Teheran - Vielleicht ist es nur eine verbale Drohung. Möglicherweise berät die Führung in Teheran jedoch tatsächlich über gravierende Schritte gegenüber den westlichen Staaten: Laut dem Sprecher des iranischen Außenamtes, Hassan Ghaschgawi, schließt Iran die Ausweisung europäischer Diplomaten nicht aus. Der Westen unterstütze die "Randalierer" bei den Straßenprotesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl. "Die Unterstützung von Anarchie und Vandalismus durch westliche Mächte und Medien ist in keiner Weise hinnehmbar", sagte Ghaschgawi am Montag in Teheran.
Über die drastische Maßnahme der Ausweisung werde derzeit in seinem Haus sowie im Parlament beraten. Außenminister Manutschehr Mottaki werde deswegen im Laufe des Tages mit dem zuständigen Parlamentsausschuss sprechen.
Die Bundesregierung hat den iranischen Botschafter in Berlin bereits zur "Erläuterung" der Aussagen über die künftigen Beziehungen in das Auswärtige Amt "eingeladen". Das sagte der Ministeriumssprecher am Montag in Berlin. Der Botschafter wurde allerdings nicht einbestellt. Der AA-Sprecher sagte außerdem, auch die Regierungen in Paris und London würden von den jeweiligen Botschaftern "Erläuterungen" fordern.
Der Westen wartet bisher vergeblich auf die iranische Antwort auf die Einladung zum G-8-Außenministertreffen. Das Treffen findet am kommenden Freitag und Samstag im italienischen Triest statt. Sollte im Lauf des Montags keine Antwort kommen, werde dies als Ablehnung der Einladung betrachtet, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA Außenminister Franco Frattini. Italien hat Iran zu den Beratungen eingeladen, weil Teheran eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung Afghanistans und Pakistans spielen könnte. Auch angesichts der Demonstrationen und Unruhen hielt Rom die Einladung bisher aufrecht.
Die iranische Regierung bezeichnet die Wiederwahl des ultrakonservativen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad als innere Angelegenheit und hat sich jeglichen Kommentar des Westens verbeten. Parlamentspräsident Ali Laridschani hatte am Sonntag eine Überprüfung der Beziehungen vor allem zu Großbritannien, Deutschland und Frankreich gefordert, den drei Staaten, die im Streit um das iranische Atomprogramm die Verhandlungen für die EU führen.
Die drei europäischen Regierungen haben sich hinter die iranische Opposition gestellt, die eine Wiederholung der Präsidentenwahl verlangt, und Demonstrationsfreiheit gefordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Neuauszählung der Wahlzettel verlangt.
Ghaschgawi beschuldigte zudem die europäischen Medien, sie würden ihren Regierungen bei "der Unterstützung des Anarchismus" behilflich sein. Die Behörden haben die Möglichkeit ausländischer Berichterstatter stark eingeschränkt. Eine unabhängige Berichterstattung aus Iran ist daher derzeit nicht möglich.
Westliche Länder hatten bereits am Sonntag Vorwürfe der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans zurückgewiesen und das Land aufgefordert, friedliche Proteste zuzulassen und ein faires Wahlergebnis sicherzustellen. Ausländische Mächte hätten keinen Anteil an den gewaltsamen Protesten, die nach der Präsidentenwahl in der Islamischen Republik ausgebrochen waren, sagte der britische Außenminister David Miliband.
Außenamtssprecher Ghaschgawi monierte zudem, bei Protesten im Ausland seien diplomatische Vertretungen seines Landes beschädigt worden, darunter auch in Deutschland. "Wir glauben nicht, dass jemand ohne vorherige Unterrichtung der Regierung und der Polizei ein diplomatisches Zentrum angreifen kann."
Die Proteste in Teheran werden am Montag aller Voraussicht nach weitergehen. Oppositionskandidat Hossein Mussawi rief am Sonntagabend seine Anhänger zur Fortsetzung auf. Angesichts des forderte er jedoch zur Zurückhaltung bei Demonstrationen gegen die umstrittene Wiederwahl von Ahmadinedschad auf. "Es ist euer Recht, gegen Lügen und Betrug zu protestieren, aber ihr solltet immer Zurückhaltung üben", heißt es in einer auf Mussawis Internetseite verbreiteten Erklärung.
Auch am Sonntagabend berichteten Augenzeugen wieder von Schüssen, die aus mehreren Teilen der iranischen Hauptstadt zu hören gewesen seien. In Sprechchören sollen Gegner des ultrakonservativen Präsidenten immer wieder "Allah ist groß" und Mussawis Namen gerufen haben. Auch "Tod dem Diktator" sei immer wieder zu hören gewesen. Einzelheiten - etwa über mögliche weitere Opfer - waren zunächst nicht in Erfahrung zu bringen, weil die iranische Regierung die Berichterstattung auch der ausländischen Medien immer weiter eingeschränkt hat. Auch am Sonntag wurden wieder Journalisten festgenommen oder des Landes verwiesen.
Die Konfrontation zwischen beiden Lagern hatte sich weiter zugespitzt, als sich der oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, am Freitag eindeutig hinter Ahmadinedschad gestellt und Wahlfälschung in großem Stil ausgeschlossen hatte.

ler/dpa/Reuters/AP
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