Proteste in Burma Soldaten knüppeln auf Demonstranten ein

Die Lage in Burma spitzt sich zu: Laut Augenzeugen feuerten Soldaten Warnschüsse ab, um die demonstrierenden Mönche auseinanderzutreiben. Das Militär setzt auch Tränengas und Schlagstöcke ein. Frankreich forderte inzwischen schärfere Sanktionen, auch die EU drohte der Junta.


Rangun - Ungeachtet eines Verbots der Militärregierung haben sich in Rangun wieder mehrere tausend Menschen zu einem Protestmarsch versammelt. Die Mönche und ihre Sympathisanten aus dem Volk zogen in Richtung Innenstadt. Zuvor hatte die Polizei an der Shwedagon-Pagode versucht, eine Gruppe von protestierenden Mönchen aufzulösen.

Barrikade in Rangun: Die Militärjunta rüstet auf
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Barrikade in Rangun: Die Militärjunta rüstet auf

Polizisten gingen mit Schlagstöcken gegen die Versammlung vor. Dutzende Zivilisten und Mönche wurden laut Augenzeugen festgenommen und mit Polizeilastwagen weggebracht. Etliche Demonstranten, unter ihnen Studenten und buddhistische Mönche, ergriffen die Flucht, während Soldaten das Stadtgebiet in der Nähe der Shwedagon-Pagode abriegelten. Umgeben von einer Menschenkette aus Unterstützern trotzten etwa 200 buddhistische Mönche der angedrohten Repression durch die Sicherheitskräfte, berichten Augenzeugen.

Hunderte bewaffnete Soldaten und Sicherheitskräfte bezogen Stellung an wichtigen Pagoden und Klöstern, um erneute Proteste gegen die Junta zu verhindern. Mit Lautsprecherwagen wurde die Bevölkerung von den Maßnahmen unterrichtet. Nach Angaben von Mitarbeitern wurde das Krankenhaus in Rangun angewiesen, sich auf die Aufnahme von Patienten vorzubereiten.

"Wir sind auch bereit zu sterben"

Am Morgen hatte einer der buddhistischen Geistlichen erklärt: "Die meisten Mönche wollen marschieren. Wir sind auch bereit zu sterben."

Gestern waren trotz Einschüchterungsversuchen der Militärführung wieder rund 100.000 Menschen friedlich durch Rangun gezogen - rund ein Drittel von ihnen Mönche. Sie verlangten Demokratie für ihr Land und forderten auch Freiheit für die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Am Abend verhängte die Militärführung für die Dauer von 60 Tagen eine nächtliche Ausgangssperre für Rangun, die von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gilt.

In der Nacht war der pro-demokratische Politiker Win Naing verhaftet worden. "Er wurde gegen halb drei festgenommen", sagte einer seiner Freunde der Nachrichtenagentur AFP. Ein westlicher Diplomat berichtete, Win Naing sei dabei beobachtet worden, wie er buddhistischen Mönchen Lebensmittel und Wasser angeboten habe. Auch einer der bekanntesten Schauspieler des Landes, Zaganar, war in der Nacht festgenommen worden. Der Künstler hatte den Widerstand der Mönche ebenfalls unterstützt.

Frankreich fordert weitere Sanktionen gegen Burma

Der französische Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, Jean-Pierre Jouyet, bezeichnete die Polizeirepression am Morgen als "unannehmbar" und forderte härtere Sanktionen gegen die Militärführung in Burma. Angesichts der sich verschlimmernden Lage müsse Frankreich zusammen mit seinen europäischen Partnern "äußerst wachsam" sein und "äußersten Druck" auf die Militärjunta ausüben.

Die Europäische Union stellte ihrerseits eine Verschärfung der Sanktionen gegen die Militärjunta in Aussicht, sollte diese "gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgehen". In einer noch vor der Zuspitzung veröffentlichten Erklärung wurde die Militärregierung zur Zurückhaltung aufgerufen. Zugleich ergeht in dem Text ein Appell "an all diejenigen mit Einfluss auf die Militärregierung, diesen Einfluss geltend zu machen", um eine gewaltfreie Reaktion der birmanischen Behörden auf die Proteste sicherzustellen.

Gegen Burma bestehen wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen seit 1996 Sanktionen der Europäischen Union, die zuletzt 2004 verschärft wurden. Dazu gehören Handelsbeschränkungen, ein Embargo für den Verkauf von Waffen und Einreisebeschränkungen für Mitglieder der Militärregierung. Gestern hatte US-Präsident George W. Bush weitere Sanktionen seines Landes gegen Burma angekündigt.

Die Demonstrationen hatten im August zunächst aufgrund drastischer Preiserhöhungen begonnen. In den vergangenen Tagen hatten sie sich dann unter Führung der Mönche immer deutlicher zum offenen Protest gegen die Militärmachthaber entwickelt.

flo/dpa/AFP/Reuters/AP

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