Proteste in Iran Tausende Demonstranten fordern das Regime heraus

Die Protestbewegung in der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte "Tod dem Diktator".

AFP

Teheran - Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und tausenden Demonstranten in Irans Hauptstadt Teheran ist am Montag ein Passant getötet worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Fars. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Augenzeugen berichteten, mindestens drei Demonstranten seien mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, Dutzende weitere seien verprügelt worden.

Tausende Iraner waren auf die Straße gegangen, um ihre Unterstützung für die Protestbewegungen in Ägypten und Tunesien zu zeigen. Nach Angaben einer oppositionellen Internetseite wurden Dutzende Demonstranten verhaftet. Ein Augenzeuge berichtete, die Polizei habe Tränengas und Farbkugeln eingesetzt, um die Demonstranten auseinanderzutreiben, die auf dem Weg zum Azadi-Platz in Teheran waren. Auch in der Stadt Isfahan kam es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten.

Augenzeugen zufolge versammelten sich in Teheran viele Demonstranten in kleinen Gruppen nahe des Azadi-Platzes im Westen des Zentrums. In Anspielung auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad riefen sie "Tod dem Diktator". Einige setzten demnach Mülltonnen in Brand.

Die staatliche Agentur Fars berichtete, "Elemente des Aufruhrs" und der "terroristischen Söldnergruppe" der Volksmudschahedin hätten das Feuer auf Zivilisten eröffnet.

Zahlreiche Polizisten in Schutzkleidung waren an den zentralen Plätzen Teherans stationiert. Staatliche Milizen patrouillierten mit Motorrädern auf den Straßen. Zudem wurde in einigen Stadtteilen das Mobilfunknetz abgeschaltet, um die Kommunikation möglicher Demonstranten zu verhindern.

Führende Oppositionelle unter Hausarrest

Wie die Oppositionswebseite Rahesabz.net berichtete, riefen die Demonstranten "Ya Hossein, Mir Hossein" zur Unterstützung des bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 unterlegenen Reformkandidaten. Nach Angaben von Mussawis Webseite Kaleme.com wurden in Teheran unbestätigten Berichten zufolge hunderte Demonstranten verhaftet.

Die Oppositionsführer Mussawi und Mehdi Karrubi hatten eine Kundgebung aus Solidarität mit den Protestbewegungen in Ägypten und Tunesien beantragt. Obwohl die Regierung die Proteste gegen die Machthaber in Kairo und Tunis offiziell unterstützte, verboten sie die Kundgebung. Die Oppositionswebseiten riefen dennoch zu Kundgebungen auf. Um ihre Teilnahme zu verhindern, stellte die Polizei Mussawi und Karubi nach Angaben der Opposition unter Hausarrest.

Clinton ermutigt Demonstranten

US-Außenministerin Hillary Clinton rief Irans Regierung am Montag zur Öffnung auf. Sie wünsche "der Opposition und den mutigen Menschen auf der Straßen überall im Iran dieselben Möglichkeiten", wie die Ägypter sie sich erkämpft hätten. "Wir denken, dass es ein Bekenntnis zur Öffnung des politischen System im Iran geben muss, um die Stimmen der Opposition und der Zivilgesellschaft zu hören."

Iran hatte erst am vergangenen Freitag den 32. Jahrestag der Islamischen Revolution gefeiert, durch die der Schah vom Pfauenthron verjagt worden war. Dabei hatte die iranische Führung versucht, eine Verknüpfung zwischen der Revolution vor über drei Jahrzehnten und der Demokratiebewegung in Ägypten und Tunesien herzustellen. Sie beschuldigt die Opposition, Teil einer westlichen Verschwörung zu sein, die den Machtwechsel in dem Land vorantreiben wolle. Das staatliche Fernsehen bezeichnete die Demonstranten als "Heuchler, Monarchisten, Strolche".

"Sehnsucht nach Demokratie"

Ardeschir Amir-Arschomand, ein Sprecher für die gescheiterten Präsidentschaftskandidaten und Oppositionsführer Mussawi and Karrubi, beschuldigte die iranische Regierung daraufhin der Heuchelei. Einerseits feiere die Führung die Proteste in Ägypten und Tunesien, andererseits weigere sie sich, im eigenen Land friedliche Demonstrationen zuzulassen.

"Amir-Arschomand widersprach der vom Regime vertretenen Position, die Aufstände in Nordafrika seien von der Iranischen Revolution 1979 inspiriert worden. Stattdessen seien es die Demonstrationen der grünen Oppositionsbewegung nach der vermutlich gefälschten Wiederwahl Präsident Mahmud Ahmadinedschads im Sommer 2009 gewesen, die junge Araber jetzt zur Revolte animiert hätten. Diese könnten nun wiederum dazu dienen, die eingeschlafenen iranischen Proteste erneut zu entfachen. "Nun können wir von ihren Bewegungen lernen. Sie zeigen die Sehnsucht nach Demokratie in unserer Region", so Amir-Arschomand.

In der Folge der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad war der Iran von wochenlangen Massenprotesten erschüttert worden. Die Sicherheitskräfte gingen massiv gegen die Demonstranten vor. Dutzende Menschen wurden getötet, Tausende festgenommen. Zahlreiche Aktivisten und Sympathisanten der Opposition wurden zu teils langen Haftstrafen, manche zum Tode verurteilt.

ulz/putz/AFP/dap/AP/Reuters

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insgesamt 23 Beiträge
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coriolanus, 14.02.2011
1. Wie immer...
Zitat von sysopDie Protestbewegung der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte*"Tod dem Diktator". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745568,00.html
Das staatliche Fernsehen bezeichnete die Demonstranten als "Heuchler, Monarchisten, Strolche". ... die Sprache der Machthaber.
ratxi 14.02.2011
2. Die Befreiungsbewegungen der Völker...
Zitat von sysopDie Protestbewegung der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte*"Tod dem Diktator". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745568,00.html
...greifen weiter um sich. Neue Chancen bieten sich. Eine interessante Zeit beginnt...
mbockstette 15.02.2011
3. Iran: Alles oder nichts
Zitat von sysopDie Protestbewegung der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte*"Tod dem Diktator". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745568,00.html
Die Revolte in Tunesien war spannend, die in Ägypten faszinierend und die Revolution im Iran wird spannend, faszinierend und schockiert zu gleich sein. Der Wille, die Gewaltbereitschaft und die Militanz der Herrscher in Teheran mit dem Mittel der Repression an der Macht festzuhalten wird die Regimegegner im Iran vor eine Aufgabe stellen, gegen die sich die zu überwindenden Herausforderungen in Tunesien und Ägypten sehr wahrscheinlich als reine Manöver im Vergleich zu einem echten Krieg herausstellen werden. Ganz nüchternd betrachtet kann ein Regimewechsel im Iran nur noch unter der Bedingung stattfinden, wenn sich Teile der bewaffneten Kräfte auf die Seite der Veränderung stellen. Ein Aufbegehren wie zuletzt in Tunis, Kairo, Alexandria und Suez geschehen, eine solche Revolte wird in Teheran zur Revolution mutieren und damit sehr wahrscheinlich zur Spaltung innerhalb der Führungen der verschiedenen Sicherheits- und Verteidigungskräften führen und damit bürgerkriegsähnliche Zustände sehr wahrscheinlich werden lassen. Der Blut speiende Brunnen der Märtyrer steht in Teheran und er steht für eine Mentalität die sich mit friedlichen Mitteln alleine womöglich nicht überwinden lassen wird. Ergo befürchte ich, dass im Iran entweder die Opposition oder das Regime in Blut ertränkt werden könnte. Der "Sturm der Demokratie" der über Nordafrika hinwegfegt wird sich über dem Iran, angefacht durch rohe Gewalt, in einen Orkan verwandeln der eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen wird. Aber aus diesem Chaos verspricht unterm Strich mehr Neu_Ordnung hervor zu gehen als dies z.B. in Ägypten vorstellbar ist. In Tunesien ging es um Ben Ali, in Ägypten um Mubarak, aber im Iran geht es um: Alles oder nichts.
jahangir02 15.02.2011
4. Marg bar Khamenei, nicht Ahmadinejad - bitte korrigieren
Zitat von sysopDie Protestbewegung der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte*"Tod dem Diktator". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745568,00.html
Das stimmt so nicht. Auf allen Video-Mitschnitten, die ich verfolgt habe, richtete sich das "Marg bar Diktator" gegen Khamenei, den eigentlichen Machthaber. Eindeutig erkennbar durch vorangegangene oder folgende Phrasen, die sich alle auf Khamenei und das System (Velayate Faghi) bezogen. Falls Sie Quellen haben, die Ihre Überschrift rechtfertigen und aus denen eine Bezugnahme auf Ahmadinejad hervorgeht, bitte ich Sie, diese zu veröffentlichen. Ansonsten muss ich leider davon ausgehen, dass Sie entweder schlecht recherchiert haben oder aber versuchen, der deutschen Leserschaft ein falsches Bild der Lage vorzugaukeln. Die Iraner sind nicht dumm und wissen genau, gegen wen sie sich wenden müssen um die Lage zu ändern. Ahmadinejad ist hierbei nur von zweitrangiger Bedeutung, wie aus der Verfassung der Islamischen Republik eindeutig vorgeht. Die jetzigen Proteste drehen sich auch nicht um Ahmadinejads Wahlbetrug im Sommer 2009, sondern sind eindeutig gegen das gesamte System gerichtet - egal ob dass nun einigen deutschen Journalisten und Geschäftemachern in den Kram passt oder nicht.
gambio 15.02.2011
5. Nicht schon wieder Spon
Zitat von sysopDie Protestbewegung der arabischen Welt greift auf Iran über. Bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei in Teheran kam ein Mann ums Leben. Der Volkszorn richtete sich gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Menge skandierte*"Tod dem Diktator". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745568,00.html
Verfallen wir mal wieder in Iran-Hysterie und beschwören eine Revolution herauf? Kommen dann auch bald die geheimen Killerkommandos oder irgendeine zufällig um Leben gekommene "schöne" Studentin die man künstlich zum Gesicht von etwas machen will was es nicht gibt ? Fragt lieber Scholl-Latour bevor ihr erneut auf die Nase fallt mit eurer iranischen Märchenstunde. Es ist nämlich mittlerweile so einfach zu durchschauen was damit verfolgt wird und das hinter allem CIA und Mossad stecken wenn dort rumgemuckt wird sollte auch dem letzten Spon-Naivchen einleuchten.
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