Proteste in Hongkong Demonstranten geben ihre Barrikaden auf

Das Ultimatum der Regierung zeigt Wirkung: Die Demonstranten in Hongkong haben ihre Blockade abgebaut, Straßen sind frei, Regierungsgebäude erreichbar. Nur wenige hundert Menschen protestieren weiter.


Hongkong - Die Demonstranten in Hongkong haben sich dem Druck der Regierung gebeugt und ihre Blockade von wichtigen Straßen und Verwaltungsgebäuden aufgehoben. Regierungsbeamte konnten am Montagmorgen ungehindert zur Arbeit gehen, auch die Mittelschulen und einige Banken sind wieder geöffnet. Grundschulen und Kindergärten blieben noch geschlossen.

Die Demonstranten der Occupy-Central-Bewegung wollen eine offene Konfrontation mit den Sicherheitskräften vermeiden. Verwaltungschef Leung Chun Ying hatte sie ultimativ aufgefordert, bis Montagfrüh zumindest einen Teil der Barrikaden abzubauen. Leung hatte vor einer Eskalation gewarnt und die Entschlossenheit bekräftigt, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Ordnung wiederherzustellen".

Einige Menschen harren noch immer auf den Straßen nahe des Regierungssitzes in Amiralty, in Causeway Bay und im belebten Geschäftsviertel Mong Kok aus, ihre Zahl sank über Nacht aber deutlich auf nur noch einige hundert.

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Proteste in Hongkong: Ende der Blockade
Mafia-Schläger griffen Demonstranten an

In den Tagen zuvor war die Bereitschaftspolizei mehrfach mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Am Freitag hatte Leung 3000 Beamte nach Hause schicken müssen, weil ihre Büros von Demonstranten belagert wurden. Die Polizei nahm am Wochenende nach eigenen Angaben 31 Personen fest, darunter mindestens acht mit Verbindungen zu den Triaden - mafiaähnlichen Unterweltgruppen. 165 Menschen seien verletzt worden, berichtete die Krankenhausverwaltung.

Die Studentenvereinigung will nur mit der Regierung verhandeln, wenn diese eingehend die Vorwürfe untersuche, "dass die Polizei gegenüber Schlägern Nachsicht gezeigt und bei den jüngsten Protesten die Durchsetzung des Gesetzes selektiv angewandt hat". Regierungschef Leung, dessen Rücktritt die Studenten nach wie vor fordern, hatte Gespräche mit seiner Stellvertreterin Carrie Lam, der Verwaltungschefin Hongkongs, angeboten.

Die Demokratiebewegung fordert die Änderung einer von Peking auferlegten Wahlreform. Diese sieht vor, dass die Hongkonger 2017 erstmals den Verwaltungschef wählen, Peking aber zuvor die Kandidaten bestimmt.

Seit dem Souveränitätswechsel 1997 genießt Hongkong nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" ein "hohes Maß an Autonomie" sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Die Hongkonger wollen jetzt auch das Versprechen erfüllt sehen, frei wählen zu können.

syd/vet/dpa/Reuters

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insgesamt 25 Beiträge
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fabio 06.10.2014
1. f.loetscher@yahoo.com
oibaf
fabio 06.10.2014
2. Gut,
dass Regierung, Polizei und Demonstranten relativ pfleglich miteinander umgehen. Ich hoffe, der Westen nimmt sich ein Beispiel daran. Diese Gesinnung der Chinesen dürfte es westlichen Agitatoren richtig schwer machen, dort Fuss zu fassen und die Leute aufzuhetzen.
warum_denkt_keiner_nach? 06.10.2014
3. Revolution ausgeblieben
Und dabei hatte SPON doch schon die "Regenschirmrevolution" ausgerufen. Es wäre eben doch ganz gut, die inneren Verhältnisse eines Landes zu recherchieren, bevor man revolutionär hyperventiliert.
raoul2 06.10.2014
4. Hat denn wirklich jemand
Hat denn wirklich jemand allen Ernstes geglaubt, daß es derzeit auch nur einen Hauch einer Möglichkeit gegeben hätte, daß Peking "einknickt"? Dazu genügt es nämlich nicht, ein paar jugendliche "Spaß-Demonstranten" als "Demokratiebewegung" darzustellen, während die friedlichen demokratischen Proteste in Thailand als "Regierungsgegner" bezeichnet wurden. Sicherlich wird die Zeit irgendwann einmal kommen, daß auch im chinesischen Machtbereich Proteste zu einer Änderung führen - allein: Das wird noch eine recht lange Zeit brauchen.
konradb 06.10.2014
5. Richtige Weg
Die Blockaden aufzugeben ist der richtige Weg. Die Regierung muss ihre Von Peking gesteuerte Arbeit machen können, damit das gesellschaftliche Leben weiter gehen kann. Aber die Demonstrationen müssen weiter laugen und es sollten wieder mehr auf die Straße gehen. Nach der Arbeit sollte sich das ganze Land auf den Straßen versammeln, in einem friedlichen, freundlichen Protest, das auch für das Festland eine Alternative sein sollte, um für ihre Freiheit geradezustehen. Das wünsche ich mir für die Menschen.
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