Proteste in Bahrain Gummigeschosse und Tränengas gegen Jugendliche

Um gegen den ungeklärten Tod eines 15-Jährigen zu protestieren, sind in Bahrain Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die zumeist jugendlichen Demonstranten vor. Die Auseinandersetzungen dauerten Stunden.

AP

Manama - Bei Protesten im Anschluss an die Beisetzung eines Jugendlichen ist es im Königreich Bahrain am Sonntag zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben von Aktivisten und Bewohnern ging die Polizei dabei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Hunderte meist jugendliche Demonstranten vor. Zuvor hatten die Sicherheitskräfte versucht, den Friedhof im Süden der Hauptstadt Manama abzuriegeln.

Die Auseinandersetzungen hätten Stunden gedauert, sagte ein Bewohner des überwiegend von Schiiten bewohnten Orts Sitra. Mindestens ein Demonstrant sei dabei verletzt worden, teilten Aktivisten über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Die Demonstranten waren den Angaben zufolge nach der Beisetzung des 15-jährigen Sayed Hashim Said auf die Straße gegangen. Der Jugendliche sei am Samstag von einer Tränengaskartusche an der Brust getroffen worden und später seinen Verletzungen erlegen, teilten Anhänger der Opposition mit. Die Behörden haben erklärt, die Leiche des Jugendlichen habe großflächige Verbrennungen aufgewiesen, die ein Tränengaskanister nicht habe verursachen können.

Erste Erkenntnisse hätten ergeben, dass der Verstorbene an Angriffen auf Sicherheitskräfte mit Brandsätzen beteiligt gewesen sei, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur BNA einen Polizeivertreter. In einem gerichtsmedizinischen Bericht hieß es, der Jungendliche habe eine Halswunde erlitten, die womöglich tödlich gewesen sei. Die genaue Todesursache werde aber noch ermittelt.

"Politik der Unterdrückung"

Sechs oppositionelle Gruppen haben am Sonntag die Ausschreitungen in Sitra verurteilt. In einer gemeinsamen Mitteilung hieß es: "Wir erneuern unser Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit." Zugleich forderten sie die Regierung dazu auf, ihre "Politik der Unterdrückung" zu stoppen.

Der neue Polizeichef von Bahrain kündigte am Sonntag an, zusätzlich 500 Polizisten "aus allen Schichten der Gesellschaft" einzustellen. Diese sollen nur in den Gegenden arbeiten, aus denen sie ursprünglich stammen.

In Bahrain kommt es nahezu täglich zu Konfrontationen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Die von den Aufständen in Tunesien und Ägypten inspirierte größere Demokratiebewegung wurde allerdings im vergangenen Jahr mit militärischer Unterstützung der Nachbarn Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate niedergeschlagen.

Die Proteste werden überwiegend von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit getragen und richten sich gegen die sunnitischen Herrscher. Seit langem beklagen sich die Schiiten in Bahrain über systematische Diskriminierung. So würden ihnen beispielsweise Jobs als staatliche Sicherheitskräfte oder als Regierungsmitarbeiter verwehrt.

aar/Reuters/dapd/AP

insgesamt 12 Beiträge
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mitbestimmender wähler 01.01.2012
1. Na und
Würde man in Zürich, Basel etc. ebenso bekämpfen
rundertischdgf 01.01.2012
2. Doppelmoral
Zitat von sysopUm gegen den ungeklärten Tod eines 15-Jährigen zu protestieren, sind in Bahrain Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen*gegen die zumeist jugendlichen Demonstranten vor. Die Auseinandersetzungen dauerten Stunden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806616,00.html
Eines der größten US Militärstützpunkte, hier Doppelmoral und Heuchelei sichtbar.
DerNachfrager 01.01.2012
3.
In Bahrein ist das Öl de facto bereits alle. Und ein Golfstaat ohne Öl ist eben vor allem eins: Revolutionskandidat.
TheBlackJack 02.01.2012
4.
Zitat von sysopUm gegen den ungeklärten Tod eines 15-Jährigen zu protestieren, sind in Bahrain Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen*gegen die zumeist jugendlichen Demonstranten vor. Die Auseinandersetzungen dauerten Stunden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806616,00.html
Hat man Protest von der deutschen Politik gehört als Saudi-Arabiein in Bahrain einmarschiert ist? Als Verbündeter des Westens und Verfechter der Menschenrechte ist Saudi-Arabien unantastbar geworden. Die westliche Politik ist, wie man in Sachen Syrien sehen kann, eine verlogene Politik. Es fehlt den westlichen Politikern an Rückgrat...
Kay2342 02.01.2012
5. Und was war in Stuttgart ?
Zitat von sysopUm gegen den ungeklärten Tod eines 15-Jährigen zu protestieren, sind in Bahrain Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei ging mit Tränengas und Gummigeschossen*gegen die zumeist jugendlichen Demonstranten vor. Die Auseinandersetzungen dauerten Stunden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806616,00.html
Tun wir mal nicht so, als ob wir da anders waeren, bzw. unsere ReGIERernden.
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