Proteste in Ägypten Bloggerin berichtet von Martyrium nach Festnahme

Zwölf Stunden war sie in Haft, jetzt prangert die ägyptische Journalistin Mona Eltahawy die brutalen Methoden der Sicherheitskräfte an. Via Internet und Fernsehen berichtet die prominente Bloggerin, dass sie sexuell belästigt und geschlagen worden sei: "Die Polizisten benahmen sich wie Tiere".

Bloggerin Eltahawy: Zwölf Stunden "Martyrium" in ägyptischer Haft
AP

Bloggerin Eltahawy: Zwölf Stunden "Martyrium" in ägyptischer Haft

Aus Kairo berichtet


Kairo - Sie soll aus der skandierenden Menschenmenge gezerrt, brutal geschlagen und massiv sexuell belästigt worden sein. Jetzt erhebt die landesweit bekannte ägyptische Bloggerin Mona Eltahawy schwere Vorwürfe gegen die Behörden.

Nach ihren eigenen Angaben wurde die junge Frau in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag von Sicherheitskräften festgenommen. Was dann geschah, ähnelte laut Eltahawy einem regelrechten Martyrium.

Erschreckende Details über die Stunden im ägyptischen Knast veröffentlichte die Journalistin, die auch für westliche Zeitungen wie den britischen "Guardian" und den kanadischen "Toronto Star" aus Ägypten berichtet, über ihren Twitter-Account.

Demnach wurde sie nahe der American University direkt am Tahrir-Platz festgenommen und ins nahegelegene Innenministerium gezerrt. Dort soll eine Gruppe von Sicherheitskräften sie sexuell belästigt haben. In einem Tweet nach ihrer Freilassung berichtet Eltahawy, die Männer hätten ihr an die Brüste und in die Hose gefasst. Zudem sei sie während der Inhaftierung geschlagen worden.

Dem US-Sender CNN gegenüber schilderte die Journalistin ihre Stunden in Haft. Die Behörden würden Misshandlungen gezielt einsetzen, um demonstrierende ägyptische Frauen einzuschüchtern, sagte sie in einem Interview. Am Donnerstagabend äußerte sich Eltahaway erneut auf CNN. Während der Tortur sei ihr der linke Arm und die rechte Hand gebrochen worden. "Die Sicherheitskräfte waren uniformierte Beamte der Bereitschaftspolizei, bewaffnet mit langen Schlagstöcken", sagte sie dem Sender per Telefon. "Sie haben sich benommen wie Tiere", so die junge Frau. Erst als die Polizisten realisiert hätten, dass sie neben der ägyptischen auch die amerikanische Staatsangehörigkeit besitze, hätten sie von ihr abgelassen.

Zündstoff für neue Ausschreitungen

Eltahawy war am Rande der Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Später veröffentlichte sie Fotos, die sie mit Gips-Bandagen an beiden Unterarmen und Händen zeigen.

Nach ihrer Festnahme gab es auf Twitter umgehend eine Gruppe, die unter dem Namen "@freemona" die sofortige Freilassung der Frau forderte. Und die US-Botschaft teilte auf Anfrage mit, man sei wegen der Berichte der jungen Frau "sehr besorgt" und stehe mit den Behörden in Kontakt, um den Fall aufzuklären.

Die Berichte der bekannten Bloggerin, die bis zuletzt über die Proteste informiert hatte, verdeutlichen das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die aktuellen Demonstrationen. Mehrere Journalisten, darunter auch westliche Reporter, wurden von teilweise in ziviler Kleidung auftretenden Sicherheitskräften vorläufig festgenommen und mit der Begründung, sie seien nicht ordnungsgemäß akkreditiert, vom Platz gezerrt.

Theoretisch müssen alle Reporter eine umständlich zu beantragende Akkreditierung vom Informationsministerium bei sich tragen. Am Donnerstag warnte der Militärrat besonders ausländische Journalisten, ohne dieses Papier würden sie möglicherweise festgenommen.

Auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt hatten sich am Donnerstag wieder Tausende Demonstranten versammelt, um den Rücktritt des Militärrates zu fordern. Dieser regiert Ägypten seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar.

Seit Samstag war es zu den bisher schwersten Unruhen seit Mubaraks Rücktritt gekommen. Dabei gab es mindestens 40 Tote und mehr als 2000 Verletzte. Seit Donnerstagmorgen gilt eine Waffenruhe. Sie wurde von ägyptischen Geistlichen ausgehandelt und schien bei Sonnenuntergang noch zu halten.

mit Material von dapd



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