Putsch in Thailand Tausende Polizisten sollen Proteste unterbinden

Proteste gegen den Militärputsch: Am Sonntag wollen zahlreiche Thailänder gegen ihre neue Führung demonstrieren - 6000 Polizisten und Soldaten sollen das verhindern.


Bangkok - Mit fast 6000 Polizisten und Soldaten will Thailands Führung geplante Proteste in Bangkok verhindern. An acht Orten in der Hauptstadt seien Sicherheitskräfte im Einsatz, sagte der stellvertretende nationale Polizeichef Somyot Poompanmoung am Sonntag. Unter anderem im zentralen Einkaufsviertel, dort hatte ein Aktivist eine "Putschparty" angekündigt. Derzeit gebe es aber noch keine Anzeichen für Proteste, fügte der stellvertretende Polizeichef hinzu.

Dabei berichtet die Nachrichtenagentur AP von Hunderten Demonstranten im Zentrum, sie hätten sich an einer Stelle versammelt, an der bislang kein Militär präsent ist. "Freiheit!" und "Demokratie" rufen sie. Eine 66-jährige Demonstrantin sagt: "Ich bin hier, weil ich keinen Putsch will." Sie wünsche sich Wahlen und Demokratie. "Wir sind im 21. Jahrhundert. Es sollte keine Putsche mehr geben - aber es gibt sie, weil Thailänder Angst haben."

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Proteste in Thailand: "Wir brauchen Freiheit"

Am 22. Mai hat in Thailand die Armee nach monatelangen politischen Unruhen die Macht übernommen, bei den Protesten waren fast 30 Menschen gestorben. Seit der Übernahme gab es fast täglich kleinere Kundgebungen - Versammlungen mit mehr als fünf Teilnehmern hat das Militär verboten. Mehrere Menschen wurden festgenommen, bislang ging das Militär aber nicht gewaltsam gegen die Proteste vor.

Das Militär will frühestensin 14 Monaten wieder demokratische Wahlen zulassen. Wie Juntachef Prayuth Can-ocha am Freitag in einer Fernsehansprache sagte, will die Armee die Amtsgeschäfte selbst zwei bis drei Monate führen. Anschließend soll eine zivile Regierung ernannt werden, die aber vor Neuwahlen ein Jahr lang Reformen durchführen soll. Das entspricht genau den Forderungen der Regierungsgegner: Sie hatten seit November mit Massendemonstrationen den Regierungsbetrieb gestört und verlangten den Sturz der 2011 mit großer Mehrheit gewählten Regierung.

fln/dpa/AFP/AP

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insgesamt 16 Beiträge
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dschungelmann 01.06.2014
1. Bisher herrscht Ruhe auf den Strassen Bangkoks......
und das wird von ca. 75% der Thais begruesst. Niemand weis wirklich wie es weitergehen wird, aber so wie es vorher war konnte es nicht weitergehen. Der Buergerkrieg stand kurz bevor und den will die Masse der menschen sicher nicht. Ich bin kein Freund des Militaers hier, kann aber verstehen WARUM dieser Putsch stattfand. Dschungelmann z.Z: Suratthani , Sued Thailand
Altesocke 01.06.2014
2. 7091
Genau das war vorauszusehen: "Das Militär will frühestensin 14 Monaten wieder demokratische Wahlen zulassen.[..] ....{anschliessend] soll eine zivile Regierung ernannt werden, die aber vor Neuwahlen ein Jahr lang Reformen durchführen soll. Das entspricht genau den Forderungen der Regierungsgegner" Es ist halt nur die frage, ob die Armee es wirklich zulaesst, das die 'Reformen' einen Wahlsieg der Mehrheit verhinden werden. Und wenn das nicht der Fall ist, sind nach der Neuwahl wieder 'Die Roten' an der Macht. Und die werden, sollte der Koenigssohn einmal Koenig werden, von der seite her dann unterstuetzt werden. Dann wird wirklich Buergerkrieg in der Luft liegen!
micromiller 01.06.2014
3. Das thailändische Militaer tut das einzig Richtige
und die Mehrheit der Thailaender kommt damit sehr gut zurecht. In einem Jahr wird sich das bankrotte Demokratiesystem der käuflichen Stimmen und Wohltaten zu Lasten der Allgemeinheit reformiert haben und ein neuer Anfang wird hoffentlich helfen die sich gegenseitig bekämpfenden Millionaers Clans zur Vernunft zu zwingen. Was in Thailand geschieht geht in erster Linie den Thailaendern an, sie gebrauchen keinerlei Ratschlaege der ehemaligen Kolinialmaechte und der USA. Thailand war das einzige Land Asiens, das nie von den So schrecklich demokratischen Kolinialmaechten bestzt weren könnte und das wird auch so bleiben.
ArnoNym 01.06.2014
4. Wie lange dauert es?
Zitat von dschungelmannund das wird von ca. 75% der Thais begruesst. Niemand weis wirklich wie es weitergehen wird, aber so wie es vorher war konnte es nicht weitergehen. Der Buergerkrieg stand kurz bevor und den will die Masse der menschen sicher nicht. Ich bin kein Freund des Militaers hier, kann aber verstehen WARUM dieser Putsch stattfand. Dschungelmann z.Z: Suratthani , Sued Thailand
Ganz Ihrer Meinung! Es fragt sich nur, wie lange es dauert, bis die Thaksin-Fan-Boys aus dem Bett gekrochen kommen und dann hier wieder etwas von "demokratisch gewählter Regierung" labern und dabei vergessen, daß demokratisch gewählt nicht identisch mit demokratisch geführt ist. Der Vorgang, daß eine Regierung de facto von einem verurteilten Verbrecher (Thaksin) aus dem Ausland geführt wurde, dürfte einmalig auf der Welt sein. Mit Demokratie hatte das jedenfalls nichts zu tun. Ich vertraue wie alle Thais, die ich kenne, darauf, daß das Militär mit voller Rückendeckung des Königshauses das Richtige tut: 1. Die Lage beruhigen 2. Eine funktionierende Zivilregierung für eine Übergangszeit einsetzen 3. Den Einfluß des Shinawatra-Clans brechen und die mafiösen Strukturen beseitigen 4. Reformen durchführen 5. Demokratie-Neustart Ich hoffe inständig, daß es der Armee gelingt, den Shinawatra-Clan fern des Demokratie-Neustarts zu halten. Und ich hoffe, daß sich eine nicht ganz so korrupte Partei formiert, die nicht nur wie bisher einer Person dient sondern versucht, echte Politik für das Land zu machen und dabei einen Kompromiß zwischen gelben und roten Interessen zu finden.
Der_Junge_Fritz 01.06.2014
5. Es leben die Militärs!
Lustig, die Mehrheit der Wähler wurde mit Wohltaten und Wahlgeschenken bestochen, das geht natürlich gar nicht, da muss geputscht werden. Wo soll denn das hinführen, wenn eine Regierung Politik im Interesse der Mehrheit betreibt? Sowas gibts schließlich auf der ganzen Welt nicht, da wird ja auch trotz Wahlen Politik für eine Minderheit betrieben. Jetzt erst mal nicht mehr wählen lassen, weil sonst wieder die alte Regierung an die Macht kommt. Die Militärs sollen genug Zeit bekommen, dass das Wahlgesetz so geändert werden kann, damit bei Wahlen nicht was falsches herauskommt!
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