Proteste in Libyen Gaddafis Polizei feuert Gummigeschosse auf Demonstranten

Erhebt sich das Volk jetzt auch gegen Libyens Herrscher Gaddafi? Aus der Stadt Bengasi werden schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gemeldet. Die Polizei soll Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt haben.

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi: Genügend Mittel für Geschenke an das Volk
dpa

Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi: Genügend Mittel für Geschenke an das Volk


Bengasi - Die Protestbewegung gegen autoritäre Regime in der arabischen Welt hat am Mittwoch Libyen erfasst. Mehrere hundert Demonstranten gingen in der zweitgrößten Stadt des Landes, Bengasi, auf die Straße, um den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Baghdadi Ali al-Mahmudi zu fordern. Ein Rücktritt von Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi sei nicht gefordert worden, berichtet die Nachrichtenagentur dapd unter Berufung auf Augenzeugen. Die Demonstranten riefen demnach Parolen wie "Das Volk wird die Korruption beenden" und "Bengasi wach auf, dies ist der Tag, auf den du gewartet hast".

Nach Informationen der BBC demonstrierten etwa 2000 Menschen gegen die Festnahme eines regierungskritischen Anwalts. Der Anwalt sei später wieder freigekommen, die Proteste hätten aber zunächst angedauert. Laut BBC warfen die Demonstranten Steine auf Polizisten, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. 14 Menschen seien verletzt worden.

Im Internet wurden zudem Amateurvideos veröffentlicht, auf denen im Dunkeln Hunderte von Männern und Frauen zu sehen sind, die rufen: "Das Volk will den Sturz des Regimes und "Gaddafi, raus, raus!". Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, bei den Demonstranten habe es sich um "15 junge Menschen" gehandelt.

Nach der Auflösung der Demonstration versammelten sich in Bengasi, Tripolis und weiteren Städten Hunderte Anhänger Gaddafis. Das libysche Fernsehen übertrug am Morgen live, wie sie Fahnen und Fotos von Gaddafi schwenkten und den Revolutionsführer priesen.

Nach dem Vorbild anderer arabischer Staaten ist am Donnerstag in Libyen ein "Tag des Zorns" geplant, zu dem über das Soziale Netzwerk Facebook aufgerufen wird. Der dort gegründeten Gruppe mit dem Titel "Revolte des 17. Februar 2011" schlossen sich bis Mittwochnachmittag rund 9600 Menschen an.

Gaddafi hatte sich 1969 an die Macht geputscht. Erst profilierte er sich als Feind des Westens, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 diente er sich den westlichen Hauptstädten als Partner an.

Bereits Anfang Januar erlebte das Land Unruhen, unzufriedene Bürger protestierten gegen den Wohnungsmangel. Auch die hohe Arbeitslosigkeit und steigende Lebensmittelpreise erregten den Volkszorn. Gaddafi bekämpft Aufstände bisher zum einen mit seinem effektiven Unterdrückungsapparat, dessen Brutalität die Menschen fürchten. Zum Anderen verfügt er durch die reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen über genügend Mittel für Geschenke an das Volk. Und so wurden in den vergangenen Wochen Steuern und Zölle auf Lebensmittel abgeschafft.

Massenbewegungen haben seit Anfang des Jahres die Regime in Tunesien und Ägypten gestürzt. Demonstrationen gegen Regierungen gab es zudem im Jemen, in Jordanien und Bahrain.

In dem Golfstaat setzten am Mittwoch mehrere tausend Demonstranten den dritten Tag in Folge ihre Proteste gegen die Regierung fort. Viele von ihnen verbrachten die Nacht in Zelten auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Manama, den sie seit Dienstag besetzt halten.

Einige Demonstranten schlossen sich am Mittwochmorgen einer Trauerfeier für einen am Vortag bei Zusammenstößen mit der Polizei getöteten Demonstranten an. Auch am Montag war bereits ein Demonstrant getötet worden. Mindestens 25 Menschen wurden beim Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen verletzt.

Die Demonstranten waren einem Aufruf der Opposition zu einem "Tag des Zorns" am Montag gefolgt. Jugendgruppen und Menschenrechtsaktivisten in dem Königreich hatten im Internet am Jahrestag der Verfassung von 2002 zu einer Großdemonstration nach dem Beispiel der Massenproteste in Ägypten aufgerufen. Sie betonten, dass das Ziel der Proteste nicht die Absetzung des herrschenden Regimes sei, sondern lediglich eine demokratische Öffnung des politischen Systems. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit in Bahrain wirft der sunnitischen Führungsschicht Diskriminierung vor.

Die USA äußerten sich beunruhigt über die Gewalt bei den Protesten in Bahrain. Die Vereinigten Staaten seien deswegen "sehr besorgt", erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Washington, P.J. Crowley, am Dienstag. Er rief "alle Seiten auf, sich zurückzuhalten und Gewalt zu unterlassen." Crowley fügte hinzu, die USA hätten eine Bestätigung erhalten, wonach zwei Demonstranten getötet worden seien. Er rief die Regierung des Golfstaats auf, wie von ihr versprochen die Fälle zu untersuchen und "gegen jeglichen ungerechtfertigten Einsatz von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte Bahrains" vorzugehen.

hen/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 24 Beiträge
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Doctor Feelgood 16.02.2011
1. Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse?
Na - da gehts ja zu wie bei uns, nicht wahr?
ratxi 16.02.2011
2. Sollte es ihn jetzt etwa auch noch erwischen?
Zitat von sysopErhebt sich das Volk jetzt auch gegen Libyens Herrscher Gaddafi? Aus der Stadt Bengasi werden schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gemeldet. Die Polizei soll Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745841,00.html
Als letzten sympathischen Herrscher dieser Erde... :)
mavoe 16.02.2011
3. lol
Zitat von sysopErhebt sich das Volk jetzt auch gegen Libyens Herrscher Gaddafi? Aus der Stadt Bengasi werden schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gemeldet. Die Polizei soll Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745841,00.html
wenn es nicht so ernst wäre könnte ich mich fast darüber amüsieren, was in der arabischen Welt z.Zt. passiert. War früher öfters mal in diesen Gegenden unterwegs und ich wundere mich jetzt nur noch... * kopfschüttel *
slider 16.02.2011
4. Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse !
Welche lupenreine Demokraten haben Gaddafi die Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse verkauft ?
Da_Niel 16.02.2011
5. Sprache reflektiert
Zitat von sysopErhebt sich das Volk jetzt auch gegen Libyens Herrscher Gaddafi? Aus der Stadt Bengasi werden schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gemeldet. Die Polizei soll Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745841,00.html
Da können die Bürger Libyens ja wohl auch froh sein in Gaddafis Land geduldet zu werden...
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