Proteste gegen Präsident Mursi: Ausländer flüchten vor Gewalt in Ägypten

Flucht vor blutigen Demonstrationen: Raus aus Ägypten Fotos
DPA

Wegen der blutigen Straßenschlachten mit drei Toten wollen viele Ausländer Ägypten verlassen. Der Flughafen in Kairo ist völlig überlaufen, sämtliche Flüge sind ausgebucht. US-Präsident Obama fordert ein Ende der Gewalt.

Kairo - Die Warnungen sind deutlich: Wer kann, solle auf Reisen nach Ägypten verzichten, heißt es beim US-Außenministerium. Und das Auswärtige Amt rät deutschen Staatsbürgern in dem nordafrikanischen Land nachdrücklich, Großdemonstrationen weiträumig zu meiden und besonders vorsichtig zu sein.

Denn seit Freitag protestieren Zehntausende Ägypter gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Dabei starben bisher drei Menschen, mindestens 130 weitere wurden verletzt. Unter den Todesopfern ist auch ein US-Bürger. Wie die "New York Times" online berichtete, hat der 21 Jahre alte Student Andrew P. als Praktikant bei der Organisation Amideast in Ägypten Kindern Englisch beigebracht und zugleich Arabisch gelernt. Er wurde in Alexandria mit einem großen Messer erstochen.

An dem internationalen Flughafen in Kairo sind sämtliche Flüge nach Europa ausgebucht, zahlreiche Ausländer verlassen wegen der Sicherheitslage das Land. Das sagte die Mitarbeiterin einer Airline am Flughafen Kairo SPIEGEL ONLINE. Viele internationale Firmen in Ägypten schicken demnach die Familien ihrer Mitarbeiter ins Ausland.

An den internationalen Schulen haben zwar vor kurzem die Ferien begonnen. Nach Angaben der Fluggesellschaftsmitarbeiterin seien am Samstag jedoch deutlich mehr Passagiere am Flughafen, als selbst zu dieser Reisezeit normal sei. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Sicherheitskreise meldet, sind auch alle Flüge in die USA und in die Golfstaaten ausgebucht.

"Das ägyptische Volk muss seinen Weg finden"

Grund für die Auseinandersetzungen im Land ist das einjährige Regierungsjubiläum von Präsident Mursi, der 2012 bei der ersten freien Präsidentschaftswahlmit knapper Mehrheit gewählt worden war. Eine Protestbewegung will am Sonntag, dem Jahrestag seiner Vereidigung, mehr als 20 Millionen Unterschriften von Bürgern übergeben, die seine Absetzung und Neuwahlen fordern.

Die islamistische Führung des Landes lehnt dies ab. Die Muslimbruderschaft - aus der Mursi stammt - macht "Schläger und Kriminelle" für die jüngste Gewalt verantwortlich. Sie seien vom alten Regime unter dem Deckmantel einiger Oppositionsgruppen angeheuert worden, um Unruhe zu stiften, erklärten die Islamisten.

US-Präsident Barack Obama rief die ägyptischen Behörden auf, für die Sicherheit der amerikanischen Botschaft und der Konsulate zu sorgen. Demonstranten und Sicherheitskräfte sollten Zurückhaltung üben und der Gewalt abschwören. "Wir unterstützen friedliche Proteste und friedliche Methoden, im Land Wandel zu schaffen", sagte Obama nach einem Gespräch mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in Pretoria. Obama will in dem Konflikt allerdings eigenen Angaben zufolge keine Partei ergreifen. "Das ägyptische Volk muss seinen Weg finden."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, Ägypten erlebe eine "absolut wichtige Stunde der Bewährung".

aar/puz/dpa

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1.
Atheist_Crusader 29.06.2013
Zitat von sysopObama will in dem Konflikt allerdings eigenen Angaben zufolge keine Partei ergreifen. "Das ägyptische Volk muss seinen Weg finden."
Was denn, ist es noch etwas zu früh, rote Linien zu ziehen Aber in dem Punkt hat er Recht: die Ägypter werden ihren Weg finden. Das beherrschen selbst Kugeln. Gut, deren Weg führt immer bergab. Schauen wir mal, wohin die Ägypter ihrer führt.
2. Und was genau
dubitans 29.06.2013
ist der Fortschritt gegenüber Mubarak (der außerdem ein guter Partner Israels war)?
3. Bravo!
tjivi 29.06.2013
Wenigstens hier will Obama nicht mitmischen. Er erkennt wohl auch, dass die Demonstranten nicht nur friedliche Demokraten sind. In einer Demokrtie wird verhandelt. Man hätte erst Gesprächen zustimmen sollen. Jetzt tragen alle Ägypter den Schaden. Gewalt und wirtschaftliche Not.
4.
enni3 29.06.2013
Zitat von sysopWegen der blutigen Straßenschlachten mit drei Toten wollen viele Ausländer Ägypten verlassen. Der Flughafen in Kairo ist völlig überlaufen, sämtliche Flüge sind ausgebucht. US-Präsident Obama fordert ein Ende der Gewalt. Proteste gegen Präsident Mursi: Ausländer fliehen aus Ägypten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/proteste-gegen-praesident-mursi-auslaender-fliehen-aus-aegypten-a-908527.html)
Ich weiß nicht. Momentan bin ich sehr hin- und hergerissen. Eigentlich wäre es angebracht eine offizielle Reisewarnung auszusprechen, was Urlaubern ermöglicht von der Reise zurückzutreten. Denn wenn Ägyptens zweitwichtigster Wirtschaftfaktor wegbricht kann das vielleicht zu einem Umdenken führen. Wobei natürlich die Probleme ob der aktuellen Lage der Beschäftigten im Tourismussektor schon jetzt unübersehbar sind. Andererseits hab ich mit diesem Land soviele positive und weltoffene Erfahrungen gemacht (private Einladungen, Einladung zu einer islamischen Verlobungsfeier im "Slum", etc.), dass ich den Menschen dort wünsche, dass gerade dieser Teil der Völkerverständigung nicht verschwindet. Arrogante westliche Touristen, die sich nur innerhalb der Urlaubsresorts bewegen und sich beschweren, wenn Ihnen echte Einheimische begegnen haben die Ägyper quasi umsonst. Aber etwa 20% leben vom Tourismus. Genau diese Leute gehen auch auf die Barrikaden, zum größten Teil jedenfalls. Sie wissen um den Eindruck der trotteligen westlichen Touristen, die sich verhalten wie der Elefant im Porzelanladen, die bei vielen Ägypter berechtigterweise Antipathien erzeugen. Sie wissen aber auch, dass sie diese brauchen. Diese Arroganz, ob politisch oder von Touristen, erzeugt in Ländern wie Ägypten einen Nährboden, auf dem religiöser und nationaler Fanatismus gedeihen können. Das Gefühl "minderwertig" zu sein, dass ihnen in jeder Art und Weise vermittelt wird, erzeugt zwangsläufig eine Gegenreaktion. Die war vorgegeben als man sich mit der Regierung Mursi sozusagen vom Westen abwandte. Jetzt müssen wir zusehen, was passieren wird. Jedenfalls haben wir mit irgendwelchen momentanen Äußerungen keinen Einfluss darauf. Nichts kann den Eindruck der westlichen Arroganz, die wir über 200 Jahre, ob als Kolonialmacht, Schutzmacht oder Tourist, da hinterlassen haben von heute auf morgen tilgen.
5. nee
dadanchali 29.06.2013
Zitat von sysopWegen der blutigen Straßenschlachten mit drei Toten wollen viele Ausländer Ägypten verlassen. Der Flughafen in Kairo ist völlig überlaufen, sämtliche Flüge sind ausgebucht. US-Präsident Obama fordert ein Ende der Gewalt. Proteste gegen Präsident Mursi: Ausländer fliehen aus Ägypten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/proteste-gegen-praesident-mursi-auslaender-fliehen-aus-aegypten-a-908527.html)
Das ist das Ergebnis wenn man fanatischen religiösen Spinnern politische Macht gibt. Solange die Fraktionen derjenigen die sich einen Götzen bauen dies privat belassen ist es OK, nennt sich Religionsfreiheit. Wenn diese Religionen aber nach politischer Macht streben, nicht nur der Islam, dann heißt das mit blutiger Konsequenz, Ausgrenzung, Hetze und Verfolgung. Das nennt man einen Kausalschluss.
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Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Adli Mansur (interimistisch)

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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