Seit Beginn des Arabischen Frühlings hatten vereinzelt Schiiten in der Ostprovinz gegen das Königshaus protestiert.
  • In Pakistan hat es bei landesweiten Protesten gegen den Film mehrere Verletzte gegeben. In der Hafenstadt Karatschi schoss die Polizei am Sonntag vor dem US-Konsulat in die Luft und ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa tausend Demonstranten vor. Nach amtlichen Angaben wurden mindestens acht Menschen verletzt, außerdem gab es 20 Festnahmen.

fab/dpa/AFP/Shoib Najafizada

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
row4x5 17.09.2012
1. Ein Problem, eine Lösung!
Anstatt in peinlichster Weise das Grundgesetz mit Füßen zu treten und als Duckmäuser negativ aufzufallen, sollten deutsche Politiker sich vielleicht der Geschichte erinnern und die Meinunsfreiheit verteidigen. Wenn sich Muslime in ANDEREN Ländern über westliche 'Freiheit' aufregen, sollte das wohl eher deren Problem sein anstatt das westliche Politiker einknicken und beginnen das grundgesetz zu beschneiden und Freiheiten in der BRD einzuschränken. Malaysia kann ja einfach die Verbindung zu westlichen Servern kappen!
Hermes75 17.09.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSAutos brennen, Steine fliegen, Demonstranten schießen auf Polizisten: Erstmals kommt es auch in Afghanistan zu Ausschreitungen wegen des Mohammed-Schmähvideos. Die Regierung in Kabul versucht, die Verbreitung des Films zu verhindern. In anderen Ländern protestieren ebenfalls Tausende. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856192,00.html
Irgendwie kommt mir der Gedanke, dass das Internet vielleicht die moslemische Welt überfordert. Vielleicht sollten sich Google überlegen wirklich auf den malayischen Minister zu hören und seine Dienste für alle Länder in denen es derzeit gewalttätige Ausschreitungen gegen dieses Video gibt einfach mal sperren. Am besten sollten alle großen Internet-Provider mitmachen und diese Länder einfach mal vom Netz abkoppeln - mal sehen wie schnell die wieder zur Besinnung kommen...
deccpqcc 17.09.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSAutos brennen, Steine fliegen, Demonstranten schießen auf Polizisten: Erstmals kommt es auch in Afghanistan zu Ausschreitungen wegen des Mohammed-Schmähvideos. Die Regierung in Kabul versucht, die Verbreitung des Films zu verhindern. In anderen Ländern protestieren ebenfalls Tausende. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,856192,00.html
als ob diese religiösen spinner irgendeinen film bräuchten um auszuflippen. denen gefällt unser ganzes leben nicht. frauen die ohne kopftuch aus dem haus gehen, männer ohne bärte, schweinefleisch essen, bier trinken, musik, tanzen .... alles und jedes beleidigt ihren propheten. es ist zeit zu sagen: wie wir hier in europa leben geht euch nichts an ! eure religiösen gebote haben für uns keine gültigkeit !
waldschrat75 17.09.2012
4. optional
Man sollte ihnen vielleicht noch mehr als nur das Internet sperren. Was könnten wir in Deutschland mit dem vielen Geld, das wir in viele dieser Länder als sogenannte "Entwicklungshilfe" überweisen, alles sinnvolles und vor allem zu unserem eigenen Wohle machen. Sollen sie doch selber schauen, wie sie klar kommen. An Freizeit und Arbeitskraft scheint es dort bei all den randalierenden Faulenzern nicht zu mangeln.
funthomas 17.09.2012
5. .
Zitat von deccpqccals ob diese religiösen spinner irgendeinen film bräuchten um auszuflippen. denen gefällt unser ganzes leben nicht. frauen die ohne kopftuch aus dem haus gehen, männer ohne bärte, schweinefleisch essen, bier trinken, musik, tanzen .... alles und jedes beleidigt ihren propheten. es ist zeit zu sagen: wie wir hier in europa leben geht euch nichts an ! eure religiösen gebote haben für uns keine gültigkeit !
Vielleicht sollten wir schonmal darauf verzichten in der Oeffentlichkeit Schweinefleisch zu essen, noch bevor sich Strenglaeubige davon provoziert fuehlen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.