Protest gegen Staats- und Regierungschefs: Kopenhagen-Fiasko entsetzt Umweltschützer

Aus Kopenhagen berichtet Gerald Traufetter

"Floppenhagen! Brokenhagen!" Umweltschützer und Hilfsorganisationen sind vom Uno-Gipfel enttäuscht. Der vorgeschlagene Mini-Kompromiss der 30 führenden Staaten empört sie maßlos - für die ärmsten Länder der Welt sei das "eine Katastrophe", die Millionen Menschen das Leben kosten könnte.

Forscher Lomborg: "Mit leeren Händen nach Hause zu fahren, wäre besser gewesen"Zur Großansicht
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Forscher Lomborg: "Mit leeren Händen nach Hause zu fahren, wäre besser gewesen"

Kopenhagen - Umweltschützer haben den Uno-Klimagipfel in Kopenhagen als Fehlschlag kritisiert. "Der Gegensatz zwischen der Klimarhetorik und den tatsächlichen Beschlüssen kann Millionen Menschen das Leben kosten", sagte der Vorsitzende des internationalen Umweltverbands WWF, Kim Carstensen, am Freitagabend, nachdem US-Präsident Barack Obama den Entwurf eines Mini-Kompromisses mit den Entwicklungs- und Schwellenländern vorgestellt hatte. Er kritisierte vor allem das weitgehende Fehlen konkreter Verpflichtungen in der Übereinkunft, die von einer Gruppe von rund 30 Staaten getragen wurde.

"Sie gibt uns keine aktuellen Reduktionsziele, und sie ist nicht rechtlich verbindlich. Ich spreche über einen Nicht-Vertrag, der nicht fair ist, der nicht annähernd an das herankommt, was vorher in Aussicht gestellt wurde", sagte Carstensen und ergänzte im Hinblick auf einen neuen Klimagipfel in Mexiko-Stadt in einem Jahr in Mexiko-Stadt: "Hoffentlich wird Mexiko besser vermitteln können zwischen Nord und Süd als Dänemark."

"Wir haben die Angebote durchgerechnet, die von den Staaten heute Nacht in Kopenhagen auf den Tisch gelegt worden sind. Danach kommen wir auf eine Temperaturerhöhung von mindestens 3,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter", sagte Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, zu SPIEGEL ONLINE.

Er nannte die politische Absichtserklärung der 30 Staaten "einen tragischen Triumph für uns Wissenschaftler". Erstmals habe die Politik das empfohlene Zwei-Grad-Ziel akzeptiert. Doch sei noch überhaupt nicht sichergestellt, ob "wir einen rechtlich verbindlichen Vertrag bekommen, der uns vor dem Absaufen bewahrt. Die Staaten haben sich darauf verständigt, im Jahre 2015 ihre Ziele nochmals zu überarbeiten. Bis dahin haben wir aber bereits weitere 200 Gigatonnen Treibhausgas in die Erdatmosphäre ausgestoßen".


"Präsident Barack Obama war zumindest ehrlich genug und hat zugegeben, dass es noch eine riesige Lücke in der Absichtserklärung gibt", sagte Schellnhuber. Unabhängig davon, ob ein verbindlicher Vertrag zustande kommt, könnten Bürger, Industrie und Staaten damit anfangen, Energie zu sparen und neue Techniken einzuführen, mit denen der Ausstoß von Treibhausgasen begrenzt wird.

Antonio Hill, Klimaexperte der Hilfsorganisation Oxfam, bemängelte, dass das Kompromisspapier kein verbindliches Datum habe, bis wann ein rechtsgültiger Vertrag unterzeichnet sein muss. "Aber die Entwicklungsländer hatten keine Chance. Wären sie abgereist, hätten sie überhaupt nichts bekommen." Die Absichtserklärung erzeuge in den Entwicklungsländern viel Frustration und Wut.


Mohammed Adow, Sprecher der Organisation Christian Aid, fand nur zwei Worte für Kopenhagen: "Floppenhagen! Brokenhagen!"

Die Umweltorganisation Greenpeace sprach von einem "ernüchternden" Kompromisspapier. "Kopenhagen ist der Tatort, von dem schuldige Männer und Frauen zum Flughafen fliehen. Es gibt keine Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen und keine Vereinbarung über einen rechtlich verbindlichen Vertrag", sagte der britische Greenpeace-Geschäftsführer John Sauven.

Der politische Chef von Germanwatch, Christoph Bals, sagte: "Die Substanz ist erbärmlich schwach." Die Staatschefs sollten gleich einen neuen Termin vereinbaren.

"Mit leeren Händen nach Hause zu fahren, wäre besser gewesen"

"Die internationale Klimapolitik steht vor einem Scherbenhaufen", kritisierte das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt". "Viel zu lange haben Bundesregierung und EU taktiert, um die Kosten niedrig zu halten", sagte Direktorin Cornelia Füllkrug-Weitzel.

Der Kompromissplan der 30 Staaten sei nichts anderes als der Versuch der führenden Politiker, ihr Gesicht zu wahren, sagte Bjørn Lomborg, Direktor des Copenhagen Consensus Center. "Mit leeren Händen nach Hause zu fahren, wäre besser gewesen, als einen inhaltslosen Vertrag zu unterzeichnen. Die Strategie scheint zu sein, dass wir für das nächste Jahrzehnt schlicht die Daumen drücken - nach 17 Jahren vergeblicher Versuche, die CO2-Emissionen zu kappen."

Durch ihre Verzögerungstaktik hätten die Industriestaaten "Millionen Menschen zu Hunger, Leid und Tod verurteilt, während sich der Klimawandel beschleunigt", sagte der Vorsitzende des Umweltverbands Friends of the Earth International, Nnimmo Bassey. Das alles sei "eine Katastrophe für die ärmsten Länder".

Mit Material von AFP und dpa

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insgesamt 1784 Beiträge
petsche 19.12.2009
Wiso Fiasko ?? Die Machtkaempfe starten schon in der Familie . Einigen werden sich die Familienmitglieder nur dann wenn es etwas von anderen Familien zu holen gibt. Die Idee dass es bei Staaten anders sein sollte ist Bloedsinnig. [...]
Wiso Fiasko ?? Die Machtkaempfe starten schon in der Familie . Einigen werden sich die Familienmitglieder nur dann wenn es etwas von anderen Familien zu holen gibt. Die Idee dass es bei Staaten anders sein sollte ist Bloedsinnig. Rausgeschmissenes Geld fur nutzloses politisches Geschwaetz. Die Schwesterwelle faselte von einer sich selbsttragenden Sicherheit. Ich schwafele mal von grosser Voelkerfreundschaft und "besonderer Freundschaft " zu einem der vielen Voelker.
Suppenkoch 19.12.2009
Mal ganz ehrlich: gibt es überhaupt irgend jemanden, der einen anderen Ausgang dieses "Gipfels" erwartet hat? Alle sind so überrascht, dabei war es doch von Anfang an klar, dass die USA sich nicht einschränken werden und [...]
Mal ganz ehrlich: gibt es überhaupt irgend jemanden, der einen anderen Ausgang dieses "Gipfels" erwartet hat? Alle sind so überrascht, dabei war es doch von Anfang an klar, dass die USA sich nicht einschränken werden und die Chinesen ebenfalls nicht. Damit haben wir die größten Verursacher und beide wollen sich nicht ändern. Also...
winterstein 19.12.2009
ich würde sagen wir kümmern uns um andere sachen, wie z.b. die weiterhin anhaltende ausnutzung diverser entwicklungsländer durch die industriestaaten oder evt. sogar um den hunger in der welt. es ist schon toll, dass sich [...]
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
ich würde sagen wir kümmern uns um andere sachen, wie z.b. die weiterhin anhaltende ausnutzung diverser entwicklungsländer durch die industriestaaten oder evt. sogar um den hunger in der welt. es ist schon toll, dass sich die westliche welt dermaßen im klimaschutz engagiert, wobei eben diese am wenigsten unter dem klimawandel leiden werden (ja, ich weiß über die zu erwartenden klima-flüchtlingsströme und die gigantischen versicherungszahlungen aufgrund verstärkter winterstürme bescheid)! ...und wir haben doch wirklich geld genug um die paar leute aus der norddeutschen tiefebene nach meck-pomm umzusiedeln. is vielleicht gar nicht verkehrt. nach wenig-wasser-benötigenden feldpflanzen wird auch schon efolgreich geforscht)! natürlich betreibe ich hier ganz gräßliche polemik... oder ist es vielleicht populismus? oder gar stammtischgeschwätz! wie auch immer! damit bin ich ich nicht alleine! wir werden alle veräppelt und von tatsächlichen problemen abgelenkt! grüße
Jamesteakirk 19.12.2009
Vielleicht sehen wir die Sache in wenigen Jahrzehnten ganz anders. Ich habe bis vor kurzem an die Erderwärmung geglaubt. Wenn ich jedoch sehe, wie totalitär die Klimahysteriker wie Al Gore und Konsorten vorgehen, wie seriöse [...]
Vielleicht sehen wir die Sache in wenigen Jahrzehnten ganz anders. Ich habe bis vor kurzem an die Erderwärmung geglaubt. Wenn ich jedoch sehe, wie totalitär die Klimahysteriker wie Al Gore und Konsorten vorgehen, wie seriöse Kritik diffamiert und diskreditiert wird, dann bekomme ich ernsthafte Zweifel an dem ganzen Brimborium. Ich halte es durchaus für möglich, daß wir die Sache in ein paar Jahren viel entspannter sehen. Aus tiefenpsychologischer Sicht ergibt sich schon allein aus der Hysterie, dem Gutmenschentum und ähnlichen Begleiterscheinungen zwingend, daß hier etwas nicht stimmt und manipuliert wird. Ich habe gerade heute gelesen, wie seriöse und differenzierte Kritiker wie Björn Lomborg angefeindet und verleumdet werden. Es gibt einen Klima-Business. Ähnlich auch anderen Businessen bei politisch-korrekt besetzten Themen. So darf man beispielsweise auf keinen Fall die "Natürlichkeit" der Homo- und Transsexualität infrage stellen, weil dies angeblich eine Diskriminierung darstellt. Hier werden zwei Fragen verknüpft, die nicht zusammengehören, um unangenehme Erklärungsmöglichkeiten zu beseitigen. Ebenso vergeht man sich an der Menschheit und ist ein Verbrecher, wenn man die Klimahysterie infrage stellt.
mot2 19.12.2009
Aufwachen, Augen reiben und nachdenken! zum Grusse
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
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  • Samstag, 19.12.2009 – 02:34 Uhr
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Der Kopenhagener Klimagipfel ist mit einem unverbindlichen Abkommen zu Ende gegangen. Hätte man den Gipfel lieber scheitern lassen sollen?

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Kernpunkte der Kopenhagener Vereinbarung
Der weltweite Ausstoß klimaschädigender Gase muss drastisch gesenkt werden. Die Emissionen sollen soweit gedrosselt werden, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius beschränkt bleibt.
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Jeder Mensch trägt täglich weiter zur Erderwärmung bei - mit Steak-Konsum, Flügen nach Mallorca und der Autofahrt ins Büro. Kennen Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz? Finden Sie es heraus im Klima-Quiz von SPIEGEL ONLINE.
Wer wie viel CO2 reduzieren will
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.




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