Proteste in Ägypten Toter bei Angriff auf Zentrale der Muslimbrüder

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen die Machtausweitung von Präsident Mursi ist ein Mensch bei Ausschreitungen in Ägypten ums Leben gekommen: Bei einem Angriff auf das Hauptquartier der Muslimbruderschaft wurde ein 15-Jähriger getötet.

Protestierender in Kairo: Straßenschlachten zwischen Polizei und Muslimbruderschaft
REUTERS

Protestierender in Kairo: Straßenschlachten zwischen Polizei und Muslimbruderschaft


Kairo - Bei einem Angriff auf das Hauptquartier der Muslimbruderschaft ist in Ägypten ein 15-Jähriger getötet worden. Es ist der erste Tote sei Beginn der Proteste gegen die Machtausweitung von Präsident Mohammed Mursi in Ägypten. Nach Agenturberichten wurden mindestens 40 Menschen verletzt.

Das Hauptbüro befindet sich in der Stadt Damanhur im Nildelta. Ein junger Mann wurde getötet, nachdem Gegner Mursis das Hauptquartier der Muslimbruderschaft in Damanhur angriffen hätten, berichtete ein Augenzeuge. Ob es sich hierbei um einen Angreifer handelt, ist unklar.

Laut Nachrichtenagentur AP, die sich auf Sicherheitsbehörden beruft, gab es Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hingegen, dass das Hauptquartier der Muslimbruderschaft angegriffen wurde - die Polizei sei hierbei aber nicht vor Ort gewesen.

Der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangene Präsident hatte sich am Donnerstag weitreichende Vollmachten gegeben. Unter anderem stellte er sich über die Justiz und bestimmte, dass die von Islamisten dominierte verfassunggebende Versammlung und das Oberhaus gerichtlich nicht aufgelöst werden dürfen.

Seitdem droht dem Land die Spaltung: Zahlreiche Richter traten in den Streik, die Journalistengewerkschaft rief zum Generalstreik auf, während Anhänger und Gegner Mursis ihre Demonstrationen fortsetzten. Für Dienstag riefen beide Lager zu Massenkundgebungen in Kairo auf.

Mursi ruft zu einem "demokratischen Dialog" auf

Angesichts der Tumulte bemühte sich Mursi am Sonntag um eine Entschärfung der Situation. In einer Erklärung bekräftigte der Präsident, dass die umstrittenen Dekrete nur vorübergehend gültig seien. Sie seien notwendig gewesen, um das Ende zweier "demokratisch gewählter Institutionen" zu verhindern und endeten mit der Wahl eines neuen Parlaments. Gleichzeitig rief Mursi alle politischen Kräfte zu einem "demokratischen Dialog" auf, um einen "nationalen Konsens" zur künftigen Verfassung zu finden.

Auch in Kairo und der Provinz Baheira kam es am Sonntag erneut zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Gegnern der Muslimbruderschaft. Allein auf dem Kairoer Tahrir-Platz protestierten mindestens 5000 Menschen gegen den Kurs des islamistischen Präsidenten.

Tausende Islamisten versammelten sich am Abend in mehreren Städten Ägyptens zu Solidaritätskundgebungen für Mursi. An den Demonstrationen nahmen nicht nur Angehörige der Muslimbruderschaft teil, sondern auch Anhänger der radikalislamischen Salafisten-Bewegung.

ulz/lei/Reuters/AP/AFP



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insgesamt 2 Beiträge
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mundi 25.11.2012
1. Traurig
Zitat von sysopREUTERSErstmals seit Beginn der Proteste gegen die Machtausweitung von Präsident Mursi ist ein Mensch bei Ausschreitungen in Ägypten ums Leben gekommen: Bei einem Angriff auf das Hauptquartier der Muslimbruderschaft wurde ein 15-Jähriger getötet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/proteste-in-aegypten-angriff-auf-zentrale-der-muslimbrueder-a-869236.html
Es ist sehr traurig, dass das stolze und liebenswerte Volk der Ägypter nicht zur Ruhe kommt.
Ezer 26.11.2012
2. der zweite Versuch der totalen Machtuebernahme
innerhalb von sieben Monaten. Man sollte zaehlen wie viele Oppositionspolitiker noch in Aegypten und auf freiem Fuss sind nach diesem Wochenende. Mursi mit Obamas Segen wird nicht locker lassen bis er die totale Macht hat und dann wird er fuer den Endsieg ueber Israel kaempfen. Sofort alle Finanzhilfen sperren.
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