Proteste in Athen: Friedlicher Sitzstreik und Angriff auf Polizeiwache

Erneut Ausschreitungen in Athen: Am Abend haben Jugendliche eine Polizeiwache sowie Geschäfte und Bankgebäude attackiert. Es gab jedoch auch friedlichen Protest mit Sitzstreiks und einer Nachtwache. Die Jugendlichen zeigten sich dabei frustriert und unverstanden.

Athen - In der griechischen Hauptstadt ist es am Abend wieder zu Unruhen gekommen. Jugendliche, die zu Fuß und auf Motorrädern unterwegs waren, griffen eine Polizeiwache sowie Geschäfte und Bankgebäude in Athen an. Auf die Polizeistation in der Innenstadt wurden mehrere Brandsätze geschleudert. Hunderte Randalierer errichteten außerdem brennende Barrikaden und warfen Steine und Leuchtgeschosse auf Polizisten. Diese setzten Tränengas ein.

Friedliche Demonstranten am Syntagma-Platz: "Wir sind keine Hooligans oder Terroristen"
AFP

Friedliche Demonstranten am Syntagma-Platz: "Wir sind keine Hooligans oder Terroristen"

Friedlich verlief dagegen eine Nachtwache, mit der Hunderte Schüler des vor einer Woche erschossenen Alexandros Grigoropoulos gedachten. Mit Kerzen in den Händen versammelten sie sich vor dem Parlament und an der Stelle, an der der 15-Jährige von einer Polizeikugel tödlich getroffen worden war. Vor den Bereitschaftspolizisten, die das Parlament bewachten, bildeten Demonstranten mit Kerzen den Namen Alex.

Bereits tagsüber hatten sich etwa tausend überwiegend jugendliche Demonstranten auf dem Syntagma-Platz in der Athener Innenstadt zu einem friedlichen Sitzstreik zusammengefunden. In Saloniki demonstrierten ebenfalls etwa tausend Menschen.

Auch in der kommenden Woche wollen die Demonstranten jeden Tag auf die Straße gehen. Sie protestieren nicht nur gegen Polizeigewalt, sondern erheben zunehmend auch politische Forderungen unter dem Eindruck einer unpopulären Regierung und einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise. Im Internet schrieb ein Nutzer: "Wir wollen eine bessere Welt. Wir sind keine Hooligans oder Terroristen."

"Die Regierung hat niemandem etwas zu bieten"

Eine der jugendlichen Demonstrantinnen erklärte, ihre Generation fühle sich unverstanden. "Wir haben das Gefühl, dass unsere Eltern und Lehrer uns nicht zuhören", sagte die 16-jährige Veatriki. Offenbar finde man erst Gehör, wenn eine Schaufenster- oder Autoscheibe zu Bruch gehe. Sie betonte, dass Grigoropoulos' Tod nur der Auslöser für die Proteste gewesen sei. Die Jugendlichen seien beispielsweise mit dem Schulsystem unzufrieden.

Von einer "zunehmenden sozialen Krise, verbunden mit einem geschwächten Staat", sprach in diesem Zusammenhang der Zeitungsherausgeber Giorgos Kyrtsos. Die Regierung habe sich sowohl die rebellierenden Jugendlichen als auch die gesetzestreue Mehrheit zum Feind gemacht, sagte Kyrtsos. "Sie hat niemandem etwas zu bieten." Es gebe "etwa 500, ganz sicher weniger als 1000" Anarchisten, zu denen sich bei den gewaltsamen Ausschreitungen Hooligans gesellt hätten, ebenso wie Jugendliche auf der Suche nach einem Abenteuer oder einem Ventil für ihren Frust.

Seit Beginn der Unruhen vor einer Woche wurden Hunderte Geschäfte geplündert. Mindestens 70 Menschen wurden verletzt, mehr als 200 festgenommen. Die Proteste begannen nach dem Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos, der am Samstag vergangener Woche von einem Polizisten erschossen wurde. Die beiden beteiligten Beamten sitzen in Untersuchungshaft.

Demetris Nellas, AP

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