Proteste in Australien: Aborigines bedrängen Ministerpräsidentin Gillard

Australiens Ministerpräsidentin Julia Gillard in Nöten: Wütende Ureinwohner bedrängten die 50-Jährige und Oppositionsführer Tony Abbott in Canberra, beschimpften beide als "Rassisten" und riefen "Schande!". Polizisten brachten die Politiker in Sicherheit.

DPA

Canberra - Wütender Protest in Australiens Hauptstadt Canberra: Etwa 200 Aborigines haben am Donnerstag Ministerpräsidentin Julia Gillard und Oppositionsführer Tony Abbott angegriffen. Die Ureinwohner wollten ein Restaurant stürmen, in dem die Politiker ein Rede hielten, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete.

Die Demonstranten beschimpften die beiden nach Medienberichten als "Rassisten", riefen "Schande!" und hämmerten gegen die Fenster eines Restaurants. Etwa 50 Polizisten mussten Gillard und Abott nach Medienberichten in Sicherheit bringen. Dabei stolperte die Ministerpräsidentin, die sichtlich erschüttert war, und verlor einen Schuh, als sie von Sicherheitsbeamten zu ihrem Wagen gebracht wurde. Die Demonstranten schlugen auch auf das Dach des Autos. Später spielte Gillard den Vorfall herunter und sagte, sie sei aus "ziemlich hartem Zeug" gemacht.

Auslöser für die massiven Proteste war Abbots Forderung, ein Protestzelt der Ureinwohner in Canberra abreißen zu lassen. Dies hatte er zuvor in einem Interview verlangt, wie der Sender BBC berichtete.

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Aborigine-Protest in Australien: Ministerpräsidentin Julia Gillard in Nöten
Die "Aboriginal Tent Embassy" nahe des Parlamentsgebäudes ist seit 40 Jahren ein Symbol für die Aktivisten, die gegen die Ungleichbehandlung der Aborigines protestieren. Abbot habe mit seiner Forderung ausgerechnet am Nationalfeiertag Rassenunruhen heraufbeschworen, sagte Michael Anderson, der Gründer des "Botschaftszelts".

Am "Australia Day" feiert Australien die Ankunft der ersten weißen Siedler im Jahr 1788. Australiens Ureinwohner stellen etwa 500.000 der 23 Millionen Einwohner des Landes. Sie kämpfen gegen viele soziale Probleme. Viele Aborigines leben von Sozialhilfe, 60 Prozent haben keinen Mittelschulabschluss.

heb/dpa/AFP

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1. Solche Politiker gehören aus dem Land gejagt
taxidriver 26.01.2012
Zitat von sysopAustraliens Ministerpräsidentin Juli Gillard in Nöten: Wütende Ureinwohner bedrängten die 50-Jährige und Oppositionsführer Tony Abbottam*in Canberra, beschimpften beide als "Rassisten" und riefen "Schande!". Polizisten mussten die Politiker in Sicherheit bringen. Proteste in Australien: Aborigines*bedrängen Ministerpräsidentin Gillard - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811513,00.html)
Die Ureinwohner Australiens blickten auf eine der stabilsten, zehntausende Jahre währenden Kulturen der Menschheitsgeschichte zurück, mit sehr komplexen Ritualen, als der weiße Mann einfiel und vor allem gegründet auf Goldrausch alles vernichtete. Die Cape York Halbinsel beispielsweise war eine der letzten großen Flächen auf denen die Stämme unbeeinflusst lebten. 1872 fand eine Expedition Gold am Palmer River, 1873 wurde über Nacht Cooktown gegründet und etwa 25 Jahre lang schwärmten von dort hunderttausende Goldsucher aus, um noch mehr zu finden und schossen jeden Krieger (der sich traditionell den Eindringligen entgegen stellen musste) aus dem Weg, vielfach wurden auch Frauen und Kinder ermordet. Um die Jahrhundertwende gab es nur noch versprengte und entwurzelte Reste die sich zusammengewürfelt an verschiedenen Missionen, die heutigen "Communities", sammelten und bis heute nicht mit ihrem Leben klarkommen. Da ist kaum noch was übrig, ich kenne die Ecke gut, sie ist nun weitestgehend menschenleer. Oder z.B.: Tasmanien: Die dortigen Stämme wurden sogar vollständig ausgerottet. Die angebliche Aufarbeitung solcher Geschichten hat es nie gegeben. Einer der größten Flüsse auf der Cape York Halbinsel und ein Nationalpark sind noch heute nach Frank Jardine benannt, der schon vor dem Goldrausch nach dem allerersten Cape-York-Viehtrack prahlte, er und seine Leute hätten über 200 „Wilde“ abgeknallt. Selbst wenn die Ureinwohner das australische Parlamentsgebäude anzünden würden, dürfte man sie meiner Meinung dafür nicht bestrafen. Und die angedrohte Räumung des Zeltes ist eine arrogante Frechheit sondersgleichen, dieser Politiker gehört ohne Gepäck aus dem Land gejagt.
2. Richtig!
Layer_8 26.01.2012
Zitat von taxidriverDie Ureinwohner Australiens blickten auf eine der stabilsten, zehntausende Jahre währenden Kulturen der Menschheitsgeschichte zurück, mit sehr komplexen Ritualen, als der weiße Mann einfiel und vor allem gegründet auf Goldrausch alles vernichtete. Die Cape York Halbinsel .....
und bis in die 1970er Jahre hat man vielen Müttern ihre Kinder weggenommen und diese zur Adoption in weiße Familien freigegeben und/oder in Missionsschulen verbracht. Gestohlene Generationen (http://de.wikipedia.org/wiki/Gestohlene_Generationen) Dies sollte man auch noch erwähnen
3. Der verschwiegende Völkermord.
franzdenker 26.01.2012
Zitat von sysopAustraliens Ministerpräsidentin Juli Gillard in Nöten: Wütende Ureinwohner bedrängten die 50-Jährige und Oppositionsführer Tony Abbottam*in Canberra, beschimpften beide als "Rassisten" und riefen "Schande!". Polizisten mussten die Politiker in Sicherheit bringen. Proteste in Australien: Aborigines*bedrängen Ministerpräsidentin Gillard - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,811513,00.html)
Der Völkermord an den Tasmaniern und Aborigines durch die christlichen Siedler aus England und Europa wird bis heute kaum erwähnt. Dafür interessiert sich auch kein Nicolas Sarkozy. Am Beispiel der Aborigines oder auch der Sinti & Roma sieht man sehr deutlich wie Minderheiten in christlichen Gesellschaften diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. Anschließend beklagt man dann lauthals den mangelnden Integrationswillen oder sucht sogar nach genetischen Argumentationen.
4.
schlammschlacht 26.01.2012
Zitat von franzdenkerDer Völkermord an den Tasmaniern und Aborigines durch die christlichen Siedler aus England und Europa wird bis heute kaum erwähnt. Dafür interessiert sich auch kein Nicolas Sarkozy. Am Beispiel der Aborigines oder auch der Sinti & Roma sieht man sehr deutlich wie Minderheiten in christlichen Gesellschaften diskriminiert und an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. Anschließend beklagt man dann lauthals den mangelnden Integrationswillen oder sucht sogar nach genetischen Argumentationen.
finde ich gut das Sie das Thema im Zusammenhang mit Religion ansprechen. Dann stellen Sie sich doch auch bestimmt schützend vor die vorwiegend christliche Bevölkerung Europas die durch unkontrollierte Zuwanderung aus überwiegend muslimischen Ländern irgendwann in die Minderheit gerät.
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