Proteste in Daraa Polizei schießt erneut auf Demonstranten in Syrien

In der syrischen Stadt Daara ist abermals ein Protest von Regierungsgegnern eskaliert: Die Polizei eröffnete nach Angaben von Augenzeugen das Feuer auf die Demonstranten, mindestens 15 Menschen starben. Mehrere Opfer wurden angeblich in einer Moschee angegriffen.


Daraa - Beim gewaltsamen Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Demonstranten in Syrien sind mindestens 15 Menschen getötet worden. Mindestens neun Menschen seien in der Nacht zum Mittwoch in der Stadt Daraa getötet worden worden, sechs weitere bei einem Angriff während der Beerdigung von zwei der Opfer, sagte ein Menschenrechtsaktivist.

Unter den Opfern der Zusammenstöße in der Nacht seien zwei Frauen, ein Kind und ein Arzt, sagte ein Menschenrechtsaktivist der Nachrichtenagentur AFP. Auch zwei Sicherheitskräfte sollen ums Leben gekommen sein. Ein anderer Menschenrechtsaktivist sprach von mindestens 13 Toten in der Nacht. Zuvor war von fünf Toten und dutzenden Verletzten die Rede gewesen. Die Beamten hatten demnach in der Nacht scharfe Munition und Tränengas gegen eine Sitzblockade rund um die al-Omari-Moschee in der südsyrischen Stadt eingesetzt. "Der Strom fiel aus, und sofort waren Schüsse zu hören", sagte einer der Aktivisten.

Bei der Beerdigung von zweien der Todesopfer hätten die Sicherheitskräfte dann tagsüber das Feuer auf die Trauergäste eröffnet, sagte ein Menschenrechtsaktivist. Dabei seien sechs Menschen getötet worden, unter ihnen auch ein elfjähriges Mädchen, das von einem Querschläger getroffen worden sei.

Die arabische Liga für Menschenrechte erklärte, die syrischen Behörden hätten seit Wochenbeginn mehrere prominente Aktivisten festgenommen, darunter einen bekannten Schriftsteller, der sich mit den Demonstranten in Daraa solidarisch erklärt hatte. Loay Hussein sei am Dienstag in seinem Haus in Damaskus aufgegriffen worden, sein sei Computer beschlagnahmt worden, erklärte der Leiter der Organisation, Abdul Karim al Rihawial Rihawi. Ein weiterer Aktivist sei in Daraa festgesetzt worden.

Regierung stellt Geschehen anders dar und spricht von "bewaffneter Bande"

Die al-Omari-Moschee in Daraa steht seit Tagen im Zentrum der syrischen Protestbewegung. Einige Demonstranten haben dort bereits Zelte aufgeschlagen, um ihren Forderungen nach mehr Freiheit Nachdruck zu verleihen. Auch in der Nacht zum Mittwoch hatten sich an der Moschee wieder hunderte Menschen versammelt.

Die syrische Führung stellte die Vorgänge aus der Nacht anders dar: Die amtliche Nachrichtenagentur Sana berichtete, eine "bewaffnete Bande" sei für die Zusammenstöße in Daraa verantwortlich. Sie habe nach Mitternacht einen Krankenwagen nahe der Moschee attackiert und dessen dreiköpfige Besatzung getötet. Die Sicherheitskräfte hätten daraufhin eingegriffen. Einige Angreifer seien von Kugeln getroffen, andere festgenommen worden.

Uno-Generalsekretär Ban verurteilte das Vorgehen der Sicherheitskräfte und forderte eine "transparente Untersuchung" der Vorfälle. Die syrischen Behörden müssten auf Gewalt verzichten und die Menschenrechte achten, darunter auch das Recht auf Versammlungsfreiheit.

Seit Freitag kommt es in Daraa täglich zu Protesten gegen die autoritäre Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad. In den vergangenen Tagen waren sechs Demonstranten getötet worden. Nach Angaben von Augenzeugen kam es am Mittwoch auch in den nahegelegenen Städten Dschassem und Noa zu Protesten. Frankreich forderte Syrien am Mittwoch zu einem Ende der Gewalt gegen Demonstranten auf. Ähnlich hatten sich auch die Uno und die EU geäußert.

ffr/AFP/dapd



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